Konrad Hummler von der Privatbank Wegelin & Co.

Konrad Hummler von der Privatbank Wegelin & Co.

„Die Welt muss notwendige Entscheidungen treffen“

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Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co., zufolge herrschen „gefährliche“ Zeiten. Die Erholung der US-Konjunktur werde mit unheimlich viel billigem Geld erzwungen und zeige trotzdem Schwäche, die Eurozone bekomme die Staatsverschuldung einiger Mitglieder nicht in den Griff und China täte sich schwer mit der Abkühlung der überhitzten Konjunktur. Zudem will auf den arabischen Frühling kein richtiger Sommer folgen. Die fehlende Stabilität in der Region belaste deren Ölproduktion, die 30 Prozent der weltweiten Förderung stellt. Vor diesem Hintergrund steuere die Welt auf notwendige Entscheidungen zu, heißt es von Hummler.

Drei künftige Szenarien kann sich der Privatbankier ausmalen:

Szenario 1: Die Eurozone bekommt ihre Schuldenkrise nicht in den Griff. Spätestens Spanien und Italien lassen den Europäischen Rettungsfonds scheitern. Die Folge ist ein Zusammenbruch der weltweiten Bondmärkte.

Szenario 2: Dank großzügiger Liquiditätshilfen und genügend Wirtschaftswachstum sitzt Europa die Schuldenkrise aus. Gleiches gilt für die USA.

Szenario 3: Die Befreiung der westlichen Welt von deren Staatsverschuldung, das De-Leveraging, ist unumgänglich. Die Umschuldung kommt. Des Weiteren muss eine Euro-Teilung entlang des Nord-Süd-Produktionsgefälles stattfinden.

Im Falle des Abgrund-Szenarios 1 werden Aktien zwar nominell Kursturbulenzen ausgesetzt sein, könnten aber aufgrund ihres Realwerts eine der wenigen Rettungsmöglichkeiten sein.

Beim Aussitz-Szenario 2 droht Anlegern ein Auf und Ab wie während der vergangenen 20 Jahre an den japanischen Aktienmärkten.

Szenario 3 führt zu mehr Volatilität an den Märkten, aber insgesamt zu einer Kurssteigerung, so Hummler.

Bei den Währungen sieht es nicht besser aus. Wenn das Szenario „Abgrund“ eintritt, dürfte der Euro noch mehr als der US-Dollar unter den Entwicklungen leiden. Trotz seiner Schwäche dürfte dann der Dollar zur Fluchtwährung werden. In Szenario 2 schaukeln sich die beiden Währungen vermutlich eher gegenseitig nach unten. Im dritten Szenario würden die beiden Währungen hingegen erstarken.

Da der Geschäftsführer von Wegelin & Co. das Abgrund-Szenario nicht ausschließen kann, empfiehlt er, etwa 30 Prozent eines Vermögens in Realwerte anzulegen. Als Beispiel nennt er Unternehmensbeteiligungen in den Bereichen Telefonnetze, Minen sowie Öl- und Gasfelder.

In Szenario 2 und 3 dürfe die Vermögensallokation auch „klassischer“ sein. Wenn die Notenbanken trotz Gelddruckerei ihre Glaubwürdigkeit bewahren, könnten sich Mittel- und langfristige Anleihen lohnen. Andere festverzinsliche Papiere dürften sich dagegen kaum rechnen.

Gefahr drohe eher von einer Umschuldung beziehungsweise vom Schuldenabbau der Staaten. Vermögensverluste könnten durch versteckte oder auch offene Konfiskation, also der staatlichen Enteignung ohne Entschädigung, zustande kommen.

Zum Marktkommentar in voller Länge.

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