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Die Rally-Fahrer

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Vincent Strauss ist der größte Privatanleger im Comgest Magellan. Nicht im Traum fiele es dem Franzosen ein, in einen anderen globalen Schwellenländerfonds zu investieren. Der Grund dafür leuchtet ein: Kaum ein anderer kennt die Anlagestrategie des 1988 aufgelegten Klassikers so gut wie er. Strauss ist bereits seit Januar 1994 für die Wertentwicklung des Magellan verantwortlich, seit September 2000 wird er dabei von Wojciech Stanislawski unterstützt.

Das polnisch-französische Duo hebt sich deutlich von der Masse der Schwellenländer-Manager ab. Strauss und Stanislawski betreiben Stockpicking pur, die Analyse von Ländern oder Branchen interessiert sie nicht. Frei von einem Vergleichsindex in­ves­tieren sie in maximal 50 Unternehmen, derzeit sind es 43. Deren Gewinne müssen unabhängig von der Weltkonjunktur regelmäßig und vorhersehbar mit über 10 Prozent im Jahr wachsen. Eine reiche Auswahl gibt es dem Portfolio zufolge derzeit in den Sektoren Konsumgüter und Industrie. Die beiden Branchen machen zusammen knapp 47 Prozent des Fondsvermögens aus.

Rendite ohne Rohstoffe

Was bei den meisten Konkurrenten seit Jahren in den Schaufenstern liegt, müssen Anleger im Magellan mit der Lupe suchen: Energie- und Rohstoffwerte. Letztere kommen überhaupt nicht vor, Energiewerte sind mit mageren 8,6 Prozent im Portfolio gewichtet. Die Gewinnentwicklung der meisten dieser Unternehmen ist entweder zu zyklisch oder aber unberechenbar.

Diese Konsequenz kostet manchmal Performance, bringt aber Stabilität. In den vergangenen drei Jahren schwankte der Anteilspreis trotz des stark konzentrierten Portfolios im Schnitt nur um 18,1 Prozent. Im Durchschnitt der Kategorie waren es 19,6 Prozent, der Aktienindex MSCI Emerging Markets schwankte um 20 Prozent.

Erst Themen, dann Titel

Die Wertentwicklung kann sich dennoch sehen lassen: Der nach dem portugiesischen Seefahrer und Entdecker Fernão de Magalhães benannte Fonds zählt über verschiedene Zeiträume zu den Klassenbesten. In den vergangenen drei Jahren erzielte er ein Plus von 97,4 Prozent. Nur drei Mal in den vergangenen zwanzig Jahren hat der Magellan den MSCI Emerging Markets nicht geschlagen. „1999, in der Zeit des Internet-Booms, haben wir sehr früh viele Technologiewerte verkauft, die uns zu teuer waren“, erklärt Strauss. 2005 waren zu wenig Energietitel im Portfolio, 2007 drückte die Untergewichtung von Rohstoffaktien auf die Performance.

Probleme dieser Art kennt Thomas Gerhardt von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS nicht. Der Leiter des zwölfköpfigen Teams für Schwellenmarkt­aktien investiert derzeit rund 25 Prozent seines Portfolios in Energiewerte. Sie stellen die größte Sektorposition. Rohstofftitel liegen auf Platz 4. Auch Gerhardts Portfolio ist mit 70 bis 80 Titeln noch recht konzentriert. Sein Investmentansatz unterscheidet sich jedoch grundlegend von der Strategie des Comgest-Duos.

Gerhardt und sein Team suchen zuerst nach interessanten Investmentthemen, die dann als Orientierungshilfe für die Aktienauswahl dienen. Unterstützt werden sie dabei von 40 Analysten für globale Sektoren. „Infrastruktur und Konsum sind die Megatrends im nächsten Jahrzehnt“, so Gerhardt. In diesen Bereichen sucht er nach Unternehmen mit einem attraktiven Gewinnwachstum. Die Themen werden dabei breit ausgelegt. „Wir investieren nicht nur in klassische Konsumwerte, sondern beispielsweise auch in Banken, weil sie Kredite für den Konsum vergeben, oder Mobilfunkgesellschaften, weil das Handy inzwischen ein Konsumgut geworden ist“, erklärt der Fondsmanager. Mit einem Nettoabsatz von 152 Millionen Euro ist der DWS Emerging Markets laut Fondsverband BVI in Deutschland der beliebteste Schwellenländerfonds des vergangenen Jahres.

