Oliver Schäfer, Managing Director bei 21Shares, spricht im Interview über die Spezialisierung auf Kryptowährungen, die Vorlieben verschiedener Anlegergruppen und warum Donald Trumps Politik langfristig positiv für Bitcoin sein könnte.
DAS INVESTMENT: Herr Schäfer, in einer zunehmend überfüllten Landschaft von Krypto-ETPs – was macht 21Shares eigentlich anders als die Konkurrenz?
Oliver Schäfer: Unser großer USP ist, dass wir zu 100 Prozent Krypto machen. Alles was wir tun, alles was wir lieben, alles womit wir uns den ganzen Tag beschäftigen, ist ausschließlich Krypto. Wir sind jetzt schon seit sechseinhalb Jahren am Markt – was in der Kryptowelt eine sehr lange Zeit ist. Das bedeutet auch, dass wir nicht nur die vielen guten Zeiten gesehen haben, sondern auch zwei Kryptowinter durchgestanden haben. Diese Erfahrung und unser kompromissloser Fokus machen uns aus.
Ist die reine Spezialisierung auf Krypto für Anleger wirklich ein Kaufargument?
Schäfer: Nicht allein. Aber wenn jemand sagt, „ich möchte Krypto haben“, dann ist er bei uns gut aufgehoben, weil wir nicht nur eine Vielzahl an Produkten anbieten, sondern auch umfassendes Research, Marktwissen, Education und Schulungen. Diese Materialien stellen wir kostenfrei zur Verfügung, weil wir wissen, dass Krypto noch eine junge Assetklasse ist, bei der es weiterhin viel Erklärungsbedarf gibt.
Wie viel Vermögen verwalten Sie aktuell?
Schäfer: Global betrachtet sind wir jetzt bei rund 10 Milliarden US-Dollar.
Sie bieten sowohl einzelne Krypto-ETPs als auch diversifizierte Krypto-Baskets an. Wie verteilt sich das Investment der Anleger?
Schäfer: Wie zu erwarten, ist Bitcoin sehr groß – mit weiterhin vielen Zuflüssen. Aber auch Ethereum und Solana sind von der Größe her sehr relevant. Und der eine oder andere Basket erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit.
Bitcoin-ETPs gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Warum sollte ein Anleger ausgerechnet bei 21Shares einsteigen?
Schäfer: Das hat verschiedene Gründe. Zum einen ist es die Größe, also das verwaltete Vermögen des Produkts, zum anderen der Emittent selbst – also welches Services, welches Informationsmaterial und welche Research-Kapazitäten wir bieten. Natürlich spielen auch Faktoren wie Preis, Liquidität und Produktgröße eine Rolle. Was uns besonders macht: Wir haben unter anderem ein spezialisiertes Capital Markets-Team und ein Research-Team, die seit sechseinhalb Jahren ausschließlich im Kryptobereich tätig sind. Diese Spezialisierung ist ein wichtiger Vorteil für unser Kunden und Investoren.
Gibt es unterschiedliche Vorlieben bei verschiedenen Anlegergruppen – also zwischen Finanzberatern, institutionellen Investoren und Family Offices?
Schäfer: Das ist immer auch kundenabhängig. Generell kann man sagen: Die meisten starten mit Bitcoin, weil es der bekannteste, größte und älteste Coin ist. Schnell kommt dann oft Ethereum oder auch Solana ins Spiel, wenn ein Kunde sagt, er möchte das Thema Krypto breiter in seinem Portfolio abbilden. Dann gibt es noch eine Gruppe von Profis, die bereits weiter sind und gezielt auch weitere Altcoins über ETPs ins Portfolio nehmen wollen, weil diese an der Börse sehr einfach handelbar sind.
Wie relevant sind Ihre diversifizierten Multi-Asset-ETPs gemessen am Gesamtvolumen?
Schäfer: Die Einzelprodukte sind natürlich populärer, weil wie gesagt viele zum Beispiel mit Bitcoin starten. Aber wenn man wenig Ahnung hat, was die Kryptowährung auf Rang 3, 4 oder 5 macht, dann ist man mit einem Basket sehr gut aufgehoben, weil man damit das Risiko verteilt. Es ist ideal für Anleger, die die Technologie grundsätzlich spannend finden und sie im Portfolio haben wollen.
Wer genau nutzt diese Basket-Produkte?
Schäfer: Vor allem Privatanleger, oft über Sparpläne. Aber wir sehen durchaus Potenzial, dass diese Produkte bald auch vermehrt auf Empfehlungslisten von Banken sind – speziell für Kunden, die nicht genau wissen, was zum Beispiel Ethereum oder Solana eigentlich machen. Mit einem Basket sind diese Kunden breiter aufgestellt und damit oft besser bedient.
Was muss passieren, damit eine Bank ein Krypto-ETP auf ihre Empfehlungsliste setzt?
Schäfer: Zunächst muss die Bank es überhaupt wollen und entsprechendes Kundeninteresse sehen. Dann müssen sie natürlich ihre eigene Vorarbeit machen und entscheiden, ob sie mit unserem Haus zusammenarbeiten möchten und ob sie unsere Produkte für ihre Kunden empfehlen wollen.
Wie enttäuscht waren Sie, als klar wurde, dass Trumps Bitcoin-Strategie doch nicht ganz so umfassend ausfällt wie zunächst erhofft?
Schäfer: Eigentlich gar nicht. Die zentrale Botschaft bleibt ja bestehen: Die USA planen, Bitcoin als Währungsreserve zu nutzen. Der Markt war vielleicht etwas enttäuscht, als es hieß, es würden nicht sofort große Mengen zugekauft. Aber jetzt gibt es bereits Stimmen in den USA, die vorschlagen, das steuerneutral umzusetzen, indem ein Teil der Goldbestände verkauft wird. Das ist doch eine hervorragende Aussage, wenn die USA als große Wirtschaftsnation ankündigt, einen Teil ihrer Reserven künftig auch in Bitcoin zu halten.
Wie stehen Sie zu dem Vorwurf, dass Krypto-ETFs die ohnehin hohe Volatilität bei Kryptowährungen noch verstärken?
Schäfer: Grundsätzlich muss man sagen, dass die Volatilität etwa bei Bitcoin im letzten Jahr bei rund 40 Prozent lag. Das ist zwar weiterhin noch keine niedrige Volatilität, aber sie lag damit bereits unter der von Nvidia und Tesla. Wir sehen also bereits einen deutlichen Rückgang, der sich in Zukunft vermutlich fortsetzen wird, wenn mehr institutionelle Investoren einsteigen und längerfristig investiert bleiben.
Der Bitcoin-Kurs hat nach Trumps Wahl zunächst die 90.000-Dollar-Marke geknackt, pendelt jetzt aber wieder um die 85.000 Dollar. Was ist Ihre Prognose für den weiteren Kursverlauf in diesem Jahr? Die früheren Traumszenarien von 250.000 Dollar liest man kaum noch.
Schäfer: Leider haben auch wir keine Glaskugel. Was wir sagen können: Die Technologie ist extrem spannend, und wenn immer mehr Investoren Interesse an diesem Thema entwickeln, werden sie auch mehr investieren. Tendenziell dürften die Kurse daher eher weiter nach oben gehen.


