: Die Wikinger kommen

Die Wikinger kommen

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Immer mehr Anbieter aus Norwegen, Schweden und Dänemark drängen auf den deutschen Fondsmarkt. Die Skandinavier sind gut, günstig und irgendwie anders.

Wickie ist für einen Wikinger viel zu ängstlich und nicht besonders stark. Doch schon auf der ersten Seefahrt, auf die er seinen Vater, den Wikinger-Chef Halvar, und dessen starke Männer begleiten darf, zeigt er seine Qualitäten. Der rotblonde Junge mit den schulterlangen Haaren strotzt nur so vor Einfallsreichtum.

Mit seinen pfiffigen Ideen hilft er der Mannschaft aus Flake immer wieder aus der Klemme. Die beliebte Fernsehserie aus den 70er Jahren kommt 2009 unter der Regie von Bully Herbig in die deutschen Kinos. Doch schon jetzt ist Wickie der bekannteste Wikinger der Welt.

Hohe Qualität zu tiefen Preisen

Das können die skandinavischen Eroberer auf dem deutschen Fondsmarkt bei weitem nicht von sich behaupten. Im Gegensatz zu ihren schon etwas länger heimischen Konkurrenten aus dem Norden wie Nordea sind die Neuankömmlinge aus der Wikinger-Region Norwegen, Schweden und Dänemark den meisten Anlegern hierzulande kein Begriff.

>> Infoserie: Skandinavische Fondsgesellschaften im Kurzporträt

Zu Unrecht: Sie verwalten Spitzenprodukte und zählen zu den effizientesten und damit günstigsten Anbietern Europas. Die Hierarchien der meist kleinen Unternehmen sind flach, die Mitarbeiter flexibel und eigenverantwortlich. Die Firmenkultur lässt sich mit „Familiensinn“ umschreiben; die Zufriedenheit der Mitarbeiter steht im Mittelpunkt. Gearbeitet wird in der Regel von 8 bis 16 Uhr in oft idyllischer Umgebung. Personalwechsel sind selten.

Trendscouts aus Dänemark

Trotz der fehlenden Bekanntheit haben die nordischen Newcomer mit Wickie einiges gemeinsam: Sie sind anders als die anderen und machen sich durch kreative Ideen und ungewöhnliche Investmentansätze bemerkbar.

Ein Beispiel aus dem dänischen Küstenstädtchen Aabenraa, rund 20 Kilometer nördlich von Flensburg: Nur rund ein Jahr, nachdem Jim O’Neill, Chef-Volkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, im Oktober 2003 das Kürzel Bric für die Länder Brasilien, Russland, Indien und China erfand und dem Quartett fulminante Wachstumsaussichten vorhersagte, brachte die dort ansässige Investmentgesellschaft Sydinvest einen Bric-Fonds auf den Markt, den Isi Bric Equities (WKN A0B8NK). Keine andere Investmentgesellschaft der Welt war schneller.

Auch europäische Platzhirsche wie DWS oder HSBC griffen die Idee erst Monate später auf. Vier Jahre nach dem Start ist der Sydinvest-Fonds zwar bei weitem nicht mehr der einzige, aber immer noch einer der besten. Erst Anfang dieses Jahres hat der britische Branchendienst Citywire Manager Pauli Laursen zur Nummer 1 in seinem Anlagebereich gekürt. In den vergangenen drei Jahren hat er ein Plus von 145,9 Prozent erzielt.

Spezialisiert ist Sydinvest auf die Emerging Markets. Unter der Marke Isi, die Abkürzung für Investeringsforeningen Sydinvest International, investiert sie bereits seit 1997 in den Schwellenländern und gehört damit zu den ersten Gesellschaften Skandinaviens auf diesen Märkten. In Dänemark hat Sydinvest zudem als erstes Investmenthaus Schwellenländer-Rentenfonds aufgelegt, mit denen sie inzwischen auch auf dem deutschen Fondsmarkt sehr erfolgreich ist.

Verein der Stubenhocker

Die Investmentphilosophie ist eher ungewöhnlich. „Unsere Fonds werden am besten betreut, wenn die Manager im Büro am Computer sitzen, und nicht, wenn sie in der Welt herumdüsen“, sagt Kundenbetreuer Sonnich Frank Sonnichsen von Sydinvest. „Wir sitzen sozusagen im Helikopter und erkennen die Trends von oben. Die Firmenbesuche überlassen wir den Brokern und Analysten vor Ort; sie empfehlen uns attraktive Aktien.“

Sydinvest hat zudem eine typisch dänische Eigenart: Fondsgesellschaften gibt es dort noch nicht lange. Erst nach und nach gründeten die Banken eigene Investmentableger, die sogenannten Investeringsforeningen. Diese funktionieren meist wie ein Verein, eine Non-Profit-Organisation. Die 1992 gegründete Sydinvest gehört folglich den aktuell rund 3.500 Vereinsmitgliedern ihrer Fonds. Wer also in eines der zwölf in Deutschland zugelassenen Produkte investiert, wird automatisch auch Gesellschafter des dänischen Trendscouts.