Vielflieger mit wenig Rendite

Im Vergleich zum Magellan hat er nur einen kleinen Nachteil: Während von dem elfköpfigen Comgest-Team vier Mitglieder in Hong­kong sitzen, wird der DWS-Fonds ausschließlich von Frankfurt aus gemanagt. Doch besonders in Asien hat man vor Ort in der Regel bessere Rahmenbedingungen, um fun­­damentale Analysen zu machen. Gerhardt sieht trotzdem kein Standortproblem: „Alle 13 Kollegen reisen zwei bis drei Mal im Jahr in die Region.“ Unterschätzt werde auch, dass „wir einer der größten Investoren in den Schwellenländern sind. Dutzende Unternehmen besuchen uns darum hier in Frankfurt“.

Über zwei bis drei Reisen pro Jahr kann Mark Mobius, Geschäftsführer von Templeton Asset Management in Singapur, nur müde lächeln. Der 71-jährige Pionier auf dem Schwellenländer-Markt macht an über 200 Tagen Unternehmensbesuche. Sein Dienstfahrzeug: ein Gulfstream-IV-Jet. Mit seinem Klassiker Templeton Emerging Markets investiert Mobius in unterbewertete Firmen, die solide finanziert sind und wettbewerbsfähige, am besten einzigartige Produkte haben. Ähnlich wie DWS-Mann Gerhardt konzentriert er sich dabei auf bestimmte Themen, derzeit unter anderem Konsum und Rohstoffe. Energiewerte sind mit 27 Prozent auch bei Mobius die größte Branchenposition. Sein Portfolio ist allerdings mit 137 Titeln deutlich breiter gestreut.

Doch weder die breite Streuung noch seine große Erfahrung hat den Vielflieger vor einer mittelmäßigen Performance geschützt. Der Templeton Emerging Markets dümpelt seit Jahren im hinteren Teil seiner Vergleichsgruppe. „Die Underperformance hat sich seit 2005 kontinuierlich verstärkt“, so André Härtel von Feri Rating & Research. „2007 ist der Fonds unter anderem deshalb so schlecht gelaufen, weil Finanzwerte und indische Aktien im Vergleich zur Benchmark untergewichtet wurden“, erklärt der Fondsanalyst. Zudem seien chinesische Banken und Versicherungen nicht stark genug gewichtet beziehungsweise nicht im Portfolio gewesen.

Die Anleger bleiben Mobius trotzdem treu: Mit einem Volumen von 933 Millionen Euro verwaltet er immer noch mehr Geld als der Durchschnitt seiner Konkurrenz.

Der mit Abstand größte Schwellenländerfonds ist der JPM Emerging Markets Equity von JP Morgan mit einem Volumen von 6,1 Milliarden Euro. Auch bei dessen Manager Austin Forey stehen Unternehmensanalysen im Vordergrund. Geprüft werden unter anderem das Geschäftsmodell, die Wettbewerbs­fähigkeit, die Qualität des Managements und die Bewertung der Firmen. Anders als Mobius und Gerhardt findet er die meisten attraktiven Titel derzeit im Bereich Finanzen. Energiewerte liegen bei ihm auf Platz 4.

Masse und Klasse

Bei der Suche nach attraktiven Aktien kann Forey auf ein 51 Personen starkes Schwellenmarkt-Team zurückgreifen, das über den gesamten Globus verteilt ist. Im Schnitt hält er 65 bis 85 Titel in seinem Portfolio. Es sind überwiegend große Unternehmen, sogenannte Large Caps, in die er inves­tiert. Weitere Zuflüsse dürften daher kaum auf Foreys Performance drücken. Bisher hat er sich gut geschlagen. Mit einem Plus von 101,9 Prozent in den vergangenen drei Jahren liegt er an der Spitze der analysierten Anlegerlieblinge.

Was alle vier Fonds gemeinsam haben: Brasilien steht bei ihnen auf Platz 1 der Länderpositionen.

Feri-Analyst Härtel zieht Fazit: „Vor allem der Comgest Magellan und der JPM Emerging Markets überzeugen im langfristigen Vergleich.“ Beide haben von Feri die Bestnote A bekommen. „JP Morgan hat dabei mehr Punkte auf der Performance-Seite, der Magellan mehr auf der Risikoseite“, erklärt Härtel. In turbulenten Zeiten wie diesen sollte die Risikoseite im Vordergrund stehen. Härtel: „Für erfahrene Anleger, die das Risiko der Schwellenländer kennen und für sich einschätzen können, ist auch der JPM Emerging Markets erste Wahl.“

Astrid Lipsky

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