Der Goldschatz der Fondsgesellschaft DWS ruht in der Bank of England. Wie groß er ist, wissen nur wenige. Schatzmeister Pierre Martin darf nicht verraten, wie viele Barren in London lagern. Sie gehören zum Portfolio des von ihm gemanagten DWS Gold Plus. Der im März 1994 aufgelegte Klassiker ist ein Goldfonds der etwas anderen Art: Während seine Konkurrenz durch die Bank in Aktien von Unternehmen investiert, die in der Goldförderung oder -verarbeitung tätig sind, setzt Martin direkt auf das gelb schimmernde Metall.

Gut gerollt ist halb gewonnen

„Einerseits kaufen wir physisches Gold, andererseits investieren wir in Gold-Futures und -Optionen“, erklärt der Fondsmanager. Diese Lieferscheine berechtigen an einem vereinbarten Datum in der Zukunft zur Abnahme einer bestimmten Menge Gold zu einem festgelegten Preis. „Insgesamt 90 Prozent des Portfolios besteht damit aus Gold, der Rest ist Bares“, so Martin.
Geliefert bekommt er das Gold der Futures allerdings nicht. Schließlich will der Fondsmanager weder unter einem Goldberg begraben werden noch seine Schatzkammer sprengen. Martin muss die Futures in seinem Portfolio darum kurz vor ihrer Fälligkeit in länger laufende Kontrakte tauschen. Das hat einen Nachteil: die sogenannten Rollverluste.

Sie entstehen immer dann, wenn die Teilnehmer an den Future-Märkten mit einem steigenden Goldpreis rechnen. Das ist derzeit trotz des Höchstpreises immer noch der Fall. Der Kontrakt für die Gold-Lieferung in der Zukunft kostet dann mehr als die sofortige Lieferung. Diese Situation nennt man Contango. Martin muss also billig verkaufen und teuer kaufen. „Derzeit summieren sich die Rollverluste auf 8 bis 12 Prozent im Jahr“, sagt er.

Diese Verluste kann Martin jedoch zum Teil mit Einnahmen aus Optionsgeschäften und Zinsanlagen wieder ausgleichen. Der Rentenanteil des Fonds beträgt derzeit 50,4 Prozent. „Das sind auf Euro lautende festverzinsliche Wertpapiere, darunter Bundesanleihen und Geldmarktpapiere“, erklärt der DWS-Manager. Sie dienen als Sicherheit für die Gold-Futures. Das Prinzip dahinter: Wenn Martin Gold-Kontrakte kauft, muss er nicht sofort bezahlen. Er hinterlegt nur einen Bruchteil des Future-Preises als Sicherheit. Der Rest des Geldes wird in den Rentenpapieren geparkt.

Nur Blackrock kann mithalten

In den vergangenen zwölf Monaten hat diese Strategie mehr als gut funktioniert: Der DWS-Fonds erzielte ein Plus von 42,3 Prozent, während der Goldpreis nur um 31,3 Prozent stieg. Von den auf Minenaktien spezialisierten Goldfonds konnte nur der MLIIF World Gold von Blackrock mithalten; er legte um 42,2 Prozent zu. Mit einem Volumen von 5,7 Milliarden Euro ist dieser ebenfalls 1994 aufgelegte Fonds aktuell der größte Goldfonds auf dem deutschen Markt. Der Grund für die gute Performance: Über die Hälfte des Portfolios investieren die Manager Graham Birch und Evy Hambro in große Goldfirmen, denen die Turbulenzen an den internationalen Börsen in den vergangenen Monaten nichts anhaben konnten. Kleine und mittlere Unternehmen litten dagegen unter schlechten Nachrichten aus der Goldbranche, Problemen bei der Finanzierung neuer Projekte im Zuge der US-Kreditkrise und schlichtweg einer geringen Beliebtheit bei den Investoren.

Fonds, die überwiegend auf diese Nebenwerte setzen, wie der PEH Q-Goldmines und der Nestor Gold, gerieten dadurch deutlich ins Hintertreffen. Der PEH Q-Goldmines erzielte ein Plus von 28,4 Prozent, der Nestor-Fonds schaffte lediglich 16,1 Prozent. Dennoch war Letzterer mit einem Nettoabsatz von 12,5 Millionen Euro laut Branchenverband BVI 2007 der beliebteste Goldfonds in Deutschland.

„Die Aktienkurse sind hinter dem Anstieg des Goldpreises stark zurückgeblieben“, sagt Martin Siegel von Siegel Investments. Der Berater des PEH Q-Goldmines ist aber optimistisch: „Die Titel sind inzwischen so billig, dass sie eigentlich sofort zur Aufholjagd ansetzen müssten.“

Laut Theorie hätte die Performance der goldigen Aktienfonds deutlich über der des direkt investierenden DWS-Produkts liegen müssen: Schließlich haben Aktien von Goldminen eine Hebelwirkung. Steigt der Goldpreis, klettert der Kurs der Goldaktien deutlich schneller in die Höhe. Die Minen können ihre Ausbeute nun teurer verkaufen, während die Kosten annähernd gleich bleiben. Die steigenden Gewinne werden an der Börse belohnt.

