Nur 7 Prozent. So niedrig ist der Anteil der Fondsmanagerinnen in Deutschland – und damit schlechter als in fast allen anderen großen Märkten. Zum Vergleich: In den USA liegt der Anteil bei 15 Prozent. Und weltweit betrachtet? Ist das Bild auch nicht gerade rosig. Gerade einmal 12,9 Prozent Frauen sind laut Alpha Female Report von Citywire weltweit im Portfoliomanagement tätig. Zwar werden weltweit 4,6 Billionen Euro von Frauen mitverwaltet – der überwiegende Teil von 3,9 Billionen Euro entfällt allerdings auf gemischtgeschlechtliche Teams. Reine „Frauen-Fonds“ verwalten „nur“ 700 Milliarden Euro.

Wer jetzt aber denkt, das liege an fehlendem Talent oder mangelnder Erfahrung, liegt falsch. Denn deutsche Fonds, die ausschließlich von Frauen verwaltet werden, sind im Schnitt doppelt so groß wie jene ihrer männlichen Kollegen. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Wer als Frau ins Fondsmanagement will, muss schlicht mehr leisten. Vier Managerinnen zeigen, wie langfristiges Management eines Fonds gelingt – und das schon seit mindestens zehn Jahren.

Seit 1998: Andrea Ueberschär

Bereits seit dem 1. November 1998 managt Andrea Ueberschär den Baloise Rentenfonds DWS (ISIN: DE0008474065), der schon seit dem 1. Oktober 1971 existiert. Das verwaltete Vermögen beträgt derzeit etwa 130 Millionen Euro. Der Fonds verfolgt eine breit diversifizierte Multi-Sektor-Strategie.

„Der Fokus liegt dabei auf in Euro denominierten festverzinslichen Wertpapieren“, erklärt Ueberschär. Dazu zählten Staatsanleihen, Papiere staatsnaher Emittenten, Pfandbriefe, Finanz- und Unternehmensanleihen sowie Anleihen von sich entwickelnden Ländern. Außerdem könne in unterschiedliche Laufzeiten, Regionen und Emittenten investiert werden. Der Fokus liege auf Qualität, sodass der Fonds größtenteils aus Anleihen von Emittenten mit guter bis sehr guter Bonität besteht. Als Vergleichsindex wird der iBoxx EUR Overall genutzt.

Über zehn Jahre betrachtet hat sich der Fonds zwar negativ entwickelt (-6,06 Prozent) - über 15 hingegen liegt er mit 27,67 Prozent im Plus. „Die lang anhaltende Nullzinsphase ab 2015 führte dazu, dass viele Berater und ihre Kundinnen sowie Kunden nach höher verzinslichen Alternativen gesucht haben, beispielsweise bei Unternehmensanleihen oder im Multi-Asset-Segment“, erklärt Ueberschär die Entwicklung. Denn während der Nullzinsphase sei der Fonds konservativ unterwegs gewesen. Zudem habe der rasche Zinserhöhungszyklus 2022 und 2023 die Anleihenkurse stark belastet. „Dies war besonders bei Emittenten guter bis sehr guter Bonität der Fall, bei denen der Großteil der Wertentwicklung durch die Zinssensivität beeinflusst wird.“

Andrea Ueberschär
Andrea Ueberschär | Bildquelle: DWS

Entsprechend habe der Fonds in den vergangenen Jahren leichte Mittelabflüsse verzeichnen müssen. Zwar habe sich mittlerweile das Blatt gewendet, und seit Ende 2023 wiesen alle Segmente der Euro-Anleihenmärkte wieder positive und auskömmliche Zinsen und Renditen auf. „Nun braucht es aber auch wieder eine Anlaufphase, damit Berater und ihre Kundinnen sowie Kunden nach der langen Phase neuerlich mit Anleihen vertraut werden.“ Seit Jahresbeginn würden sie erstmals wieder Mittelzuflüsse verzeichnen.

Die vergangenen Jahre haben dann auch zu einem Umdenken im Fondsmanagement geführt, und 2024 gab es eine Revision der Anlagerichtlinien. „Als Resultat dieser Analyse wurden dem Fonds flexiblere Anlagegrenzen gesetzt“, erklärt Ueberschär. Dadurch können nun bei Bedarf Finanz- und Unternehmensanleihen höher gewichtet werden, sowohl im Senior- als auch im Nachrangbereich. In „moderatem Umfang“ kann außerdem in Hochzinsanleihen investiert werden.

Nach zwischenzeitlichen Performance-Problemen hat sich der Fonds in letzter Zeit positiv entwickelt – bis es zum Konflikt im Iran kam. Davor zeigte er im laufenden Jahr eine Entwicklung von +1,54 Prozent. Ueberschär erklärt die positive Wertentwicklung bis zu diesem Zeitpunkt damit, dass durch die erwähnte Revision der Anlagerichtlinien der Anteil an Finanz- und Unternehmensanleihen inklusive Nachranganleihen erhöht wurde. Hinzu komme das Übergewicht bei italienischen und spanischen Staatsanleihen und eine breitere Diversifikation auch in Länder wie Finnland, Belgien, Österreich, Portugal, die sie statt Bundesanleihen im Euroland-Staatsanleihenbereich für das Portfolio ausgewählt hat.

