Containerschiff der französischen Reederei CMA CGM Foto: imago images / Joerg Boethling

Makro-Ausblick von Edmond de Rothschild

Die USA werden sich schneller erholen als Europa

Die Wirtschaftslage ist jetzt ganz anders ist als nach der Finanzkrise 2008. Selbst ohne flächendeckende Impfungen sollte die globale Konjunktur 2021 daher mit 5 Prozent Wachstum wieder anziehen. In 2022 dürfte der Zuwachs bei 4 Prozent liegen. Dieses Jahr hat sich die globale Wirtschaftsleistung voraussichtlich um 3,9 Prozent reduziert.

Natürlich muss man sich der Grenzen der aktuellen Prognosemöglichkeiten bewusst sein. Aber: Wenn wir die gängigen Modelle hinterfragen, mit denen die Auswirkungen der Pandemie geschätzt werden, ist das keine generelle Ablehnung von Modellprognosen. Im Januar 2020 haben wir uns auch bei COVID-19 für Modelle entschieden, die bei Grippepandemien verwendet werden. Auf traditionelle Prognosemodelle, wie sie internationale Organisationen nutzen, haben wir verzichtet.

Annahmen

  1. Modelle zur Messung der wirtschaftlichen Auswirkungen von Grippepandemien kommen zu dem Schluss, dass 60 Prozent ihrer negativen Folgen auf staatliche Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und Grenzschließungen zurückgehen. Sobald die Pandemie unter Kontrolle ist, fallen diese Einschränkungen weg. Hinzu kommt, dass die Sterblichkeit die Konsumausgaben beeinflusst: Bei weniger Todesfällen wird weniger gespart; die Verbraucher geben wieder mehr Geld aus. Und schließlich können wir die Einschränkungen umso besser modellieren, je mehr wir über das Virus wissen. Das gilt auch für eine zweite Welle.
  2. In der ersten Jahreshälfte 2021 könnten die USA ein neues Konjunkturpaket verabschieden, das das Wirtschaftswachstum auf 5 Prozent steigen lassen könnte. Es dürfte vor allem Maßnahmen umfassen, bei denen sich Republikaner und Demokraten einig sind – wie direkte Zahlungen an Haushalte, ein höheres Arbeitslosengeld auf Bundesebene und Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen. In Europa dürften die positiven Effekte der Hilfsprogramme in Deutschland durch den EU-Wiederaufbaufonds 2021 nochmals verstärkt werden. Gemeinsame europäische Anleihen sind ein sehr wichtiges Signal. Sie stärken den europäischen Fiskalpakt und lassen die Risikoprämie für den Euroraum sinken, auch wenn sich das Volumen in Grenzen hält und zunächst lange gezögert wurde. Das makroökonomische Team von Edmond de Rothschild erwartet deshalb, dass sich die USA schneller erholen als Europa. Nach 3,5 Prozent Rückgang in diesem Jahr wird die US-Wirtschaft 2021 voraussichtlich um 4,3 Prozent und 2022 um 3 Prozent wachsen. Der Euroraum wird sich nur mäßig erholen. Nach einem Einbruch um 7,5 Prozent in diesem Jahr rechnen wir 2021 mit 4,5 Prozent und 2022 mit 3,8 Prozent Wachstum.
  3. Unterdessen investiert China verstärkt in Infrastrukturprojekte und setzt im neuen Fünfjahresplan vor allem auf den Inlandskonsum. Wir rechnen damit, dass die chinesische Wirtschaft 2021 um 9,8 Prozent und 2022 um 5 Prozent wächst. Die Erholung des Konsums und der privaten Investitionen, aber auch steigende Importe der USA und Europas, dürften die asiatischen Volkswirtschaften beflügeln. Der internationale Reiseverkehr normalisiert sich sin unserem Prognosezeitraum wohl noch nicht, doch könnten Schwellenländer von höheren Rohstoffpreisen profitieren. Wir rechnen für die Emerging Markets 2021 mit 5,6 Prozent und 2022 mit 4,3 Prozent Wachstum, nach 2 Prozent BIP-Rückgang in diesem Jahr.

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