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Pictet Asset ManagementLesedauer: 4 Minuten
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Ernährung als Anlagethema Die Zukunft der Ernährung – besser nachhaltiger, nicht nur immer mehr

Abgeerntetes Feld
Abgeerntetes Feld: Eine echte Agrarwende erfordert nachhaltige Landwirtschaft statt industrieller Massenproduktion und macht immer mehr Verbrauchern bewusst, dass Ernährung keine reine Privatsache ist. | Foto: IMAGO / Westend61
Walter Liebe, Pictet AM

Als um die Jahrtausendwende die ersten Fonds für Agrikultur und „Food“ auf den Markt kamen, stand eine andere Herausforderung im Raum als heutzutage. Die große Frage, die seinerzeit gestellt wurde, lautete: Die Weltbevölkerung wächst auf 9 bis 11 Milliarden Menschen zwischen Mitte und Ende des 21. Jahrhunderts, gleichzeitig sinken die Ackerflächen pro Kopf der Bevölkerung. Wie sollen wir künftig die Menschheit satt bekommen?

Gleichzeitig, so die Sorge, erzeugt eine stärker werdende Mittelschicht in den Schwellenländern mit ihren sich verändernden Essgewohnheiten weiteren Druck auf die globale Versorgung mit Lebensmitteln. Auch in diesem Zusammenhang stellte sich die Frage: Was soll nur werden, wenn jeder Chinese so viel Fleisch essen möchte wie die Menschen in den entwickelten Ländern? Dementsprechend lag der Hauptfokus von Landwirtschafts-Anlagestrategien in der Ausweitung der produzierten Menge an Lebensmitteln, also in einer extensiven Landwirtschaft.

Diese Interpretation des Anlagethemas hatte jedoch einige gravierende Nachteile. Beträchtliche Umweltauswirkungen gingen mit einer ungezügelten Steigerung der Intensität der Landwirtschaft einher: Die Biodiversität verringerte sich, die Abholzung von Regenwäldern sowie der übermäßige Einsatz von Düngern und Pestiziden nahm zu. Von Klimaschützern wurde darüber hinaus mit Sorge betont, dass die Landwirtschaft etwa ein Drittel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen erzeugt. Für Anleger offenbarte sich ein weiterer Nachteil: Eine solche Anlagestrategie war auch recht volatil. Ein hoher Anteil des Portfolios war sehr zyklisch aufgestellt und damit abhängig von der Entwicklung der Rohstoffpreise. Die Schwankungen wurden dabei in immer stärkerem Maß durch externe Faktoren wie Wetterextreme beeinflusst. 

Qualität und Nachhaltigkeit sind in den Fokus gerückt 

Mittlerweile hat sich der Blickwinkel jedoch merklich gewandelt. Nicht mehr die Menge der erzeugten Nahrungsmittel steht im Mittelpunkt, sondern die Qualität und Nachhaltigkeit dessen, was produziert wird. Das bedeutet leider nicht, dass das Problem des Hungers in der Welt gelöst wäre – noch immer sind etwa 2 Milliarden Erdenbürger unter- oder mangelernährt. Die Corona-Pandemie hat die Situation sogar noch verschlimmert und Fortschritte von Jahrzehnten zunichte gemacht.

Auf der anderen Seite gibt es weltweit mehr als 2 Milliarden Menschen, die übergewichtig sind. Doch auch hier hat Covid-19 eine Bewusstseins-Änderung ausgelöst. Denn es zeigte sich, dass Corona-Krankheitsverläufe tendenziell schwerer verlaufen, wenn Patienten übergewichtig sind und unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden.

Aber auch abseits der unmittelbaren Erfahrungen schwerer Covid-19-Erkrankungen hat die Pandemie mit ihren wiederholten Lockdowns viele Bürger zu einer kritischen Reflexion ihrer Ernährung und ihrer allgemeinen Gesundheitssituation veranlasst. Das eigene Wohlbefinden und das Leben bei guter Gesundheit hat mittlerweile einen viel höheren Stellenwert als noch vor wenigen Jahren. In der Folge verändern sich die Konsumgewohnheiten und das Einkaufsverhalten, also die Nachfrageseite der Ernährung. Anfangs graduell und zögerlich, beginnend bei eher wohlhabenden und urbanen Bevölkerungsgruppen, aber dennoch nachhaltig und in die breite Bevölkerung zielend.

Die Konsumenten bestehen zunehmend auf einer „gesunden“ und besser verträglichen Zusammensetzung der Lebensmittel; die Vorliebe für fettige und zuckerreiche Convenience-Produkte hat ihren Höhepunkt überschritten. Pflanzliche beziehungsweise vegane Kost ist nicht mehr exotisch, sondern nimmt einen wachsenden Anteil im Speiseplan von Nicht-Vegetariern ein.

Auch auf der Angebotsseite hat sich das Innovationstempo in den vergangenen Jahren massiv beschleunigt. Lebensmittelzusätze für eine bessere Verträglichkeit beispielsweise von Milchprodukten, Ersatz von Fleisch durch Erbsen- und Sojaproteine sowie vertikale Landwirtschaft und Indoor-Fischzucht sorgen für eine Vielzahl neuer Produkte und Produktionsmethoden. Sogar die Erzeugung von Fleisch in Bioreaktoren, also die Vermehrung von Fleisch-Muskelzellen außerhalb eines Tierkörpers, macht Fortschritte, so dass die Preise rapide sinken. Es wird damit gerechnet, dass unter Einrechnung der Umweltkosten traditioneller Viehzucht schon in wenigen Jahren „laborgezüchtetes“ Fleisch konkurrenzfähig werden kann.

Als dritter Wachstumstreiber kommen Regulierung und die Politik ins Spiel. Ein bedeutender Teil der Klimapakets der EU und der USA widmet sich dem nachhaltigen Umbau der Landwirtschaft. Der CO2-Ausstoß der Farmindustrie soll durch effizientere Anbaumethoden gesenkt werden.

Disruption in der Lebensmittelindustrie kommt voran

Was bedeutet dies nun für das Anlagethema Ernährung? Hier sehen wir uns am Beginn einer neuen Ära. Denn die Disruption in der Lebensmittelindustrie war in den vergangenen 20 Jahren – im Vergleich zur Industrie – eher gering. Aber sie nimmt Fahrt auf. Traditionelle Lebensmittelkonzerne passen die Rezepturen ihrer Produkte an die neue Nachfrage an, es gibt Hunderte von Startups für Innovationen in der Landwirtschaft und bei Lebensmitteln. Daraus resultiert eine rege Aktivität von Börsengängen, die das investierbare Universum vergrößert.

Historisch zeigten Food-Strategien eine eher defensive Wertentwicklung an den Börsen. Die neuen Innovatoren bringen jedoch neue Wachstumsfantasie in den Sektor, und dies für viele Jahre. Unser Fazit: Einzelne Superfood- oder Konzeptaktien mögen ein Hype sein, der so rasch verfliegt wie er gekommen ist – die große Transformation in unserem Verständnis von gesunder und nachhaltiger Ernährung wird sich jedoch nicht umkehren lassen.

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.
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