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Wachtendorf-Kolumne Die Sinnfrage: „Warum Fonds? Ich kauf‘ jetzt Nvidia!“

DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf
Spricht derzeit nicht gern über Fußball, dafür aber umso lieber über Fonds: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf. | Foto: DAS INVESTMENT

Konzerterlebnisse sind des Öfteren mit längeren Anfahrten verbunden. Zeit, in der nicht nur über Musik gesprochen wird, sondern über alles Mögliche. Fußball ist für mich nach dem jüngsten Scheitern der Fortuna in der Bundesliga-Relegation als Thema zwar erst einmal tabu, aber Fonds gehen immer. Zumal der Mitfahrer, ein guter Freund noch aus Schultagen, auf meinen Rat hin seit vielen Jahren entsprechend investiert. Aus heiterem Himmel, irgendwo auf der A 24 zwischen Parchim und Pritzwalk, dann plötzlich die Sinnfrage: Warum eigentlich soll man weiter Fonds kaufen, wenn man doch mit einzelnen Aktien viel schneller viel weiter kommt? Stichwort Nvidia und so.

 

 

 

Eine Aussage, die auf den ersten Blick reichlich naiv anmuten mag. Aber dennoch gar nicht so leicht zu widerlegen ist. Denn es stimmt ja: Nichts war in den vergangenen Jahren einfacher, als mit dem KI-Profiteur Nvidia reich zu werden. Oder mit Novo Nordisk, dem Hersteller der Abnehm-Spritze Wegovy. Alle Welt sprach von den Chancen für die beiden Unternehmen, man musste sich nur dranhängen. Und hatte, ehe man sich’s versah, statt 10.000 Euro plötzlich 40.000 oder sogar 100.000 Euro auf dem Depot. Was hingegen haben die wegen der Stockpicking-Qualitäten ihrer Manager empfohlenen Fonds gebracht? Manche von ihnen liegen seit der Anfang 2022 vollzogenen Zinswende immer noch im Minus.

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Als erstes kommt mir in derartigen Situationen jenes Argument in den Sinn, das mich einst selbst zum überzeugten Fondsanleger hat werden lassen: Ich möchte nie erleben, dass sich mein Depot in Luft auflöst – mögen die Perspektiven für eine zuvor dort eingebuchte Aktie auch noch so rosig ausgesehen haben. Vor diesem Risiko sind selbst Vollprofis nicht gefeit, siehe Wirecard. Oder Enron und Comroad, mit deren Namen aber vermutlich nur noch Angehörige der Generation 50 Plus etwas anfangen können. Streuung ist also ein absolutes Muss.

Mein zweites Argument klingt kaum weniger trivial als das erste, gehört aber zu den ehernen Gesetzen der Kapitalanlage: Erfolg an der Börse ist ein Marathon, kein Sprint. Wer in den vergangenen beiden Jahren mit Nvidia und Novo Nordisk abgeräumt hat, muss darauf vertrauen, dass deren Siegeszug weitergeht – oder beständig nach neuen Überfliegern Ausschau halten. Manche Kandidaten mögen dann zwar von der Investment-Story her ähnlich zwingend ein Kauf sein, wollen und wollen aber vielleicht einfach nicht zünden. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass eine fundamental solide aufgestellte Goldminenaktie wie Newmont Mining seit Frühjahr 2022 um knapp 50 Prozent fällt, während der Goldpreis im gleichen Zeitraum um 20 Prozent steigt?

Und schließlich drittens: Unternehmen, die einen sagenhaften Run hinter sich haben, laufen Gefahr, irgendwann aus der Mode zu geraten und dann zu Gefangenen ihrer Bewertung zu werden. Der berüchtigte Nifty-Fifty-Effekt, der ab Mitte der 1970er Jahre die Aktionäre von General Electric, IBM, Texas Instruments und anderer vermeintlicher Börsen-Titanen viel Geld gekostet hat. Ganz zu schweigen von Trendwechseln, die zuvor exzellent gelaufene Branchen über Jahre hinweg ins Abseits stellen können. Eine solche Entwicklung träfe nicht nur Nvidia, sondern auch all jene Werte, die diverse KI-Marktschreier seit Monaten als die „besseren Nvidias“ ins Schaufenster stellen.

Ob ich mit meinen Argumenten durchgedrungen bin? In einigen Monaten werde ich es wissen. Für den Rest der Fahrt drehte sich das Gespräch wieder um jenes Dreier-Gespann, das uns die Reise hatte antreten lassen: Uriah Heep, Saxon, Judas Priest. Zu sehen gab es dann ein großartiges Konzert ohne jeden Performance-Hänger.

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