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Ferienhäuser in Corona-Zeiten „Die Nachfrage stieg um bis zu 650 Prozent“

Knud Wilden, Geschäftsführer der W&N Immobilien-Gruppe
Knud Wilden, Geschäftsführer der W&N Immobilien-Gruppe

Herr Wilden, sind Ferienimmobilien als Kapitalanlage seit Corona wirklich noch ein gutes Investment?

Knud Wilden: Wenn Sie sich die wachsenden Kaufquoten anschauen, sind Ferienimmobilien begehrter denn je. Zwar hat die Ferienvermietung in Deutschland über das gesamte Corona-Jahr 2020 Einbußen hinnehmen müssen, aber in der Hochsaison im Sommer gab es in etlichen Urlaubsgebieten einen noch nie dagewesenen Boom mit – laut Statistischem Bundesamt – Zuwächsen um bis zu 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Entsprechend kam es in den letzten Monaten auch kaum zu Verkäufen von Bestandsobjekten. Im Gegenteil, manche, die keine Ferienwohnung in Deutschland mehr mieten konnten, haben selbst eine erworben. Gleichzeitig ist das Angebot an Ferienobjekten und Top-Grundstücken, zum Beispiel Wasserlagen, rückläufig. Laut einer Studie des IfD Allensbach lebten 2020 rund 21 Prozent mehr Personen in einem Haushalt mit eigener Ferienimmobilie als im Vorjahr. Die Objekte bieten somit weiterhin viel Potenzial und zeigen sich sehr wertstabil.

Dennoch gab es Mietausfälle.

Wilden: Aus den aktuellen Zahlen geht hervor, dass in der Krise phasenweise der Cashflow betroffen war, also die Einnahmen aus der Fremdvermietung – und damit natürlich auch ein Teil der Rendite. Für die Immobilie als Anlageobjekt zählt aber in erster Linie die langfristige Perspektive, also der Gewinn am Ende der Investitionslaufzeit unter Berücksichtigung der Wert-Entwicklung. Es gibt also vorübergehend Verluste, aber auf lange Sicht spielt das eine eher untergeordnete Rolle, zumal der Markt insgesamt wächst. Auch grundsätzlich ist es so, dass der Ferienimmobilienmarkt von Wirtschaftskrisen seit jeher recht unberührt geblieben ist. Deshalb rechne ich zumindest im Segment Ferienwohnungen oder bei Suiten-Hotels mit voll ausgestatteten Apartments weiterhin nicht mit einem dauerhaften wirtschaftlichen Schaden, auch nicht durch die Corona-Krise.

Weshalb sind Ferienimmobilien in Deutschland aktuell so ein beliebtes Investment?

Wilden: Das hat verschiedene Gründe. Einerseits wächst der Bedarf an Ferienimmobilien in Deutschland, andererseits werden sie zunehmend als interessante Kapitalanlage gesehen. Die aktuelle Marktstudie 2020 von Fewo-Direkt ermittelte, dass unter den Kaufgründen die Kapitalanlage zur Altersvorsorge mit 55 Prozent sogar an erster Stelle steht, dicht gefolgt von Eigennutzung und Vermietung mit 54 Prozent. Inflationsschutz gaben etwa 19 Prozent an. Aufgrund der großen Kaufnachfrage ergaben sich in den letzten zirka 10 bis 15 Jahren teils Wertzuwächse um das 1,6-fache. Das heißt, eine Ferienimmobilie, die damals für 400.000 Euro erworben wurde, liegt heute bei einem Wiederverkaufswert von zirka 600.000 Euro und damit bei einem steuerfreien Gewinn von 200.000 Euro. Setzt sich dieser Trend so fort, sind ähnliche Gewinngrößen weiterhin realisierbar.

Weshalb dieses enorme Wachstum in den letzten 20 Jahren?

Wilden: Eine Ursache ist, dass viele Urlaubsländer unattraktiver oder unsicherer geworden sind. Mit Corona kamen noch Unannehmlichkeiten wie Quarantänen und gestrichene Flüge hinzu, so dass eine schnell erreichbare Ferienwohnung in schöner Lage und eine gute medizinische Versorgung in der Nähe wichtig wurden.

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