Alexander Betz

Alexander Betz

Die vierte Geburt der Sachwertbeteiligung

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Der Markt geschlossener Fonds hat seinen historischen Höhepunkt in Performance-Problemen und seinen historischen Tiefpunkt in der Eigenkapitalplatzierung erreicht.

Diese dritte, nämlich renditeorientierte Generation geschlossener Fonds basierte bereits auf erheblich fortentwickelten Qualitätsstandards gegenüber der ersten Generation mit Bauherren- und GbR-Modellen sowie im Vergleich zur zweiten Generation mit steuerorientierten Beteiligungsmodellen. Dennoch konnten auch die jüngsten Produkte ihre Krisenfestigkeit nicht hinreichend beweisen.

Eignen sich Sachwerte angesichts der dritten Enttäuschung in Folge möglicherweise gar nicht als Kapitalanlagen? Doch, kein Wertpapier oder sonstiges Finanzprodukt kann letztlich eine so solide Grundlage für nachhaltige Einnahmen bieten wie ein vernünftig ausgewählter Sachwert in einem transparenten Beteiligungsprodukt. Und die vierte Geburt der Sachwertbeteiligung eröffnet dabei eine vollständig neue Welt mit hervorragenden Perspektiven für Anbieter, Vermittler und Anleger.

DAS NEUE MINDSET


Die Regulierung ist kein Allheilmittel für Produktqualität und Anlegerschutz, revolutioniert aber das Mindset der Marktteilnehmer:

-    Die Kapitalverwaltungsgesellschaft und Verwahrstelle mit geeigneter Geschäftsleitung, definierten Prozessen, BaFin-Meldewesen, Risiko- und Liquiditätsmanagement sowie Compliance hat mit dem zwar häufig unternehmerisch geprägten aber auch oftmals hemdsärmelig geführten Emissionshaus vergangener Zeiten wenig gemein.

-    Der neue Vermittlungs- und Beratungsprozess erfordert eine lückenlose und transparente Doku-mentation aller Risiken und Kosten und die WpHG-konformen Werbeunterlagen verbieten die früher oft ein¬seitige Vertriebsstory. Finanzdienstleister, die diese Regeln befolgen, verbindet mit den kreativen Produktverkäufern vergangener Zeiten kaum noch etwas.

DAS MÄRCHEN WIRD WAHR


Die verbreitete Behauptung, aus vormals erfolgreichen Publikumsfondsanbietern im Retailmarkt sind nun Assetmanager mit Strukturierungskompetenz für institutionelle Investoren geworden, ist ein Märchen. Dieses Märchen wird jetzt wahr:

-    Das Kapitalanlagegesetzbuch bildet künftig den gesetzlichen Boden, egal ob die Produkte an professionelle, semi-professionelle oder private Anleger verkauft werden. Und das ist gut so.

-    Die Produktentscheider großer Vermittlungsinstitute werden die Produkte ähnlich prüfen, bevor sie diese ihren Retailkunden anbieten, wie es professionelle Anleger für ihre eigenen Belange tun.

-    In der Praxis wird es künftig einfacher sein, institutionelle Produkte als Publikumsfonds zu emittieren, weil der professionelle Anleger eine überzeugende Investitionsstrategie akzeptiert, während der private Anleger bisher zumeist bereits die einzelnen Sachwerte vor Zeichnung kennen und fest angebunden sehen möchte.

DIE NEUE PERSPEKTIVE

Die Nachfrage nach Sachwerten mit zuverlässigen Einnahmen wird grundsätzlich und angesichts der ungelösten Staatsschulden- und Währungskrise anhalten. Die vierte Geburt der Sachwertbeteiligung bringt ein dramatisch verändertes Marktumfeld mit sich. Zum Glück:

-    Sachwertbeteiligungen genießen die gleiche, wenn auch seit der Finanzmarktkrise verstärkt kritisch begleitete Anerkennung wie alle anderen Banken- und Versicherungsprodukte.

-    Weniger ist mehr: Die Anzahl der Produktanbieter wird dramatisch abnehmen und deren Professionalität signifikant zunehmen.

-    Die zuletzt massiv verringerte Anzahl von Vermittlern wird wieder zunehmen, weil sich Sachwert-beteiligungen erstmals auf gesetzlichem Boden und damit haftungsmindernd verkaufen lassen.

-    Institutionelles Geschäft und Retailgeschäft bilden eine erweiterte Zielgruppe, weil in beiden Fällen eine Kapitalverwaltungsgesellschaft und Verwahrstelle sowie das neue Mindset benötigt werden.

-    Die auf Basis europäischer Richtlinien erfolgenden Neuregelungen bieten erstmals realistische Chancen zur geographischen Ausbreitung der Branche.

Die Wehen haben bereits eingesetzt, die BaFin richtet gerade den Kreissaal ein, der VGF optimiert noch die Anästhesie und die Geburt wird dennoch schmerzhaft werden: Doch dann entsteht neues Leben.

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