Die zwei Gesichter der US-Wirtschaft
(Quelle: DAS INVESTMENT) „Es werden nicht alle Boote untergehen“, sagt Zachary Karabell voraus. Das Wachstum der US-Volkswirtschaft werde sich in diesem Jahr zwar deutlich verlangsamen und es werde Verlierer geben – aber ebenso Gewinner. „Es gibt einerseits Sektoren, die vom Strudel erfasst werden, andererseits Branchen, die verschont bleiben“, so der Chefstratege des US-Vermögensverwalters Alger.
Karabell betitelt die beiden Lager als Subprime- und I-Phone-Wirtschaft. „Die Subprime-Wirtschaft ist von Kreditklemme und zurückgehenden Aufträgen im Wohnungsbau gekennzeichnet“, so Karabell. Dieser Teil der US-Wirtschaft befinde sich möglicherweise bereits in einer Rezession. Das heißt, es gibt zwei Quartale, in denen die Wirtschaftsleistung nicht weiter wächst.
In der Finanz- und Immobilienbranche sorgt die Hypothekenkrise weiterhin für Sorgenfalten. Jahrelang stiegen die Häuserpreise und die Hausbesitzer konnten ihre Eigenheime mit weiteren Krediten beleihen. Doch dann haben die Immobilienpreise die Gegenrichtung angetreten.
Die billigen Kredite dürften die Amerikaner teuer zu stehen kommen. Denn bislang baute die US-Wirtschaft auf die Kauflust ihrer Bürger. Jetzt aber fehlt ihnen der Kredit für Neuanschaffungen. Der Geldautomat Eigenheim versagt seinen Dienst, nicht nur für den Augenblick: „Ich rechne erst Mitte 2009 mit dem Ende der Hypothekenkrise“, erklärt Rudolf Besch, USA-Volkswirt der Deka Bank.
Schlechte Aussichten also für alle Branchen, die von der heimischen Käuferstimmung abhängig sind.
Ganz anders sieht es dagegen bei typischen Exportfirmen aus. Durch den schwachen Dollar sind auch die Preise für US-Waren im Ausland aufgeweicht. Vor allem für Amerikas High-Tech-Hersteller sieht Alger-Ökonom Karabell derzeit gute Chancen: „Die I-Phone-Wirtschaft wird durch den Verkauf von mehr als 1,5 Millionen Stück der neuartigen Mobiltelefone des US-Herstellers Apple verkörpert.“
Das neue Schnäppchenparadies USA punktet mit seinem Wechselkursvorteil vor allem in Schwellenländern: „Viele US-Unternehmen expandieren in Lateinamerika, der Golfregion und China“, so Karabell. „Diese Regionen koppeln sich immer stärker von der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA ab.“
Sollten die US-Bürger weniger kaufen, stört das die aufstrebenden Märkte kaum: „Die wichtigsten Schwellenländer sind in der Lage, ihre Aufholjagd 2008 fortzusetzen“, erklärt Cornelis Vlooswijk, Anlagestratege beim niederländischen Wirtschaftsforschungsinstitut Iris. Dank ihres starken Wirtschaftswachstums und den vielen Devisenreserven aus dem Exportgeschäft mit Rohstoffen sind sie zahlungswillige und zahlungskräftige Kunden der USA.
„Die zunehmenden Exporte unterstützen die verarbeitende Industrie in den Vereinigten Staaten“, erklärt Vlooswijk. Das wiegt einen Teil seiner Skepsis gegenüber den US-Börsen auf. „Die amerikanische Gesamtwirtschaft befindet sich zwar in einer schlechten Verfassung“, so Vlooswijk. „Der größte Teil der schlechten Nachrichten ist aber bereits in den Aktienkursen vorweggenommen.“