Wenig auf neue Trends gibt Sparinvest. Die älteste dänische Fondsgesellschaft mit Sitz in Taastrup, einige Kilometer westlich der Hauptstadt Kopenhagen, hat sich der strategischen Asset Allocation verschrieben. Die Auswahl und Gewichtung der einzelnen Anlageklassen steht bei ihren Produkten im Vordergrund. Dabei wird langfristig investiert und auch bei stärkerem Wellengang nicht von der Route abgewichen.

Das Besondere an der Strategie: Die Manager meiden den Blick in die Zukunft. Kurs-Gewinn-Verhältnisse, künftige Ertragsaussichten oder mögliche Inflationsrisiken interessieren sie nicht. Eine volkswirtschaftliche Abteilung sucht man bei Sparinvest vergebens. „Es gibt genügend Studien, die beweisen, dass das langfristig nichts bringt“, sagt Jan Stig Rasmussen, Chef der Luxemburger Sparinvest-Tochter. Nur das Hier und Heute zählt, und dabei vor allem der innere Wert des Unternehmens.

Denn Sparinvest ist auf Value-Investments spezialisiert. Eine Aktie gilt den Taastrupern erst dann als Value-Wert, wenn der Börsenkurs mindestens 40 Prozent unter dem inneren Wert liegt. Letzterer ergibt sich aus dem Buchwert, also der Bilanz des Unternehmens. Die Visitenkarte der Firma ist der Sparinvest Global Value, einer der besten internationalen Aktienfonds auf dem Markt.

Sparinvest in der Bundesliga

Nicht nur Trendscout, sondern sogar Trendsetter sind die Dänen dennoch in zwei Bereichen: Sparinvest ist die einzige Fondsgesellschaft, die das Value-Prinzip nicht nur auf Aktien, sondern auch auf Anleihen anwendet. Ungewöhnlich ist zudem, dass Anleger im Internet jederzeit die gesamten Positionen ihres Fonds einsehen können. Das Nachbasteln der wertvollen Portfolios dürfte allerdings bei teilweise rund 100 Titeln schwer fallen.

Insgesamt sechs Fonds hat die Gesellschaft derzeit auf dem deutschen Markt. Ende August sollen noch ein Aktien- und zwei Mischfonds folgen. Um die Marke Sparinvest bekannter zu machen, haben sich die Dänen einiges einfallen lassen: So sponsern sie seit Anfang dieses Jahres die Bundesliga-Handballer der SG Flensburg-Handewitt. Durchaus passend: Der deutsche Vizemeister hat derzeit sechs dänische Spieler im Kader.

Preisgekrönte Pausen und Produkte

Aber auch für ihre Mitarbeiter legt sich die Gesellschaft ins Zeug. Das Personal wird von einem Sternekoch verpflegt. Auf Bestellung können sich die Mitarbeiter sogar zweimal in der Woche ein Abendessen mit nach Hause nehmen. Die beste Kantine Dänemarks jedoch liegt in Silkeborg. Das idyllische Städtchen mitten in einer Seenplatte Jütlands ist der Firmensitz von Jyske Invest. Deren Mitarbeiter können ihre preisgekrönte Mittagspause sogar mit Blick aufs Wasser verbringen.

Doch nicht nur die Kantine ist ausgezeichnet, auch die Produkte sind es. Im vergangenen Jahr wurde Jyske bereits zum zweiten Mal in Folge zum besten Aktienfondsmanager Europas gekürt. Grundlage für das Ranking der Finanzzeitschrift „Global Investor Magazine“ sind die von der Rating-Agentur Morningstar vergebenen Sterne. Mit im Schnitt 3,69 Sternen pro Fonds hat Jyske sogar Fidelity, das größte Investmenthaus der Welt, hinter sich gelassen.

Jyske steht für aggressiv gemanagte Aktien- und Mischfonds. Die Geheimwaffe der Dänen ist der 2003 entwickelte Investmentprozess Vamos. „Vorher waren unsere Fonds eher durchschnittlich, aber seitdem wir Vamos entwickelt haben, erzielen wir in vielen Bereichen konstant Überrenditen“, sagt Wieland Thyssen, zuständig für den Vertrieb in Deutschland und Luxemburg.

Der computergestützte Ansatz soll emotionale Entscheidungen der Fondsmanager vermeiden. Gesucht wird nach preiswerten Unternehmen hoher Qualität, deren Gewinne positiv überraschen.

Auf die Einkaufsliste kommen nur Firmen, die in einem attraktiven Markt gute Produkte verkaufen und ihren Marktanteil kontinuierlich erhöhen können. Mensch und Maschine werden kombiniert: Die Fondsmanager diskutieren anschließend die Ergebnisse des Computers und stellen die Portfolios zusammen.

Für das Flaggschiff Jyske Invest Favourite Equities beispielsweise suchen sie 30 bis 50 Titel aus. Bisher mit großem Erfolg: Der internationale Aktienfonds hat seinen Vergleichsindex, den MSCI Welt, in den vergangenen drei Jahren deutlich geschlagen.