„Seit 2005 gab es diesen Hebel kaum noch“, erklärt Walter Wehrli, der Fondsmanager Detlef Kohlhase bei der Titelauswahl für den Nestor Gold berät. Laut Wehrli haben die stark gestiegenen Energie- und Lohnkosten die Gewinne vieler Goldminen so sehr gedrückt, dass die steigenden Einnahmen dies nicht mehr wettmachen konnten. Allein im vergangenen Jahr seien die Ausgaben im Schnitt um 20 Prozent in die Höhe geklettert.

Erst seit Mitte 2007 steigt der Hebel langsam wieder. Noch liegt er jedoch bei mageren 0,9. Dementsprechend sieht auch die Drei-Jahres-Performance aus: Der PEH- und der Nestor-Fonds liegen mit einem Wertzuwachs von 94,8 und 93,3 Prozent fast Kopf an Kopf mit dem Goldpreis, der um 93,6 Prozent stieg. Nicht ganz mithalten konnte in diesem Zeitraum der DWS Gold Plus mit einem Wertzuwachs von 88,1 Prozent. Die Rollverluste ließen sich nicht vollkommen ausgleichen. Ausnahme ist erneut der MLIIF World Gold, der im Gegensatz zu seinen beiden Konkurrenten auch in den vergangenen drei Jahren vergleichsweise stark in großen Unternehmen gewichtet war. Diese Firmen konnten den Goldpreis noch am ehesten hebeln. Der Fonds erzielte deshalb einen Wertzuwachs von 122,6 Prozent.

Nestor-Berater Wehrli gibt sich jedoch optimistisch: „Wir rechnen damit, dass die Kosten in den kommenden Jahren nur noch um bis zu 8 Prozent steigen. Dann wird es einen Hebel von rund 1,5 geben.“ Mit anderen Worten: Steigt der Goldpreis um 10 Prozent, steigen die Kurse der Goldaktien um bis zu 15 Prozent.

Papiergold statt Barren

Der Preis für die höheren Renditechancen von Goldaktien ist allerdings ein höheres Risiko. Denn der Hebel funktioniert in beide Richtungen. Die Aktien leiden im Gegensatz zur reinen Goldanlage unter Grubenunglücken, Umweltauflagen, Arbeitskämpfen, steigenden Steuern oder schlechtem Firmenmanagement. Anders als mit dem DWS Gold Plus kaufen Anleger mit den Goldaktienfonds vor allem Aktien und kein Gold. Damit gehen sie immer auch ein Aktienmarktrisiko ein. So schwankte der Anteilspreis des DWS-Fonds in den vergangenen drei Jahren im Schnitt nur um 20,4 Prozent pro Jahr. Beim MLIIF World Gold ging es hingegen um satte 31,4 Prozent auf und nieder. Die Volatilität des PEH Q-Goldmines betrug 29 Prozent, die des Nestor Gold 27,4 Prozent.

Die Anlagestrategie der drei Goldaktienfonds unterscheidet sich im Grundsatz kaum voneinander. Das Duo von Blackrock setzt ebenso wie Nestor-Berater Wehrli und PEH-Berater Siegel auf eine Fundamentalanalyse, bei der Firmenbesuche und Treffen mit Geschäftsleitungen eine wichtige Rolle spielen. Die Unternehmen sollten über gute Wachstumsaussichten verfügen und ihre Kosten im Griff haben. Die meisten davon finden die Berater und Manager derzeit in Australien, Nordamerika und Südafrika.

Die Kleinen kommen groß raus

Alle favorisieren derzeit vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Birch und Hambro können jedoch schon allein wegen der Größe ihres Fonds nicht so stark auf Nebenwerte setzen wie Siegel und Wehrli. Mittelgroße Unternehmen machen aktuell rund 45 Prozent ihres Portfolios aus. Gemeint sind damit Firmen mit einer Marktkapitalisierung von unter 10 Milliarden Dollar. In die investiert PEH-Berater Siegel zu 70 Prozent. Seiner Definition nach sind das jedoch bereits große Unternehmen. Siegel: „Large Caps sind für uns Firmen mit einer Marktkapitalisierung von über einer Milliarde Dollar.“ Nebenwerte machen demnach gerade einmal 30 Prozent des Portfolios aus. Wehrli setzt zu 80 Prozent auf diese großen kleinen Firmen.

PEH-Berater Siegel ist dabei am mutigsten: Die fünf größten Positionen machen zusammen 37,7 Prozent des Portfolios aus. Bei Hambro und Birch kommen die Top 5 auf 32 Prozent, bei Wehrli auf 22 Prozent. 

Fazit: Wenn die kleinen und mittleren Goldfirmen zur erwarteten Aufholjagd ansetzen, hat der Blackrock MLIIF World Gold das Nachsehen. Solange die Turbulenzen an den Aktienmärkten jedoch bestehen bleiben, dürfte er sich weiter an der Spitze halten. Anleger mit weniger starken Nerven, die lieber ohne Aktienmarktrisiko direkt in Gold investieren und dafür langfristig auf ein paar Prozentpunkte Performance verzichten wollen, sind mit dem DWS Gold Plus gut beraten.

Astrid Lipsky