Hannah Dudeck (Redakteurin)Lesedauer: 4 Minuten

Greiff-Vorstand im Gespräch „Die Herausforderungen für Fondsboutiquen sind immens“

Greiff-Vorstand Udo Wedler
Greiff-Vorstand Udo Wedler: „Wir sehen uns als Dynamisierer.“ | Foto: Greiff Capital Management

DAS INVESTMENT: Greiff baut das Geschäft mit Fondsboutiquen deutlich aus. Welche Dienstleistungen und Bereiche umfasst das Geschäftsfeld?

Udo Wedler: Wir bieten unseren Partnern einen Rundumservice an. Dies umfasst alle wesentlichen Schritte von der Auflage eines Fonds, über die Administration, die Outsourcing-Dienstleistung eines vollregulierten 32er Asset Managers sowie Risiko-Controlling inklusive eigener Datenbank und eigenem Handelsdesk für die angebundenen Broker. Auf der anderen Seite stehen mit dem Greiff Research Institut ein Fondsanalysehaus und ein komplettes Vertriebs- und Marketingteam für Vermarktungsaktivitäten zur Verfügung.

Welchen Anteil macht das Fondsboutiquen-Geschäft an Ihrem Gesamtgeschäft aus?

Wedler: An Assets festgemacht sind es aktuell etwa 432 Millionen Euro Volumen von den 1,1 Milliarden Euro, die Greiff verwaltet. Das sind also 39 Prozent unserer Assets.

Sehen Sie sich als Konsolidierer?

Wedler: Nein. Wir sehen uns als Dynamisierer. Die Herausforderungen für Fondsboutiquen sind immens. Statt sich allein durchzusetzen, wäre es für Boutiquen leichter, durch Kooperationen zu wachsen. Allerdings scheitern Zusammenschlüsse oft an den unterschiedlichen Interessen der Gründer. Mit unserer Partnerlounge, die wir gemeinsam mit Hansainvest ins Leben gerufen haben, bieten wir Boutiquen an, eigenständig zu bleiben, aber strukturell zu kooperieren. Die Fondsboutique kann sich dadurch auf ihre Kernkompetenz fokussieren – wir kümmern uns um den Rest. Unsere Mission ist Fonds und Macher zu entfalten.

Vor welchen Schwierigkeiten stehen Fondsboutiquen?

Wedler: Die Fondsbranche steht vor einer Fülle an Anforderungen und Regulierungen. Ein Portfoliomanager in einem großen Asset-Management-Haus kann sich im starren Rahmen des Konzerns auf seine Fondsstrategie konzentrieren. Für eine Fondsboutique bringen neue Regeln dagegen eine Reihe von Anforderungen mit sich, die nichts mit der größeren Flexibilität bei der Management-Kernkompetenz zu tun haben. Neben den vielen Regulierungen sind es oft auch administrative Herausforderungen und so gut wie immer die Vermarktung des Fonds.

Wie genau sieht die Marketing- und Vertriebsunterstützung aus, die Sie den Fondsboutiquen anbieten?

Wedler: Nehmen wir das aktuelle Beispiel der Offenlegungsverordnung der EU beim Thema Nachhaltigkeit. Erste Anforderungen müssen ab dem 10. März dieses Jahres umgesetzt werden. Dabei reicht es erst einmal aus, die Nachhaltigkeitsrisiken zu definieren, was die KVG pauschal übernimmt. Wir haben mit unseren Partnerlounge-Partnern bereits Webinare durchgeführt, um zu zeigen, wie sich jeder vorbereiten kann, um am Ende die bestmögliche Einstufung zu erhalten.

Gleichzeitig sind wir als Einkaufsgenossenschaft für die Partner in der Lage, teure Systeme wie ESG-Datenbanken oder Reports gemeinsam zu nutzen. Dadurch können sich auch kleinere Boutiquen diesen Herausforderungen stellen. Einen Fonds zum Beispiel als Impact Investment nach Artikel 9 zu klassifizieren, ist für eine Fondsboutique eine Herausforderung, die weit über den täglichen Managementablauf hinausgeht.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Fondsboutiquen in der Partnerlounge ab?

Wedler: Als Berater arbeiten wir auf Augenhöhe mit unseren Partnern. Im ersten Schritt sprechen wir über Geschäftsmodell, Visionen und Kernkompetenzen. Darauf bauen wir dann auf. Wir machen konkrete Vorschläge für die Inhalte aller Informationsmedien von Prospekt und Präsentation über Webinar-Inhalte bis zum Medienpaket und Ghostwriting. Unser Herzstück ist unsere digitale Aufstellung. Unsere Daten werden alle digital erfasst und anschließend durch den Vertrieb qualifiziert, sodass wir unsere Kundensegmente je nach Interessen individuell ansprechen können. Darauf bauen wir abgestimmte Kampagnen, analysieren diese und werten sie aus. Für die Partnerlounge bieten wir die drei Modelle Showroom, Spotlight und Professional an.

Worin unterscheiden sich die drei Modelle?

Wedler: Es handelt sich nicht um eine Abstufung wie Bronze, Silber, und Gold, sondern dient als Einordnung, um realistisch gemeinsam zu planen. Es ist zum Beispiel nicht zielführend, bei einem Fonds, der gewisse Hygienefaktoren noch nicht erreicht hat, darüber zu diskutieren, warum so wenig Asset-Zufluss erfolgt ist.

Welche Kosten fallen für die Fondsboutiquen an, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Wedler: Wir unterstützen unsere Partner bei vielen Kosten rund um das Fondsgeschäft als Einkaufsgenossenschaft. Dadurch können wir oft bessere Konditionen erreichen, die wir transparent an die Partner weitergeben möchten. Unsere Vergütung richtet sich meist nach dem Erfolg des Asset-Wachstums. Bei einigen Partnern macht aber eine andere Preisberechnung für beide Seiten mehr Sinn. Entscheidend ist, für welche Bausteine sich unser Partner entscheidet. Wir agieren zum einen als ausgelagerter Asset Manager mit oder ohne Handelsdesk und/oder als Vertriebsstelle.


Über den Interviewten:
Udo Wedler ist Mitglied des Vorstands von Greiff Capital Management und verantwortet als führender Vertriebsmanager (Chief Sales Officer) die Bereiche Vertrieb und Marketing. Nach Stationen bei Hypovereinsbank, Union Investment und Ceros Vermögensverwaltung baute er zuvor für die Privatbank Metzler die Fondshandelsplattform Metzler Fund Xchange mit auf.

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