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„Die Versuchung besteht darin, sich nicht an die eigene Strategie zu halten“

Wolfgang Juds
Wolfgang Juds
Kürzlich hat sich Warren Buffett, einer der erfolgreichsten Investoren unserer Zeit, über seine Gesellschaft Berkshire Hathaway an der Übernahme des Ketchup-Herstellers H. J. Heinz beteiligt. Was können wir von Buffett lernen und wie kann man diese Erkenntnisse für die eigene Anlagestrategie nutzen?

Zu seinen Beteiligungen gehören Unternehmen wie Coca Cola, Gillette und Wrigley. Und nun beteiligt sich die Investorenlegende an H. J. Heinz, einem Ketchup-Hersteller mit deutschen Wurzeln. Buffett investiert gern in Firmen mit starken Marken. Cola, Kaugummi, Rasierklingen und nun auch Ketchup - was haben diese Unternehmen gemeinsam? Es sind allesamt Firmen mit einem klaren, einfachen und überzeugenden Geschäftsmodell. Sie verfügen über starke Marken mit einem dauerhaften Geschäftsmodell.

Was ist daran spannend? Diese Firmen brauchen nicht ständig neue innovative Produkte und nicht immer neue Investitionen in Forschung und Entwicklung. Sie sind nicht davon abhängig, dass ihre Produktpalette technologisch zukunftsweisend ist. Wenn z. B. ein Handy-Hersteller den Trend verpasst hat, hat er schnell Marktanteile verloren. Außerdem sind diese Konsumgüterhersteller nicht so stark konjunkturabhängig wie Unternehmen im Maschinenbau oder Automobilhersteller. Buffett kauft scheinbar langweilige Aktien.

Außerdem verfolgt die Investorenlegende Buffett eine wertorientierte Anlagestrategie. Er kauft Unternehmen in der Regel billiger als sie eigentlich wert sind. Dabei verwendet das Konzept der Sicherheitsmarge. Einfach gesagt bedeutet es, dass er solange wartet, bis der Preis aus irgendeinem Grund gefallen ist, z. B. aufgrund von politischen oder konjunkturellen Gründen. Denn gegessen und getrunken wird immer. Die Menschen essen auch Ketchup zu ihren Nudeln oder trinken Cola, wenn gerade die Euro-Schuldenkrise die Kapitalmärkte dominiert.

Aus meiner Sicht können wir von Warren Buffett folgendes für die eigene Anlagestrategie lernen:

1.    Eine wertorientierte Anlagestrategie ist langfristig ausgerichtet. Mit dieser Perspektive werden Kapitalanlagen zu Investitionen. Kurzfristige Anlagen hingegen sind Spekulationen. Niemand weiß, wie sich kurzfristig Märkte entwickeln, auch die Profis nicht.

2.    Es kommt darauf an, erstklassige Investments zu entdecken, sie günstig einzukaufen und langfristig zu behalten. Der Gewinn liegt im Einkauf. Warren Buffett verwendet das Konzept der Sicherheitsmarge, d. h. er bezahlt weniger für sein Investment als es wert ist. Damit schafft er sich einen Sicherheitspuffer, falls seine Erwartung nicht aufgeht.

3.    Es lohnt sich nicht, irgendwelchen Geschichten nachzujagen, sondern sich die scheinbar langweilig anmutenden, aber konstanten ertragsstarken Unternehmen anzusehen und in Substanz zu investieren.

4.    Eine wertorientierte Anlagestrategie legt einen Schwerpunkt auf die Aktie – nicht aus spekulativen Gründen, sondern weil Aktien Investitionen in Produktivvermögen darstellen und der Anleger somit direkt und unmittelbar vom Wachstum der Wirtschaft profitiert. Anders als bei der Anleihe ist der Aktionär Teilhaber an den Unternehmen und hat einen Anspruch auf einen Anteil am Gewinn.

5.    Liquidität wird benötigt, um günstige Marktgelegenheiten wahrnehmen zu können. Deshalb ist Kassenhaltung notwendig, um bei Bedarf preiswert einkaufen zu können – wie beim Schlussverkauf.

Das hört sich ganz einfach an – und ist doch so schwierig in der Umsetzung. Warum? Eine Strategie wie die von Warren Buffett erfordert viel Erfahrung und Disziplin. Die Versuchung besteht darin, sich in der Praxis nicht an die eigene Strategie zu halten. Denn die Medien und die Anlageberater überlagern mit ihren kurzfristigen Informationen die langfristigen Trends.

Außerdem sollte jeder intelligente Investor einen Weg finden, wie er einen erfolgreichen Ansatz auf seine eigene Lebens- und Risikosituation anwendet, z. B. über Investmentfonds, die ähnlich wie Buffett agieren. So kann man auch mit kleineren Beträgen in Coca Cola oder IBM oder andere Blue Chips investieren und hat den Vorteil der Risikostreuung.
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