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Die Perlentaucher

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Wenn es an den Börsen ungemütlich wird, laufen Value-Investoren zur Hochform auf. Ihre gute Stimmung scheint gerechtfertigt: Selten waren wertvolle Unternehmen so preiswert wie heute.
„Es ist fantastisch, ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagt Jorn Linde Andersen. Der dänische Fondsmanager hat gute Laune, und Grund dafür ist die miese Stimmung an den weltweiten Aktienmärkten. Nachdem die über Jahre hinweg gute Stimmung bereits im Sommer 2007 einen ersten Dämpfer erhalten hatte, kam es im Januar zur Schussfahrt: Mit einem Minus von 15 Prozent markierte etwa der Dax in nur vier Wochen seinen schwächsten Jahresstart seit Index-Berechnung; der MSCI Weltindex verlor immerhin fast 10 Prozent. Noch schlimmer als den Dax erwischte es chinesische und osteuropäische Titel, die Highflyer der vergangenen Jahre.
Seit die USA vor einer Rezession stehen, weiß auch der letzte Investor, dass erst einmal Schluss ist mit sorgenlosem Investieren. Trotzdem oder gerade deshalb ist es für Andersen „ein unglaublich gutes Gefühl, heute Aktien zu kaufen“. Der 46-Jährige ist ein Value-Investor und seit Anfang des Jahres für den Global Value Fonds der skandinavischen Gesellschaft Nordea verantwortlich. Einer von fünf globalen Value- Fonds, die DAS INVESTMENT im aktuellen Umfeld für besonders chancenreich und krisensicher hält.
Value, englisch für Wert, steht für eine klassische Investmentphilosophie. Vereinfacht besagt sie Folgendes: Kaufe Aktien von niedrig bewerteten Unternehmen und halte sie so lange, bis der Markt einen angemessenen Preis für sie bezahlt. Das alles ohne taktische Spielchen, ohne die Hoffnung, noch einen spektakulären Höhenflug auszureizen, ohne schnelles Ein- und Aussteigen, häufig auch ohne Vorgabe, eine bestimmte Länder- oder Branchenaufteilung zu erreichen. Was zählt, ist allein die Bewertung.
Gerade in der Bewertung liegt der Grund für die unverhohlene Schadenfreude von Nordea-Manager Andersen. Im Chaos fallender Märkte gehen Anleger nicht rational vor: Sie strafen auch solide, konjunkturunabhängige und sogar krisenfeste Unternehmen ab. „Wenn die Aktienmärkte richtig durchgeschüttelt werden, fällt einfach alles durchs Raster“, erklärt Jörg Lange. Ertragreiche Großkonzerne mit einem grundsoliden, wenngleich auch unspektakulären weltweiten Geschäft werden ebenso aussortiert wie konjunkturabhängige Unternehmen mit schwachem Umsatz und sinkenden Gewinnen. „Deshalb“, so der Geschäfts - führer der Hannoveraner Fondsberatung Petersen & Lange, „sind unsichere Börsenzeiten immer ein besonders guter Zeitpunkt für Value-Manager und für Anleger entsprechend ausgerichteter Fonds.“

Stützen der Weltwirtschaft

Was Value-Investoren suchen, sind Unternehmen, deren Aktienkurs zu Unrecht ins Taumeln geraten ist. Große multinationale Konzerne – häufig die Lieblinge der Value-Investoren – sind in der ganzen Welt zu Hause und nicht auf einzelne Märkte fixiert: Schwächelt der Coca-Cola-Absatz in den USA, können in Asien und Europa trotzdem neue Rekorde mit der braunen Brause eingefahren werden. Dienstleister rund um das Thema Tankstelle, wie das US-Unternehmen Schlumberger, sind nicht konjunkturanfällig: Gewartet werden müssen Zapfsäulen und Bohrinseln so oder so – ganz gleich, wo der Ölpreis steht. Vielfach haben die großen Unternehmen eine hohe Kapitaldecke. Sie haben niedrige Schulden und sind weniger auf Kredite angewiesen, wenn diese im Zuge der Finanzkrise zögerlicher vergeben werden. „Too big to fall“, zu groß, um zu fallen, ist angesichts der Finanzkrise ein gern verwendetes Prädikat für die Börsenriesen. Internationale Value-Fonds, die derzeit genau dort ihren Schwerpunkt haben, gelten daher zu Recht als Basis- und Langfristinvestment. Sie sind Balsam für unsichere Börsenzeiten und holen zugleich die unternehmerischen Stützen der Weltwirtschaft ins Portfolio.