Seit 2007: Tatjana Greil-Castro

Um eine Crossover-Strategie mit kurzer Duration handelt es sich beim Muzinich Enhancedyield Short-Term Fund (ISIN: IE00B65YMK29), für den Tatjana Greil-Castro seit 2007 verantwortlich ist. Sie selbst bezeichnet das Produkt als „Aushängeschild“, das aufgrund des vorhersehbaren Renditeprofils eine „bedeutende Anlegerbasis“ angezogen hat. Für viele dieser Anleger sei diese Strategie zur langfristigen Geldanlage geworden.

(Im FWW-Fondsexplorer standen keine Daten seit 2007 zur Verfügung.)

Das Fondsvolumen liegt derzeit bei mehr als 7,7 Milliarden Euro. Ziel ist es, das Kapital der Anleger nominal zu erhalten und ihnen gleichzeitig Renditen zu bieten, die über denen von kurzfristigen Staatsanleihen liegen. Investiert wird dafür global in kurzfristige Unternehmensanleihen. „Das Portfolio weist eine durchschnittliche Investment-Grade-Qualität auf. Bis zu 40 Prozent werden selektiv in High-Yield-Anleihen investiert, um das Ertrags- und Renditepotenzial zu steigern“, erklärt Greil-Castro.

Vermieden werden hingegen Anlagen, bei denen Liquiditätsrisiken, Konzentrationsrisiken oder schwache Bonitätsgrundlagen die Widerstandsfähigkeit des Portfolios beeinträchtigen könnten. „Dazu konzentrieren wir uns auf ausreichend liquide Emissionen, halten strenge Diversifizierungsgrenzen für Emittenten und Sektoren ein und halten die Duration relativ kurz, um die Volatilität zu steuern“, betont die Fondsmanagerin.

Tatjana Greil-Castro
Tatjana Greil-Castro | Bildquelle: Muzinich

Über zehn Jahre verzeichnet der Fonds ein Plus von 14,67 Prozent – deutlich mehr als der FWW-Vergleichssektor, der über diesen Zeitraum bei 6,88 Prozent liegt. Trotzdem kann das Anlegerinteresse an einem Produkt sinken, wie auch Greil-Castro erfahren musste: „Zwischen 2009 und 2022 erfuhr der Fonds erhebliche Zuflüsse, als die Zinskurve sich größtenteils im negativen Bereich befand aufgrund der negativen Zinspolitik der Zentralbanken. Von 2022 bis Anfang 2024 dagegen verzeichnete der Fonds Nettoabflüsse, da die inverse Zinsstrukturkurve Cash-ähnliche Anlagen attraktiver erscheinen ließ.“ Seitdem sich die Zinsstrukturkurve wieder normalisiert habe, erhalte der Fonds jedoch wieder stetige Zuflüsse.

Wichtig sei ihr deshalb immer gewesen, echte Bonitätsprobleme vom Marktrauschen zu unterschieden. Eine weitere Erkenntnis: dass Anpassungsfähigkeit von großem Wert ist. In der Finanzkrise hätten sie beispielsweise Bankschulden gemieden. „Mit der Verschärfung der Regulierung wurden Banken jedoch zu einem bedeutenden und beständigen Faktor für die Portfoliorenditen – dies trifft bis heute zu.“

Seit 2009: Isolde Lindorfer

Bereits seit 1992 managt Isolde Lindorfer geldmarktnahe Fonds – als ihre größte Herausforderung in dieser ganzen Zeit bezeichnet sie die Finanzkrise 2007/2008, als die Liquidität plötzlich völlig zum Erliegen gekommen sei. „Damals griffen die Notenbanken noch nicht in den Markt ein, was die Situation zusätzlich erschwerte.“ Kurz darauf, 2009, hat Lindorfer dann das Management des IQAM Short Term EUR (ISIN: AT0000817952) übernommen – und ist seitdem dafür zuständig.

Das verwaltete Volumen beträgt aktuell etwa 246 Millionen Euro – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Anfangstagen, wie Lindorfer betont. Als sie das Management übernommen habe, habe dies bei etwa 50 Millionen Euro gelegen.

Der IQAM Short Term EUR ist ein geldmarktnaher Fonds, der ausschließlich in globalen Emittenten in Euro investiert ist. Das Durchschnitts-Rating muss mindestens A- betragen. Um eine hohe Stabilität zu gewährleisten, werden Staatsanleihen, Länderanleihen, staatsnahe Emittenten sowie Pfandbriefe, Financials und Unternehmensanleihen gemischt.

