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Radfahrerin in Kopenhagen Foto: imago images / Dean Pictures

Marktausblick 2021

Die Welt nach Corona – und ihre Investmentchancen

Daniel Morris, BNP Paribas Asset Management

Die Lockdowns zur Bekämpfung der Corona-Pandemie stürzten die Weltwirtschaft 2020 in eine Krise beispiellosen Ausmaßes: Die globale Wirtschaftsleistung sank so stark wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. 2021 sollte sich die Konjunktur erholen – nicht zuletzt, da mehrere Impfstoffe gegen Covid-19 umfassend zur Verfügung stehen dürften. Die Bloomberg-Konsenseinschätzung prognostiziert ein globales Wachstum von 5,2 Prozent.

Aber selbst, wenn die Gesamtnachfrage steigt: Die Welt wird eine andere sein. Die Menschen werden anders reisen, anders einkaufen, anders arbeiten und andere Unterhaltungsangebote nutzen als vor der Pandemie.

Wirtschaft in den USA dürfte sich schneller erholen als in Europa

Die Erholung der US-Wirtschaft wird wahrscheinlich durch fiskalische Anreize unterstützt werden. Der Umfang dürfte aber geringer ausfallen, als die Marktteilnehmer vor der Wahl gehofft hatten. Angesichts eines voraussichtlich geteilten Kongresses sind nur wenige bedeutende Gesetzesänderungen zu erwarten. Die Geldpolitik der US-Notenbank Fed wird eine wichtige Rolle für die konjunkturelle Entwicklung spielen.

Während für die USA erwartet wird, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis Ende 2021 das Vorkrisenniveau wieder erreichen wird, dürfte dieser Erfolg der Eurozone erst ein Jahr später vollständig gelingen. Zahlreiche Regierungen innerhalb der Währungsgemeinschaft haben auf den wirtschaftlichen Schaden durch die Lockdowns mit massiven Finanzhilfen reagiert. Dadurch ist die Verschuldung im Verhältnis zum BIP stark angestiegen und hat sich für viele Länder deutlicher erhöht als in den Jahren nach der globalen Finanzkrise. Mittel- bis langfristig besteht das Risiko, dass die Zinssätze steigen oder die EZB beginnt, ihre Bilanz abzubauen. Vorerst sind die Regierungen in der Lage, genügend Kapital aufzunehmen, um die Auswirkungen der Lockdowns abzufedern – jedoch nicht unbedingt genug, um das Wachstum schnell wieder auf das Niveau vor der Pandemie zu bringen.

Schwellenländer profitieren von Chinas Aufschwung

Die Schwellenländer haben ähnliche BIP-Rückgänge wie die Industriestaaten erlitten. Sie setzten aber weit weniger fiskalische oder monetäre Anreize. Dadurch sind sie geringeren Risiken durch eine höhere Schuldenlast ausgesetzt als die USA und Europa.

Die Erholung der aufstrebenden Volkswirtschaften im Jahr 2021 sollte durch das erwartete robuste Wachstum in den USA unterstützt werden. Asiens Volkswirtschaften dürften außerdem in besonders hohem Maße vom Aufschwung Chinas profitieren. Dank des wirksamen Pandemie-Managements hat die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft die BIP-Verluste aus dem Lockdown bereits wieder wettgemacht – und dies ohne quantitative Lockerung, negative Zinssätze oder einen starken Anstieg der Staatsverschuldung.

Ein möglicher mittelfristiger Belastungsfaktor ist eine Beschleunigung der von US-Präsident Donald Trump eingeleiteten Deglobalisierung. In Washington gibt es einen breiten Konsens für eine distanziertere Beziehung zu China. Selbst unter der neuen Regierung werden sich die Handelsbeziehungen wahrscheinlich nicht wesentlich verbessern – zumal die Demokraten Handelsabkommen traditionell skeptisch gegenüberstehen.

Nach Corona: Chancen für eine nachhaltigere Welt – und für Anleger

Lockdowns werden einen Großteil der Welt mit mehr Schulden belasten und viele Industrien dauerhaft schädigen, aber auch neue Möglichkeiten schaffen. Vor allem aber hat die Pandemie unsere Sichtweise darüber verändert, in was für einer Welt wir leben wollen – in einer Welt, die ökologisch nachhaltiger und sicherer ist. Und sie hat unser Engagement dafür verstärkt. Das wird das dauerhafte, positive Vermächtnis der Pandemie sein.

Wir glauben, dass Covid-19 technologische Innovationen sowie kommerzielle Trends beschleunigen kann. Dies wird zwangsläufig zu größeren Verschiebungen in der Wirtschaft und an den Kapitalmärkten führen – mit anderen Worten: zu einem disruptiven Wandel.

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