Ansgar Neisius (Chefredakteur)Lesedauer: 6 Minuten

Sascha Specketer von Invesco „Die Zahl der ETF-Sparpläne wird sich verdreifachen“

Sascha Specketer von der Fondsgesellschaft Invesco
Sascha Specketer von der Fondsgesellschaft Invesco: Der Verantwortliche für die DACH-Region sieht für sein Haus viel Potenzial bei Selbstentscheidern und Family Offices. | Foto: Johannes Arlt

DAS INVESTMENT: Im Corona-Jahr 2020 entdeckten die Deutschen das Investieren. Depots wurden eröffnet und Sparpläne angelegt. Wie kann man davon als Fondsanbieter profitieren?

Sascha Specketer: Das Sparverhalten der Deutschen hat sich in der Tat ein Stück weit verändert – und das ist natürlich sehr interessant für uns Fondsanbieter. Gerade die Zahl der Selbstentscheider hat im vergangenen Jahr stark zugenommen. Da findet also keine Beratung statt. Vielmehr suchen sich diejenigen selbstständig ein paar passende Fonds, vor allem ETFs zusammen. Um mal eine Zahl zu nennen: Rund 50 Milliarden Euro investieren die hiesigen Selbstentscheider bereits in ETFs. Das ist enorm.

Auch international gesehen?

Specketer: Was das Phänomen der Selbstentscheider angeht, ja. Großbritannien zum Vergleich: Das Geschäft wird dort von Fonds-Plattformen dominiert. Diese haben ein Interesse daran, aktiv gemanagte Investmentlösungen zu verkaufen. Und da dort fast jeder Otto-Normalverbraucher einen Finanzberater an seiner Seite hat, funktioniert das auch gut. Den Selbstentscheider, der ETFs kaufen oder ansparen möchte, finden Sie dort kaum. Entsprechend spielen bei uns aber auch Online-Broker und die jüngeren Neo-Broker eine viel größere Rolle im gesamten Marktgeschehen, was man an einer paar Highlight-Zahlen ablesen kann.

Die da wären?

Specketer: Die Anzahl der Transaktion und gerade der Sparpläne ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Bei den ETF-Sparplänen liegen wir mittlerweile bei 2 Millionen Verträgen. Und auch wenn man die genannten 50 Milliarden ins Verhältnis zum ETF-Gesamtvolumen in Deutschland von schätzungsweise 600 Milliarden Euro setzt, ist das eine Hausnummer. Knapp 10 Prozent des ETF-Volumens kommen demnach vom Privatanleger. Auch enorm. Und die Entwicklung ist ja bei weitem nicht zu Ende. Bis 2030 erwarten wir einen Anstieg auf 6 Millionen ETF-Sparpläne, auf die dann monatlich rund eine Milliarde Euro eingezahlt wird. Da tut sich richtig was und es entsteht ein spannender Markt.

An das Segment der Selbstentscheider kommt man also nur als ETF-Anbieter.

Specketer: Genau. Auf die aktiv gemanagten Fonds fällt nur ein kleiner Teil der Sparpläne und des Investmentvolumens.


Nun gehört Invesco zu den ETF-Anbietern. Was muss man sonst noch können, um erfolgreich zu sein?

Specketer: Vor dem „Können“ kommt erst noch die Strategie. Zunächst muss man wissen, dass wir als Anbieter die ETFs sponsorn, wenn das ETF-Sparen bei einem Online-Broker kostenlos angeboten wird. Ein Indexfonds wird ja gehandelt, es entstehen also Transaktionskosten. Und diese übernehmen in der Regel wir Anbieter. Das wandelt sich gerade durch die Neo-Broker, den dort ist der gesamte Handel kostenlos. Hier zahlt der Privatanleger eine monatliche Nutzungsgebühr, kann dann aber so viel kaufen und verkaufen, wie er möchte. Dadurch werden ETF-Sparpläne nochmal interessanter und stabiler. Denn bislang schauten viele Anleger, zu welchem ETF es eine kostengünstigere Promotion gab und wann diese auslief. Entsprechend wurde oftmals angelegt.

Als Produktanbieter muss man nun also wissen, mit welchem Broker man welche Partnerschaft eingehen kann?

Specketer: Genau. Wir beispielsweise suchen nach langfristigen Partnerschaften. Die Promotion-Denke, wo man jedes Jahr aufs Neue über ein Engagement verhandelt, passt nicht zu unserem Vorgehen. Wir als Invesco wollen in Deutschland bekannter werden, haben in diesem Jahr auch passend dazu eine Brand-Kampagne laufen. Denn eine Umfrage unter vielen Vertriebspartnern unseres Hauses ergab, dass wir im Grunde genommen in vielen Bereichen gut abschneiden: Service an Banken, Produktpalette, Unterstützung im Vertrieb. Nur unsere Bekanntheit beim Retail-Kunden kommt etwas zu kurz.

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Helfen dann Kooperationen wie die bestehende mit Scalable Capital oder der ING?

Specketer: Ja, absolut. Zum einen bekommen wir Zugang zu deren Marktplatz und all deren Kunden, aber es erhöht auch die Markenbekanntheit von Invesco. Deshalb ist diese Form der Zusammenarbeit so ideal für uns.

Gilt dann so breit wie möglich aufgestellt zu sein?

Specketer: Nein. Wir sind ja an langfristigen Partnerschaften interessiert und führen lieber einige wenige, dafür aber zielführendere Gespräche. Eine Marke aufzubauen ist ja kein Sprint, sondern bedarf Zeit. Daher passt zu uns auch nicht das Promotion-Modell und damit einige Plattformen nicht.

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