Isolde Lindorfer
Isolde Lindorfer | Bildquelle: studiohuger.at

Der Fonds kombiniert einen quantitativen und einen Relative-Value-Ansatz mit einem aktiven Risikomanagement. Asset Backed Securities hingegen vermeidet Lindorfer, „weil diese eine besonders aufwendige Analyse der Strukturen erfordern, aber auch Anleihen am unteren Ende der Seniorität-Skala“. Wenn sie in nachrangige Anleihen investiert, bevorzugt sie solche mit zusätzlichen Haftungen. Das Ziel: mit sehr geringer Volatilität nachhaltig die Performance des Geldmarkts und der Peergroup zu schlagen – was auch gelingt. So liegt der Fonds über zehn Jahre bei +10,05 Prozent, der Sektor nur bei 6,88 Prozent, über 15 Jahre bei +20,05 Prozent (Sektor: 15,56 Prozent).

Auch die Jahre 2020 und 2021 waren noch einmal herausfordernd für Lindorfer – aber seit der Finanzkrise hätten die Notenbanken gelernt, in Krisenzeiten gezielt Liquidität bereitzustellen. Nach kurzen Einbrüchen hätten die Märkte schnell wieder eine deutliche Erholung verzeichnet. „Wichtig ist in solchen Phasen eine klare und proaktive Kommunikation mit den Kunden“, betont Lindorfer. Dadurch hätte sie Abflüsse im Fonds vermeiden können.

Seit 2014: Elisabeth Weisenhorn

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt der Portikus International Opportunities Fonds (ISIN: LU1044466552), den Elisabeth Weisenhorn (zusammen mit Michael Hochgürtel) berät: Angelegt wird sowohl in passive ETF-Strategien als auch direkt in ausgewählte Einzelwerte. Weisenhorn ist dabei neben der Asset-Allokation auch für das Stockpicking verantwortlich – eine ungewöhnlichere Aufteilung, sind Frauen bei Mischfonds doch sonst häufig für die Anleihenseite zuständig.

Aufgelegt haben die beiden den Fonds am 19. Mai 2014 – nachdem sie 2014 die Portikus Investment GmbH gegründet hatten. „Wir wollten Kunden Zugang zum Aktienmarkt bieten“, erklärt Weisenhorn. „Und attraktive Renditen mit überschaubaren Risiken“, erläutert sie das Konzept hinter dem Fonds. Dabei kam ihr ihre jahrelange Erfahrung unter anderem für die DWS zugute, bei der sie zu Höchstzeiten für mehr als 14 Milliarden Euro verantwortlich war.

Der Portikus International Opportunities ist allerdings deutlich kleiner – sein Volumen liegt derzeit bei etwa 19 Millionen Euro. Kleiner, aber nicht weniger professionell, betont Weisenhorn. Große Werbung machen die beiden nicht – das Produkt spricht für sich, denn die Ergebnisse können sich sehen lassen: Über zehn Jahre hat er eine Rendite von 80,90 Prozent erwirtschaftet – die Sektor-Rendite liegt laut FWW gerade einmal bei 45,87 Prozent.

Dazu beigetragen haben dürfte zu auch die Zusammensetzung des Fonds: „Wir haben uns entschieden, über die Zeit eine relativ hohe Aktienquote zu fahren“, sagt Weisenhorn. Obwohl es sich offiziell um einen Mischfonds handelt. Die Aktienquote liegt derzeit bei 91,9 Prozent, aufgeteilt in 46,7 Prozent Aktien durch ETFs und 45,2 Prozent Einzelaktien. Top-Titel sind Siemens Energy (4,9 Prozent), Alphabet (3,5 Prozent) und SAP (3,5 Prozent). Währungsschwankungen werden teilweise abgesichert.

Für das laufende Jahr steht er bedingt durch den Iran-Konflikt allerdings mit 3,53 Prozent im Minus (Sektor: -1,73 Prozent). 

Nicht investiert wird hingegen in Edelmetalle oder Rohstoffe – in diesem Sinne seien sie ein klassischer Mischfonds und kein Multi-Asset-Produkt, so Weisenhorn. Was aus ihrer Sicht im Fondsmanagement wichtig ist: ein gutes Fundament und aus der Erfahrung schöpfen zu können, um in schwierigen Zeiten den vorgenommenen Weg auch einzuhalten. Sich hinterfragen und nicht durcheinanderbringen zu lassen. Und wenn nötig, den Mut zu haben die hoffentlich richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mehr Beispiele, weniger Hürden

Die Frage ist also nicht, ob Frauen das Zeug zum Fondsmanagement haben. Die Frage ist, warum es noch immer so wenige sind, die die Chance dazu bekommen. Die Antwort liegt nicht im Talent, sondern in den Strukturen: in Netzwerken, die sich selbst reproduzieren, in Karrierewegen, die wenig Raum für Unterbrechungen lassen, und in einer Branche, die Sichtbarkeit nach wie vor ungleich verteilt. Andrea Ueberschär, Tatjana Greil-Castro, Isolde Lindorfer und Elisabeth Weisenhorn zeigen, was möglich ist. Vielleicht braucht es schlicht mehr solcher Beispiele – und weniger Hürden, um sie zu erreichen.

Stand aller Daten: 1. April.