Gunter Schäfer, Kommunikations-Chef von Ökoworld Foto: Ökoworld

Ökoworld-Experte im Interview

„Die Politik muss endlich handeln“

DAS INVESTMENT: Der Klimawandel prägt schon seit Jahren die Schlagzeilen. Warum kommt der große Schub für grüne Anlagen ausgerechnet während der Corona-Pandemie?

Gunter Schäfer: Es ist Fünf vor Zwölf endlich Flagge für das Klima und eine bessere Welt zu zeigen. Nicht nur die Corona-Krise stellt uns vor Herausforderungen, sondern auch die schon lange existente Klimakrise: Bäume sterben an Trockenheit, die Hitzewellen und Waldbrände nehmen bedrohlich zu. Millionen Menschen verlieren durch Dürren, Stürme und Überflutungen ihre Lebensgrundlagen und werden zu Flüchtlingen. Selbst die Arktis erreicht Hitzerekorde von bis zu 38 Grad.

Die Politik muss sich bewegen, damit Unternehmen, die Wirtschaft und die gesamte Menschheit sich mit bewegen können. Viele Menschen haben bereits ihre Konsumgewohnheiten geändert. Fairer Handel, das kritische Hinterfragen von Lieferketten, gesunde Ernährung, eine umweltfreundlichere Mobilität von A nach B und gesteigertes Bewusstsein sind zu beobachten. Das Interesse, auch seinem Geld eine zukunftsfähige Richtung zu geben, wächst. Wenn auch langsamer als das sonstige Konsumverhalten.

Ökoworld setzt seit Jahrzehnten auf nachhaltige Investments. Fühlen Sie sich mit dem aktuellen Zuspruch besonders bestätigt?

Schäfer: Wir freuen uns, dass unser ethisch, ökologisch und sozialer Ansatz in den von Corona belasteten Monaten zu noch mehr Vertrauen in unsere Ökoworld-Fonds geführt hat. Es verwundert bei näherer Analyse aber auch nicht. In Zeiten der Verunsicherung suchen die Anlegerinnen und Anleger, aber auch die Wiederverkäuferinnen und Wiederverkäufer nach ehrlichen, glaubwürdigen und transparenten Anlageprodukten. Nach sogenannten „Wohlfühlfonds“.

Die Sensibilisierung für das Menschsein sowie eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft führen dann in logischer Konsequenz dazu, sich näher mit der Ökoworld zu beschäftigen. Wir sind uns unserer Verantwortung mehr als bewusst und danken allen für dieses gesteigerte Bewusstsein und Vertrauen.

Wie schätzen Sie die angekündigten Bemühungen von Politik, etwa der EU und der EZB, und Unternehmen ein?

Schäfer: Die Politik stellt sich nicht den globalen Herausforderungen und hält uns hin. Aber die jüngere Generation rund um den Globus wacht, steht auf und fordert die Politiker, den Klimaschutz nicht nur als Worthülse zu verwenden, sondern Taten zu vollbringen. Viel Zeit bleibt uns nicht. Insofern ist es nicht zufriedenstellend, dass es oft zu lange dauert, bis sich etwas bewegt. Die Zukunft geht uns alle an. Konkret plant der gewählte US-Präsident Biden Investitionen von etwa 2.000 Milliarden US-Dollar in den ersten vier Jahren seiner Amtszeit in Klimaschutzprojekte und eine nachhaltige Infrastruktur.

Die gesamte US-Wirtschaftsleistung betrug im Jahr 2019 etwas mehr als 20 Billionen US-Dollar. Biden erhofft sich, dass durch den Privatsektor unterstützend weitere Zukunftsinvestitionen getätigt werden. Wir sind gespannt, wie sich seine Initiative auswirken wird. Vorgesehen ist auch die Rückkehr zum Pariser Klimaschutzabkommen. Es ist geplant, die Treibhausgasemissionen der Vereinigten Staaten von Amerika bis 2050 auf netto Null zu senken. Das hat Signalwirkung und lässt hoffen.

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