Die Rabattjäger Value-Aktienfonds feiern ein Comeback
Dass die schon läuft, legen Zahlen aus der Fondsbranche nahe. So flossen in zwölf Monaten aus den beiden Morningstar-Kategorien für Standard-Growth-Werte Europa und Global 1,8 Milliarden Euro ab. Den entsprechenden Value-Gruppen flossen 2,7 Milliarden Euro zu (Stand: 28. Februar 2017). Vielleicht ein Strohfeuer? William Davies, Chef für globale Aktien bei Columbia Threadneedle, hält das für möglich: „Wir halten die Wachstumserwartungen aktuell für ebenso überhöht wie die Bewertungen von Recovery- oder Value-Aktien“, sagt er. „Wenn die Wachstumserwartungen aber enttäuscht werden, könnte das die Aussichten für Growth- oder Quality-Unternehmen verbessern, die weniger abhängig von einer höheren Wachstumsdynamik sind.
“In der Tat ist die Zukunft der Wirtschaft ein wichtiger Knackpunkt. Denn Quality-Growth-Unternehmen gelten wie schon erwähnt als konjunkturunabhängig, Value-Titel sind dagegen stark an den Wirtschaftszyklus gebunden. Geht es mit der Wirtschaft aufwärts, verbessern sich die Perspektiven der Unternehmen und die Aktienkurse laufen überdurchschnittlich. So geschehen 1993 bis 1997 und 2002 bis 2006.










"Vor allem der Bankensektor hat sich gut entwickelt"
Andere Fondsmanager sind in dieser Hinsicht übrigens weniger pessimistisch als William Davies. „Die zuletzt veröffentlichten Zahlen, besonders in Europa, haben die Konsenserwartungen übertroffen“, sagt Marcus Poppe, der für die Deutsche Asset Management den DWS Global Value managt. „Vor allem der Bankensektor, der klassischerweise dem Value-Stil zuzuordnen ist, hat sich im ersten Quartal 2017 in Europa gut entwickelt.“ Und eines muss man einfach mal feststellen: So eine Nachricht gab es seit der Finanzkrise nicht mehr. Bei BMO findet man Ähnliches: „Inzwischen liegt das erwartete Gewinnwachstum für Value-Titel höher als das der Defensivaktien, das ist ungewöhnlich“, sagt Philip Webster.
Wobei man natürlich ein paar Dinge einräumen muss: Die Trennlinie zwischen Value, Growth und Quality ist verschwommen. Bei J.P. Morgan zum Beispiel steht „Quality“ auch in den Ansätzen der Value-Fonds. „Solche schematischen Gruppierungen werden oft einer branchen- und unternehmensspezifischen
Entwicklung nicht gerecht“, findet auch Mainfirst-Mann Meier. Und BMO-Manager Webster stellt fest: „Investmentmanager stecken Dinge gern in eine bestimmte Schublade und geben ihr einen Namen.“ Nur sähen die bei jedem ein wenig anders aus. „Quality und Value schließen sich nicht aus“, sagt AGI-Mann de Vries-Hippen. „Es geht vielmehr darum, auch im Value-Bereich auf gute Bilanzen, Unternehmensführung und Cashflows zu achten.“ Es ist also nicht immer alles so eindeutig, wie die Begriffe unterstellen.

