Alexander Daniels

Alexander Daniels

„Die meisten Fonds kosten mehr als eine individuelle Vermögensverwaltung“

Aktive Fonds oder ETFs - das ist für immer mehr Anleger die entscheidende Investmentfrage. Die einen wollen sich die Chance auf überdurchschnittliche Renditen nicht nehmen lassen und riskieren im aktiven Fonds auch ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Die anderen schätzen die Klarheit und Transparenz eines Indexproduktes, das einen Markt verlässlich abbildet und dabei sehr kostengünstig ist.

Die Anlage in Einzeltitel gerät dabei immer weiter ins Hintertreffen. Zu sehen ist das nicht zuletzt an den Statistiken zur Aktienanlage in Deutschland. Im Jahr 2000 gab es noch 6,2 Millionen direkte Aktienbesitzer in Deutschland, zehn Jahre später waren es nur noch 3,9 Millionen. Gemessen an der Gesamtzahl der Aktienbesitzer sank der Anteil der Direktbesitzer von 43 Prozent in 2000 auf 39 Prozent. Noch nicht berücksichtigt sind dabei synthetische Aktienbesitzer, die strukturierte Finanzprodukte wie Zertifikate oder bestimmte ETFs halten und deren Zahl in den vergangenen zehn Jahren erheblich zugenommen hat.      

Die Direktanlage hat viele Vorteile. Sie ist transparenter, als es jeder ETF sein kann. Es gibt keine Möglichkeit, Kosten im Produkt zu verstecken, keine unklare Preisgestaltung und keinen Handel abseits der Börse. Nur mit Einzeltiteln lässt sich die Gewichtung einzelner Aktien im Gesamtdepot präzise gemäß den eigenen Erwartungen modellieren. Nur mit Einzeltiteln kann man wirklich sicher sein, Unternehmen, die man nicht möchte, auch nicht zu haben.

Für uns als Vermögensverwalter ist das Thema ebenfalls von hoher Relevanz. Denn aus unserer Sicht ist eine Vermögensverwaltung mit Investments in Einzeltiteln gegenüber einer mit Fonds und/oder Zertifikaten aus vielen Gründen für den Kunden sinnvoller:

1. Ganz generell sollte das Vertrauen des Kunden in den Vermögensverwalter nicht durchgereicht werden an einen x-beliebigen Fondsmanager. Der Vermögensverwalter steht direkt in der Verantwortung.

2. Der Vermögensverwalter ist gegenüber den Kunden wesentlich glaubwürdiger, da er seine Gebühr ausschließlich vom Kunden erhält. Bestandsprovisionen und Rückvergütungen (Kickbacks) vom jeweiligen Investmentfonds oder den Produktemittenten sind ausgeschlossen. Der Kunde hat jederzeit einen vollständigen Kostenüberblick.

3. Zusatzkosten der Fonds oder Zertifikate belasten die Performance. Viele Fonds kosten den Anleger (durch Management Fees, Bestandsprovisionen und ähnliches) deutlich über 1,5 Prozent pro Jahr. Bei Zertifikaten fallen teilweise Kosten von bis zu 5 Prozent an. Die meisten Fonds kosten mehr als eine individuelle Vermögensverwaltung; das wird aber nicht transparent ausgewiesen.

4. Bei einer Vermögensverwaltung mit Einzeltiteln ist die Steuerung der Cashquote ein wichtiges und weitreichendes Risikomanagement-Instrument. Viele Fonds-Vermögensverwalter haben kein Interesse an einer hohen Cashquote, da diese Positionen keine Bestandsprovisionen erwirtschaften.

5. Viele in der Vergangenheit sehr erfolgreiche Fonds werden schnell größer und träger. In der Folge kann die Investmentstrategie nicht mehr nachhaltig erfolgreich umgesetzt werden.
    
In Einzelfällen können Fonds übrigens auch für einen auf Direktinvestments setzenden Verwalter durchaus eine Bedeutung haben, weil es Märkte gibt, die der Vermögensverwalter nicht im Fokus hat. Die lassen sich dann über Einzeltitel hinaus sehr gut mit einfach gestrickten, kostengünstigen ETFs abdecken. Ansonsten gilt, dass Einzeltitel die unverfälschteren Investments sind.

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