Value: Stärke in der Schwäche

Das Problem: Kurzfristig haben auch Value-Fonds den Verrücktheiten der Börse wenig entgegenzusetzen. Rund 12,3 Prozent verloren sie nach Angaben des Datenbank - anbieters Eurofonds im Schnitt während der vergangenen zwölf Monate. Verantwortlich dafür waren besonders Aktien von Finanzunternehmen, zählen diese doch zu den klassischen Value-Unternehmen. Doch die schlechte Wertentwicklung spricht eher für einen Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt als dagegen. Nach früheren Schwächephasen haben sich die Börsen mit zweistelligen Prozentraten erholt. Value-Fonds laufen im Börsenaufschwung meist schwächer als der Gesamtmarkt, das liegt im System begründet. Dafür laufen sie bei einer schwachen Börse in der Regel besser als der Durchschnitt.
Dafür ist der Templeton Growth, der größte Klassiker unter den Value-Fonds, ein treffliches Beispiel. Auch wenn die schiere Größe von nahezu 30 Milliarden Euro immer wieder Kritiker auf den Plan ruft: In der Vergangenheit hat das Management gezeigt, dass es keine kurzfristigen Trends mitmacht und sich rechtzeitig, wenn auch mitunter zu zeitig, aus heißen Märkten verabschiedet. Das kostet Pluspunkte, wenn die Party an den Börsen dem Höhepunkt zusteuert. Herrscht jedoch anschließend Katerstimmung, darf der Templeton Growth immer noch als grundsolides und chancenreiches Investment gelten.
Gleiches gilt für den Value-Fonds der New Yorker Gesellschaft Tweedy Browne. Im November 2005, als die Börsenrally in vollem Gang war, schloss Tweedy Browne den Fonds; mangels Kaufgelegenheiten und mit einer Barquote von 35 Prozent. Ende Januar, mitten im Kurs-Chaos, haben die Amerikaner wieder geöffnet und gehen auf Schnäppchentour. „Die aktuellen Kursschwankungen an den weltweiten Börsen bringen sehr interessante Investmentchancen mit sich“, erklärt Christopher Browne, Partner und Manager bei der US-Gesellschaft.
In guten Zeiten geschlossen, offen in der Krise; kaum eine Aktion könnte besser illustrieren, wie ein solider Value-Ansatz funktioniert. Die aktuell größten Positionen im Fonds sind der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé, der finnische Aufzugsbauer Kone und die Brauerei Heineken. „Dieser Fonds ist ein Klassiker und eine exzellente Basisanlage“, erklärt Rüdiger Sälzle, Vorstand der Münchener Bera- tungsgesellschaft Fonds consult. Unklar ist indes, wie lange Tweedy Browne den Fonds für Anleger geöffnet lassen wird.

Sparinvest: 40 Prozent Abschlag

Ähnlich optimistisch wie Nordea-Manager Andersen und Christopher Browne gibt sich auch Jens Rasmussen. Fünf Käufe hat der Manager des Global Value Fonds der dänischen Gesellschaft Sparinvest in den ers - ten acht Wochen des Jahres bereits getätigt. Im Gesamtjahr 2007 orteten die Dänen lediglich zehn neue Kaufkandidaten unter den weltweiten Substanzwerten. „Wir finden derzeit besonders in Japan und den USA unterbewertete Unternehmen, die wenig geliebt, kaum beachtet und daher sehr preiswert sind“, erklärt Rasmussen den für Value- Investoren typischen antizyklischen Investmentansatz, aus einer Krisenstimmung Kapital zu schlagen.
Ausschlaggebend für die Sparinvest-Manager ist die Bilanz eines Unternehmens. Kaum Schulden und ein niedriges Kurs- Buchwert-Verhältnis, das sind zwei entscheidende Pluspunkte. Was sind alle Einzelteile des Unternehmens wert, und wie spiegelt sich diese Summe im Aktienkurs des Unternehmens und im Vergleich zu Wettbewerbern wider? Liefert die Analyse einen Abschlag von mindestens 40 Prozent auf Sicht der kommenden drei bis fünf Jahre, ist das Unternehmen ein klarer Kauf. Ganz gleich, aus welchem Land oder welcher Branche. Nur Schwellenländer sind tabu: Das politische Risiko lässt sich nicht analysieren. Erreicht der Aktienkurs den zuvor ermittelten inneren Wert, wird konsequent verkauft.
Wer dem Value-Ansatz à la Sparinvest vertraut, muss trotz allem Geduld mitbringen. „Wir versuchen kein Market-Timing, daher kann der Kurs nach einem Kauf natürlich noch nachgeben“, so Rasmussen. Auf Fünf-Jahres-Sicht peilt der Sparinvest-Manager eine Rendite von 8 bis 10 Prozent an. Manchmal ist auch deutlich mehr drin, wie das Beispiel VW zeigt: Beim Wolfsburger Autokonzern griffen die Dänen 2003 zu, nachdem der Gewinn im Vorjahr massiv eingebrochen war. Der neue Golf verkaufte sich schlecht, die Dividende wurde gekürzt, und die Aktie kostete nur noch knapp 35 Euro. Bis Ende 2007 stieg der Kurs auf fast 200 Euro. Ziel erreicht, Aktien verkauft.

