Die ungelösten Probleme von Lateineuropa

Georg Graf von Wallwitz, Chef der Vermögensverwaltung <br> Eyb & Wallwitz

Georg Graf von Wallwitz, Chef der Vermögensverwaltung
Eyb & Wallwitz

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Die wohlige Wärme, die der Geldsegen der Europäischen Zentralbank (EZB) den Märkten im ersten Quartal gebracht hat, ist lau geworden, bevor man sich so richtig daran gewöhnen konnte. Die Krise ist nach einer kurzen Mittagspause wieder zurückgekehrt und hat sich diesmal vorgenommen, die Spanier zu verspeisen, nachdem die Italiener sich einer besseren Regierung besonnen haben.

Die Spanier haben, wie sich nun herausgestellt hat, mit falschen Bilanzen hantiert (siehe Chart unten). So breitet sich die alte Verzweiflung aus und die Versicherungsprämien gegen den Ausfall Spanischer Staatsanleihen (CDS) sind auf ein neues Rekordhoch gestiegen.

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Die Kapitalflucht aus Italien, Spanien und neuerdings auch Frankreich geht unvermindert weiter (siehe zweiten Chart). Etwas ist aber doch anders: Die Europäischen Aktienmärkte haben sich entkoppelt vom Rest der Welt. Während der Spanische Aktienmarkt wieder auf den Tiefstständen des Jahres 2009 angekommen ist und der Dax ebenfalls knapp 10 Prozent verloren hat, sind die Asiatischen und Amerikanischen Märkte nicht sehr beeindruckt.

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Aufgeschobene, nicht aufgehobene Probleme

Deren Angst bestand wohl darin, dass es im Europäischen Bankensystem zu einer Kernschmelze kommt, was zweifellos zu einer globalen Krise geführt hätte. Aber die EZB hat demonstriert, dass sie unter ihrer neuen Führung nicht gewillt ist, für die Stabilität der Währung die Stabilität von allem anderen zu opfern.

Die Bereitstellung des Eine-Billion-Geldtopfes (LTRO) hat nicht nur das Liquiditätsproblem der Banken gelöst, sondern sie auch noch in die Lage versetzt, Anleihen ihrer Heimatländer zu kaufen, sowie einen erklecklichen Teil in Deutschland zu horten. So ist der Rest der Welt erleichtert, aber der Kern des Europäischen Problems, der Mangel an Wettbewerbsfähigkeit in Lateineuropa bleibt ungelöst. Daran ändert auch die kürzlich erfolgte Aufstockung der Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) nichts.