„Dies ist die Stunde der Finanzabteilungen“

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DAS INVESTMENT.com: Sie platzieren gegenwärtig mehr als zehn Fonds. Haben Sie sich damit in dieser Krise ein bisschen viel vorgenommen? Torsten Teichert: Ein Großteil der derzeit in der Platzierung befindlichen Fonds sind Projekte aus dem letzten Jahr, diese Fonds kommen aus unterschiedlichen Produktklassen. Und einige Fonds stehen kurz vor der Schließung: Etwa die Schiffe MS Bermuda und MS Bahamas. Das für alle Fonds von uns einzuwerbende Eigenkapital liegt bei rund 60 Millionen Euro – eine lösbare Aufgabe. Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (Juni 2009).
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DAS INVESTMENT.com: Die Emissionshäuser haben für 50 Milliarden US-Dollar Schiffe bestellt. Im Lloyd-Fonds-Orderbuch stehen 26 Schiffe, 16 Schiffe sind laut Geschäftsbericht ohne Charter. Sind Sie ein Opfer der einstigen Boom-Stimmung? Teichert: Es wird immer behauptet, die deutschen Emissionshäuser und Reedereien Schuld seien schuld am derzeitigen Überangebot an Tonnage. Das ist Unsinn, das Ordervolumen im Gesamtmarkt umfasst 500 Milliarden Dollar –  und alle internationalen Player wie Maersk oder Cosco haben bestellt. Nur rund 10 Prozent der Bestellungen stammen aus Deutschland. Ohne langfristige Bestellungen hätten wir 2007 oder 2008 keine vernünftigen Schiffe bekommen können. Doch wir passen uns der Situation an, verhandeln über Kaufpreise und verschieben Ablieferungen. Damit sind wir übrigens recht erfolgreich. DAS INVESTMENT.com: Die Fachzeitung Lloyd’s List berichtete jedoch im Januar, dass mittelfristig bis zu 200 bestehende deutsche Schiffs-KGs in arge Schwierigkeiten kommen könnten. Ein realistisches Bild? Teichert: Zurzeit sind weltweit über 500 Containerschiffe ohne Beschäftigung. Unterstellen wir, dass der Anteil an KG-Schiffen bei 35 Prozent liegt, wäre das genannte Szenario bereits erreicht. Das ist unschön und ein Ausdruck der Krise, in der wir uns befinden. Dennoch: das zeitweilige Aufliegen eines Schiffes ist nicht völlig undenkbar bei einem Schiffsfonds. Darum haben die finanzierenden Banken früher in der Regel bei jedem Schiffsfonds im Rahmen des Risikoszenarios mindestens zwei Jahre Tilgungsfreiheit einkalkuliert. Zudem haben viele Schiffe in den zurückliegenden guten Jahren einen Tilgungsvorsprung aufgebaut. Schwierig wird es natürlich, wenn mittelfristig keine vernünftige Vercharterung dargestellt werden kann. Und zusätzlich sind die Banken heute sehr viel restriktiver bei der Gewährung von Tilgungsaussetzungen. DAS INVESTMENT.com: Apropos Chartergesellschaften - Glory Wealth, der Charterer bei Ihrem MS-Tosa-Schiffsfonds, soll schwere Schlagseite haben? Teichert: Natürlich kennen wir die Berichte über Glory Wealth. Aber bisher wurden von dem Charterer alle Verpflichtungen erfüllt. Ich denke, es gibt im Markt andere Chartergesellschaften, die in weitaus größeren Schwierigkeiten sind. DAS INVESTMENT.com: Zurzeit boomt im Fondsbereich die Solarenergie. Sie haben unlängst mitgeteilt, keine Regenerativen-Energien-Fonds mehr emittieren zu wollen. Warum? Teichert: Wir haben ganz klar eine nachgewiesene Expertise im Segment Erneuerbare Energien, doch wir konzentrieren uns im traditionellen Geschäft auf die Kernbereiche Immobilien und Transportation. Immerhin entfallen 75 Prozent des Markts der geschlossenen Fonds auf Immobilien, Flugzeuge und Schiffe. Dabei decken wir die gesamte Wertschöpfungskette ab, wobei wir die Finanzierung und Akquisition der Objekte selbst übernehmen. In einem neuen Geschäftsbereich werden wir eher als Fondskonstrukteur und Vertriebskoordinator auftreten: Wenn ein etabliertes Unternehmen an uns herantritt und unsere Erfahrung beispielsweise für Solarkraft-Projekte nutzen will, übernehmen wir das gerne. Wir würden in diesem Fall die Beratung und Produktkonzeption übernehmen, aber etwa nicht das Management. Und wir würden uns immer einen Exklusivpartner für den Vertrieb suchen wollen. DAS INVESTMENT.com: Der Vertrieb scheint in dieser Zeit der größte Engpassfaktor zu sein. Auch Sie sollen bereits bei einigen Fonds mittlerweile 20 Prozent Provision zahlen. Geht das zu Lasten des Anlegers? Teichert: Nein, wir zahlen keine 20 Prozent