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Thomas Liebi von Swisscanto

Thomas Liebi von Swisscanto

„Die schleichende Enteignung ist längst Realität“

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Der Aufschrei war groß, als die Details des ersten Rettungsplans für Zypern ans Licht kamen. Zahlreiche Kommentatoren werteten die vorgesehene Beteiligung von Bankkunden an der Rettung der maroden zypriotischen Banken als Skandal und Tabubruch.

Und in der Tat hätte die so genannte Stabilitätsabgabe auf Einlagen von bis zu 100.000 Euro die Idee des Einlagenschutzes ad absurdum geführt. Dieser Teil des Rettungspakets wurde denn auch kurz darauf zurückgenommen, aber der Vertrauensschaden war bereits angerichtet und dürfte die Eurozone in Zukunft noch teuer zu stehen kommen.

Bei der ganzen Polemik um das Für und Wider einer direkten Beteiligung der Sparer an einer Bankensanierung geht vergessen, dass die schleichende Enteignung in vielen Ländern längst Realität ist.

Besonders hart trifft es die Briten. Während ein normales Sparkonto in Großbritannien kaum mehr als ein Prozent Zins abwirft, liegt die Inflationsrate seit Jahren stets deutlich über diesem Wert. Die Lebenshaltungskosten in Großbritannien sind seit Anfang 2009, als die Zinsen weltweit in die Tiefe sackten, um über 16 Prozent gestiegen. Auch unter Berücksichtigung der kümmerlichen Erträge auf dem Bankkonto kann sich der durchschnittliche Sparer heute deutlich weniger kaufen als vor vier Jahren.

Ganz so schlimm ist es in Deutschland zwar noch nicht. Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten steigen noch nicht so schnell wie in Großbritannien oder in den Vereinigten Staaten. Mittlerweile liegt aber die Inflationsrate auch in Deutschland über den Zinssätzen, die ein normales Bankkonto abwirft. Auch hier werden die Bürger also um ihr Erspartes gebracht, wenn auch etwas subtiler als in Zypern.

Gerade weil die schleichende Enteignung deutlich weniger Widerstand hervorruft als direkte Interventionen oder Steuererhöhungen, ist zu befürchten, dass Regierungen und Zentralbanken diese Form der finanziellen Repression auch in den kommenden Jahren vermehrt nutzen werden.  

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