Die Woche der Wahrheit Wie steckt Deutschland die China-Flaute weg?

Die Zweitveröffentlichung des deutschen Bruttoinlandsprodukts am Dienstag wird wohl ergeben, dass das Wachstum von 0,4 Prozent im vergangenen Quartal von den Exporten getragen wurde. Am selben Tag wird der Ifo-Geschäftsklimaindex zeigen, wie stark die dunklen Wolken, die nach der chinesischen Konjunkturabkühlung und Abwertung über der Weltwirtschaft aufgezogen sind, die Zuversicht beeinträchtigen. Den deutschen Exporteuren drohen Einbußen in China, nachdem die Entscheidung ihres drittgrößten Handelspartners zur Yuan- Abwertung vom 11. August die Einfuhr ausländischer Güter erschwert. Angesichts der weiterhin schleppenden Erholung im Euroraum ist Deutschland nun auf die Binnenkonjunktur angewiesen, wenn es auf Wachstumskurs bleiben will. „Es gibt eine ganze Menge Gegenwind für die deutsche Wirtschaft, aus China, aber auch, weil die konsumbasierte Erholung nicht von Dauer sein kann“, sagte Natascha Gewaltig, Direktorin für europäische Volkswirtschaften bei Action Economics U.K. in London. „China und die Abschwächung der Weltwirtschaft werden definitiv ihren Niederschlag finden.“ Die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands beschleunigte sich im August so stark wie seit über einem Jahr nicht mehr, wie Markit am Freitag mitteilte. Am Dienstag wird der Ifo-Geschäftsklimaindex für August nach einer Umfrage von Bloomberg unter Ökonomen auf 107,6 Punkte sinken. Im Juli hatte das Stimmungsbarometer im Zuge nachlassender Spannungen in der Krise um Griechenland noch überraschend auf 108 Zähler zugelegt. Eine starke Nachfrage aus China war für das verarbeitende Gewerbe Deutschland in den letzten Jahren entscheidend, und das Defizit in der Handelsbilanz mit dem Reich der Mitte verringerte sich 2014 auf den niedrigsten Stand in diesem Jahrhundert. Doch in diesem Jahr weitet sich der Fehlbetrag wieder aus und lag im ersten Halbjahr 50 Prozent über der Gesamtlücke von 2014. Die BIP-Zahlen für das zweite Quartal „werden relativ wenig von der globalen Schwäche widerspiegeln, die wir erlebt haben“, sagte Andreas Scheuerle, Ökonom der Dekabank in Frankfurt. Doch „je länger sich die Schwäche der Schwellenländer fortsetzt, desto gefährlicher wird es, da die deutschen Unternehmen im Vergleich zum Rest Europas besonders aktiv an den Schwellenmärkten sind.“ Die Abkühlung an den Schwellenmärkten sollte die Erholung in Deutschland allerdings nicht zum Erliegen bringen. Das Wachstum andernorts - etwa der Aufschwung in den Vereinigten Staaten - half dabei, den gesamten Handelsbilanzüberschuss im Juni auf 24 Milliarden Euro anschwellen zu lassen. Das war der höchste Stand seit dem Jahr 1990.
Außerdem spielt die Inlandsnachfrage eine größere Rolle für das Wachstum, gestützt durch die nahezu stagnierenden Inflation, steigende Löhne und eine rekordniedrige Arbeitslosigkeit. Daten am Freitag dürften zeigen, dass die Verbraucherpreise in Deutschland kaum gestiegen sind. Darüber hinaus erhält die deutsche Wirtschaft Schub vom erneuten Rückgang der Ölpreise.
„Es gibt Risiken, daran besteht kein Zweifel, und das vom globalen Wachstum ausgehende Risiko ist eines davon“, sagte Antonio Garcia Pascual, Ökonom bei Barclays in London. „Doch angesichts eines Wachstums über dem Potenzial, einer ganz gut laufenden Binnennachfrage und der Tatsache, dass der Euro schwach ist und den größten Exporteuren hilft, ist der Ausblick für Deutschland stark.“

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