Dänischer Schwellenländer-Profi Die Produkte von Jyske sind nicht nur gut, sondern auch günstig: Mit Managementgebühren zwischen 0,3 und einem Prozent pro Jahr sind die Fonds deutlich billiger als die meisten ihrer Konkurrenten. Laut dänischem Investmentverband ist Jyske die effizienteste Fondsgesellschaft Dänemarks.

Erst seit kurzem zeigen die Dänen Flagge in Deutschland: Seit Anfang dieses Jahres werden die Jyske-Fonds aktiv vertrieben. Und am 1. August eröffnet das Deutschland-Büro in prominenter Lage: Jyske zieht ins GAP 15 am Graf-Adolf-Platz 15 in Düsseldorf.

Bereits im November vergangenen Jahres hat die ebenfalls dänische Bankinvest ihr Lager in Frankfurt aufgeschlagen. Drei Aktien- und zwei Rentenfonds stehen für deutsche Anleger zum Kauf bereit. Die 1969 in Kopenhagen gegründete Gesellschaft ist seit über 20 Jahren auf Anlagen in den Emerging Markets spezialisiert und hat unter anderem Büros in Vietnam, Ägypten und Mexiko. Aber auch die internationalen Produkte glänzen mit guter Leistung: Der BI Global Equities beispielsweise hat den MSCI Welt in den vergangenen drei Jahren deutlich geschlagen.

Ein Platz in der Nische

Zudem will sich Bankinvest in einer Nische etablieren: Schon seit Jahren gibt es einige ihrer Produkte als nachhaltige Versionen. Bei der Titelauswahl gelten zusätzliche Kriterien. So werden die Unternehmen unter anderem auf die Einhaltung bestimmter Arbeitsbedingungen und Umweltschutzvorgaben geprüft.

Bereits 2006 hat das Finanzmagazin „Funds Europe“ Bankinvest für ihre nachhaltigen Fonds ausgezeichnet. Drei davon sind seit Ende 2007 auch in Deutschland zugelassen: die Aktienfonds Global Equities SRI (WKN A0M7XF), Global Emerging SRI (A0M7XA) und der Rentenfonds Global Emerging Markets Debt SRI (A0M7XC).

Einen Platz in der Nische haben sich auch die schwedische East Capital und die dänische Danske Capital gesichert. Beide Fondsgesellschaften sind auf Osteuropa spezialisiert. Nach eigenen Angaben verfügt Danske über das größte Osteuropa-Investmentteam der Welt. Die Gesellschaft wurde 1996 gegründet und gehört zur größten dänischen Bank, der Danske Bank.

Die im Oktober 2006 gestarteten Danske Fund Baltic (A0LBVS) und Danske Fund Trans-Balkan (A0LBUS) haben kaum Konkurrenz auf dem deutschen Markt. Manager Kari Salonen spielt mit beiden Produkten die Konvergenz-Story. Mit dem Baltic-Fonds investiert er in die drei Ostseeländer Estland, Lettland und Litauen, die 2004 der Europäischen Union beigetreten sind.

Mit dem Trans-Balkan-Fonds setzt er auf Griechenland sowie elf Beitrittskandidaten aus Südosteuropa, darunter die Türkei und Bulgarien. Salonen will davon profitieren, dass sich die Volkswirtschaften der Länder dem EU-Niveau annähern.

Reiseveranstalter auf Renditefahrt

Die 1997 gegründete East Capital hat diese Idee schon deutlich früher aufgegriffen: Ihr Balkan Fund wurde bereits im Oktober 2004 aufgelegt. Investiert wird überwiegend in Unternehmen aus Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Serbien, der Türkei und Slowenien. Der Baltic Fund kam sogar schon 1998 auf den Markt und legt wie das Danske-Produkt in Estland, Lettland und Litauen an.  

Das Fondsmanagement verfolgt einen reinen Absolute-Return-Ansatz und ist sehr erfolgreich. Allerdings haben diese Fonds noch keine Deutschland-Zulassung und können nur direkt über East Capital in Stockholm gekauft werden. Nachteile haben Anleger dadurch nicht, denn die Produkte sind steuertransparent.

Der beste Russland-Fonds der Welt hingegen, der East Capital Russian Fund, ist seit 2007 in Deutschland zugelassen. In den vergangenen zehn Jahren erzielte er ein Plus von 2.067 Prozent in US-Dollar – kein einziger seiner Konkurrenten mit ausreichend langer Historie konnte da mithalten.  

Abgesehen von der guten Performance gibt es noch einen weiteren Grund, die Fonds der Schweden zu kaufen. Sie haben etwas eingeführt, was sonst wohl kaum eine Gesellschaft ihren Anlegern bietet: Wer bei East Capital Fondsanteile kauft, kommt in den Genuss sogenannter Investorenreisen. Ein- bis zweimal im Jahr fährt die Gesellschaft mit ihren Anlegern in die osteuropäischen Staaten, in die sie investiert, und organisiert dort Besuche der Firmen und Treffen mit führenden Managern. Irgendwie anders, irgendwie pfiffig – eben ganz in der Tradition von Wickie.

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