Provision, sondern liegen darunter. Es ist aber richtig, dass der Vertrieb in Krisenzeiten teurer wird. Dabei spielen drei Faktoren eine Rolle: Zum einen werden Incentivierungen für Anleger vorgenommen. So wissen wir doch alle, dass der Anleger nicht mehr das volle Agio bezahlt. Zum anderen werden die Vertriebsmaßnahmen zur Unterstützung der Vertriebspartner optimiert. Um den Vertrieb anzukurbeln, ist in dieser Krise aber auch die Erhöhung der Provision logisch und legitim. Der eigentliche Knackpunkt ist, dass unsere Branche bislang kein intelligentes Preismodell eingeführt hat. DAS INVESTMENT.com: Bei Ihrem Holland-Fonds müssen Sie die Platzierung bis Mitte August abgeschlossen haben. Drückt die Platzierungsgarantie? Teichert: Holland 2 ist der einzige Fonds von uns, bei dem es keine Verlängerung der Platzierungszeit gibt. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir mit einer breiten Auswahl an Maßnahmen die Platzierung des Fonds in der vorgesehenen Frist abschließen werden. DAS INVESTMENT.com: Dann wäre da noch das Österreich-Geschäft. Dort war die Zusammenarbeit mit Banken wenig erbaulich ... Teichert: Tatsächlich war der Vertrieb in Österreich in den letzten Jahren vornehmlich über Banken organisiert. Daher ist aufgrund der Finanzkrise die Fondsvermittlung über alle Bereiche hinweg zum Erliegen gekommen. DAS INVESTMENT.com: Sie hatten zu Anfang dieses Jahres angekündigt, die Beteiligung an der Hamburger Vertriebsholding Feedback AG kurzfristig auf 38 Prozent anheben zu wollen. Feedback wiederum ist am Maklerpool Netfonds beteiligt und plant die Beteiligung an der Hamburger Otto M. Schröder Bank. Sind Sie ebenfalls an diesem Banken-Vertriebskanal interessiert? Teichert: Unsere Beteiligung an Feedback liegt heute bei knapp über 30 Prozent. Das hat natürlich etwas mit Vertriebskanalsicherung zu tun, eine Beteiligung an einem der fünf führenden Vertriebe geschlossener Fonds ist heute für ein Emissionshaus unserer Größenordnung strategisch sehr wertvoll. Als echten Vertriebskanal würde man die von Ihnen genannte Privatbank sicherlich nicht bezeichnen. DAS INVESTMENT.com: Kommen wir zu Ihrer Zweitmarkt-Tochter Trade On. Sie wandeln das Unternehmen in eine GmbH um. Zieht Vorstand Guido Komatsu mit? Teichert: Wir wollen die Trade On in der jetzigen schwierigen Marktlage wieder in ruhige Gefilde führen. Dazu passt die AG-Konstruktion mit dem hohen organisatorischen Aufwand und den damit zusammenhängenden Kosten nicht mehr. Das ist alles im Einvernehmen mit Herrn Dr. Komatsu geschehen. DAS INVESTMENT.com: In die Lloyd-Fonds-Vertriebsabteilung ist lange keine Ruhe eingekehrt. Einige Mitarbeiter kamen und gingen, und seit dem Weggang von Marcus Simon leiten Sie das Vertriebsressort im Vorstand kommissarisch. Eine Lösung auf Dauer? Teichert: Wir haben die Struktur unserer vertriebsabteilung zuletzt Mitte 2008 umgebaut, das ist immer mit etwas Unruhe verbunden. Doch zwei der drei Geschäftsführer in unserem Vertrieb sind seit über fünf Jahren bei Lloyd Fonds tätig und dem Unternehmen somit langjährig verbunden. da gibt es also durchaus viel Kontinuität. Der dritte ist im letzten Jahr im Rahmen des Ausbaus unserer Vertriebsaktivitäten zu uns gestoßen. Und nicht zuletzt das Beispiel HCI zeigt, dass ein Emissionshaus für einen erfolgreichen Vertrieb nicht unbedingt einen Vertriebsvorstand benötigt, sondern gute Vertriebsleute. Die haben wir. DAS INVESTMENT.com: Zum Schluss ein Blick auf Ihre Reserven. Mit 18 Millionen Euro Liquidität und rund einer Million Euro Kosten monatlich - könnte Lloyd Fonds theoretisch in eineinhalb Jahren die Puste ausgehen? Teichert: Nennen Sie mir bitte fünf Emissionshäuser, die mehr Liquidität und ein höheres Eigenkapital haben als Lloyd Fonds! Mit einer Eigenkapitalquote von 59 Prozent stehen wir im Vergleich zu unseren Mitbewerbern sehr gut da. Zudem werden wir dieses Jahr 60 Prozent unserer Fixkosten durch wiederkehrende Erträge einnehmen. Darüber hinaus haben wir eine Restrukturierung mit harten Einschnitten hinter uns. Die Weichen für diese harte jahr sind also richtig gestellt. Dies ist die Stunde der Finanzabteilungen. Das gilt für alle in unserem Markt. Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (Juni 2009).
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