„Die USA haben Schwarzseher schon immer eines besseren belehrt“

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Amerikas industrielle Renaissance


Anfang der 80er Jahre hätten viele Experten darauf gewettet, dass Amerikas beste Zeiten vorüber sind und die Zukunft Japan gehört. Heute sind viele der Meinung, dass China die USA überholen und zur weltweit größten Volkswirtschaft aufsteigen wird. Allerdings hat sich in den vergangenen 30 Jahren immer wieder gezeigt, dass die USA Schwarzseher eines Besseren belehren und sich neu erfinden können.

Wir bei Threadneedle sind außerdem überzeugt, dass sich Amerika derzeit erneut in einem entscheidenden Wandel befindet. Er wird angetrieben von neuen Technologien, wie beispielsweise dem sogenannten Fracking, mit dem sehr viel günstige Energie aus Schiefergestein gewonnen werden kann.

Dadurch nehmen im Gegensatz zu anderen Industrienationen in den USA die Erdöl- und Erdgasreserven zu – Lebenselixier einer jeden Volkswirtschaft. Damit lassen sich Industrie- und Beschäftigungswachstum auf Jahre ankurbeln.

Ebenfalls eine wichtige Rolle bei der industriellen Renaissance und der Erholung des Arbeitsmarkts spielt die Flexibilität der amerikanischen Bevölkerung. Außerdem gibt es Hinweise, dass sich der Immobiliensektor, die Ursache der Kreditklemme und globalen Finanzkrise, stabilisiert.

Mögliche Problemfelder

Allerdings haben die USA, trotz positiver Wirtschaftsaussichten, weiter mit Ungleichgewichten und kurzfristigen Risiken zu tun. Zu letzteren gehören die – aufgrund iranischer Drohungen – steigenden Benzinpreise. Sie sind in diesem Jahr schon von 3 Dollar auf fast 4 Dollar je Gallone (3,78 Liter) gestiegen. Weitere Anstiege sind möglich. Sie würden die Verbrauchernachfrage zusätzlich unter Druck setzten. Im vergangenen Jahr schnallten Amerikas Verbraucher den Gürtel spürbar enger, als die Benzinpreise von 3 auf 4 Dollar je Gallone schnellten.
 
Ebenfalls kritisch sind die andauernde Niedrigzinsphase und das Versagen der Politiker, das Haushaltsdefizit zu lösen. Auch wenn das Defizit weniger problematisch ist als in anderen Industrienationen, sind bisher noch keine Schritte eingeleitet worden, um die klaffenden Finanzlöcher im Staatshaushalt zu stopfen.

Die Rentenmärkte scheinen derzeit zu akzeptieren, dass vor den Präsidentschaftswahlen im November 2012 mit keinen wesentlichen Maßnahmen zu rechnen ist. Danach werden die Anleger beobachten, ob die Politiker das Haushaltsdefizit in den Griff bekommen. Dazu wird notwendig sein Ausgaben zu kürzen und Steuern erhöhen, was sich wiederum auf die Verbrauchernachfrage niederschlagen wird.

Attraktive Bewertungen und großes Wachstumspotenzial

Insgesamt sind wir jedoch zuversichtlich, dass US-Aktien solide Anlagerenditen erwirtschaften können. Zwei Faktoren sprechen unserer Meinung nach dafür: Durch Bottum-up-Analysen können nach wie vor attraktiv bewertete Unternehmen mit einem viel Wachstumspotenzial identifiziert werden. Zugleich deuten die FCF-Renditen (Free Cash-Flow) am US-Aktienmarkt darauf hin, dass amerikanische Aktien so günstig bewertet sind wie zuletzt vor 50 Jahren.

Derzeit lassen sich gut Wachstumsaktien mit günstigen Bewertungen und aktionärsfreundlichen Programmen (Aktienrückkäufe, Dividenden) finden. Viele dieser Unternehmen stammen aus dem zyklischen Konsumgüter- und Technologiesektor.

Zudem wird sich die Erholung der Industrie stärker auf die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 auswirken als auf das Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP). Darin kommt der höhere Anteil produzierender Unternehmen und Investitionsausgaben an den Gewinnen im S&P 500 als am BIP insgesamt zum Ausdruck.

Wir widersprechen also der Meinung einiger Analysten, die die Rentabilität im Unternehmenssektor auf einem Höchststand sehen und einen Rückgang erwarten.

Stattdessen glauben wir, dass ein etwaiger Rückgang nur von kurzer Dauer sein wird, der Free Cash-Flow hoch bleiben und die Bewertungen unterstützen wird. Frischer Wind für Unternehmensübernahmen, Aktienrückkaufprogramme und Dividendenerhöhungen würden unserer These zusätzliches Gewicht verleihen.

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