Ziel erreicht, Aktien verkauft

Vom Ergebnis her ähnlich verliefen Engagements bei Douglas, Hochtief und MAN. „Vor fünf Jahren hat keiner mehr an das Qualitätssiegel ,Made in Germany‘ geglaubt“, kommentiert Rasmussen. „In der Folge waren deutsche Unternehmen mit einer einwandfreien Bilanz extrem günstig bewertet.“ Heute kommen die Favoriten aus Japan und Asien, zum Beispiel der Mischkonzern Hutchison Whampoa aus Hong - kong. Zu dessen Portfolio gehören unter anderem Häfen, Immobilien, Einzelhandelsunternehmen und Hotels. „Diese Holding- Struktur wird derzeit vom breiten Markt nicht gemocht“, erklärt der Fondsmanager. Doch die gesamten Besitztümer des Unternehmens sind den Berechnungen von Sparinvest zufolge mehr wert, als es der derzeitige Kurs vermuten lässt. Für die Dänen ein klarer Kauf.
Und Privatanleger mögen zu Recht den Fonds: Entgegen dem Trend sammelte der Sparinvest Global Value auch in der Krise frisches Geld ein. In den vergangenen zwölf Monaten stieg das Fondsvolumen von 936 Millionen Euro auf derzeit 1,3 Milliarden Euro. Ähnlich diszipliniert, wenn auch mit wesentlich weniger Kapital, geht Nordea-Manager Andersen vor: keine Experimente, nur Qualität. Die Aktie der größten Baumarktkette der Welt, Home Depot, kostet heute so viel wie vor fünf Jahren? Gekauft. Johnson & Johnson zahlt seit über 30 Jahren eine solide Dividende? Gekauft. Nestlé? „Ist viel mehr wert, als es der Kurs vermuten lässt“, so Andersen. Auch der Schweizer Konzern ist für ihn ein Top-Investment. Das Gleiche gilt für die Großbank Credit Suisse. Kursrückgänge, nachdem die Bank bekannt gab, die Bilanz noch einmal überprüfen zu lassen, sitzt Andersen aus: „Das Unternehmen ist enorm preiswert, und wenn sich die Aufregung legt, werden das auch andere Investoren erkennen.“ Auch Andersen interessieren nicht Regionen und Länder, sondern nur die Unternehmen.
„Er ist ein Value-Freak aus Leidenschaft“, sagt Jörg Lange. Zuversichtlich für den Nordea- Fonds ist der Berater besonders wegen Andersens Vergangenheit: Als Mitbegründer von Linde Partners erzielte Andersen zwischen 1999 und 2005 einen Trackrecord von durchschnittlich 14,6 Prozent, wäh rend der MSCI Weltindex jährlich um lediglich 2,6 Prozent stieg. Lange: „Andersen überzeugte besonders in schwierigen Zeiten.“
Ähnlich erfolgreich ist auch Norbert Keimling: Sein Starcap Priamos wird auf quantitativer Basis nach einem Computermodell gemanagt. Dabei gewichtet der Starcapital-Manager alle gekauften 50 Einzelwerte grundsätzlich gleich hoch. Keimling berechnet nicht das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das aktuelle Jahr, sondern für die durchschnittlichen Gewinne der vergangenen zehn Jahre. „So lassen sich relativ zuverlässige Renditeprognosen erstellen“ sagt er. Seit der Auflage im Dezember 2001 hat der Starcap Priamos pro Jahr durchschnittlich 9,8 Prozent zugelegt, der MSCI Welt gab 0,1 Prozent nach.

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