Fondsmanager Richard Woolnough, M&G Foto: M&G

Die T-Rezession

Warum die Rezession vielleicht gar keine ist

Wir befinden uns derzeit mitten im heftigsten und größten Konjunkturabschwung, den die moderne Weltwirtschaft je erlebt hat. Und dieser unterscheidet sich grundlegend von früheren Rezessionen.

Zur Erinnerung: Eine Rezession besteht aus drei Phasen:

Phase 1: Der Eintritt in die Rezession

Ein schneller, rekordtiefer Einbruch des Wirtschaftswachstums – im aktuellen Fall ausgelöst durch die drastische Einschränkung der normalen Wirtschaftstätigkeit aus gesundheitspolitischen Gründen.

Phase 2: Das Ende der Rezession

Ein schneller, sprunghafter Anstieg des Wirtschaftswachstums, wenn die Beschränkungen des öffentlichen Lebens aufgehoben werden.

Phase 3: Die Zeit nach der Rezession

Die Wirtschaft versucht, die Umstellung auf neue Geschäftspraktiken und den Vertrauensverlust durch starke geld- und finanzpolitische Anreize auszugleichen.

Wo stehen wir momentan?

Das Wirtschaftswachstum ist eingebrochen und die Arbeitslosigkeit sprunghaft gestiegen. Jetzt befinden wir uns an einem Wendepunkt, an dem das Wachstum wieder anziehen und sich schließlich auf einem relativ stabilen Pfad einpendeln wird – eine Flash-Crash-Rezession in Form eines T. Mitte März habe ich mir über diesen Verlauf schon einmal Gedanken gemacht.

Im Gegensatz zu früheren Rezessionen können wir den zeitlichen Ablauf der Phasen 1 und 2 dieses Mal exakt nachvollziehen, da sie das direkte Ergebnis klarer staatlicher Maßnahmen sind. Phase 3 wird jedoch – anders als bei früheren Rezessionen – nicht lehrbuchmäßig verlaufen. Die Frage ist, ob wir überhaupt eine Rezession erleben werden, wie sie in den Wirtschaftslehrbüchern steht. Bizarrerweise bedeutet ein Flash Crash, dass dieser Wirtschaftseinbruch in gewisser Hinsicht nicht einmal als Rezession bezeichnet werden kann.

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