Ein Posting auf „X“, drei Zeilen auf „Truth Social“ - und die Kurse fahren Achterbahn. Selten zuvor hat der Echtzeit-Newsflow die Börsen so unberechenbar vor sich hergetrieben wie heute.  Ein Zustand, der angesichts der geopolitischen Neuordnung wohl kein vorübergehendes Phänomen bleibt.

Langfrist-Anleger sehnen sich nach einem Regler, um den Lärm des Marktgeschehens leiser zu stellen. Und finden diesen zunehmend in Infrastrukturinvestments jenseits der Börsen – seit kurzem sogar steueroptimiert im Policenmantel. Verschiedene Gründe sprechen dafür, dass dieser Trend gerade erst Fahrt aufnimmt.

1. Europa erneuert sich – der politische Wille sichert Stabilität

Europas Infrastruktur ist marode. In Deutschland stehen einstürzende Brücken und Funklöcher über ganzen Landstrichen sinnbildlich für einen eklatanten Investitionsstau. Jahrhundert-Trends wie KI und die Elektrifizierung von Verkehr und Industrie erfordern einen massiven Ausbau an Energie- und Rechenkapazitäten. Aktuelle Berechnungen einer DWS-Studie beziffern den europäischen Investitionsbedarf auf bis zu 6 Billionen Euro bis 2030.

Die Politik scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben – und steuert mit massiven Budgets dagegen. Das jüngste 500-Milliarden-Infrastrukturpaket der neuen Bundesregierung dient als Blaupause. Auf EU- und nationalstaatlicher Ebene machen Regierungen Mittel für eine langfristige nachhaltige Erneuerung frei.

Klar ist aber auch: Verschuldung ist kein Allheilmittel. Die Transformation kann nur gemeinsam mit privaten Anlegern gelingen. Mit Eltif 2.0 hat die EU dafür seit Kurzem den passenden Rahmen geschaffen. Damit können auch nicht-professionelle Anleger jenseits der Börse in konkrete Infrastrukturprojekte investieren. Europas „Systemupdate“ bietet damit attraktive Anlagechancen über Jahrzehnte.

2. Volatilität und Inflation – Infrastruktur-Investments schützen

Über alle Anlageklassen hinweg bieten Aktien historisch das höchste Renditepotenzial. Dennoch macht eine Diversifikation über weitere Assetklassen unbedingt Sinn. Denn das unruhige geopolitische Umfeld bedingt laufend Phasen erhöhter Volatilität.

Investitionen in Real Assets wie Energieerzeuger- und -versorger, Transport, die soziale Daseinsfürsorge, Kommunikationsinfrastruktur oder Datenzentren wirken demgegenüber wie ein Stabilitätsbooster. Mehrheitlich über Jahre hinweg geltende Verträge in regulierten Märkten sorgen für langfristig abgesicherte Cashflows. Viele davon inflationsindexiert.

Ein Merkmal, das angesichts der teils rapide steigenden Staatsverschuldung und dauerhaft höheren Zöllen und Handelsbarrieren an Relevanz gewinnen dürfte. Denn Anleger sind zunehmend auf der Suche nach Anlageklassen mit „eingebautem“ Inflationsschutz. Einer der Gründe für das wachsende Interesse am Thema Infrastruktur - hierzulande und im internationalen Kontext.

3. Rendite jenseits der Börse

Generell gilt die Anlageklasse Infrastruktur als vergleichsweise konjunkturunabhängig. Wer in Straßen, Pflegeeinrichtungen oder Glasfasernetze investiert, partizipiert an den Grundfunktionen der Gesellschaft – unabhängig von Quartalsergebnissen oder kurzfristigen Markttrends. Infrastruktur zeigt sich zudem vergleichsweise resistent gegen exogene Schocks. 

Risiko-Renditeprofil

Die geringe Korrelation zwischen Aktien und Infrastrukturinvestments ist ein Trumpf in Sachen Diversifikation. Doch auch in puncto Rendite bieten entsprechende Anlagen äußerst attraktive Perspektiven: So zeigt eine Auswertung des historischen Risiko-Renditeprofils unterschiedlicher Anlageklassen (siehe Grafik), dass nicht gelistete Infrastruktur-Investments mit ihrer geringen Volatilität zugleich eine Durchschnittsrendite liefern, die nur geringfügig unter dem MSCI World liegt. Und deutlich vor festverzinslichen Papieren.

Fazit: Substanz für die Sehnsucht nach Sicherheit

Studie um Studie bestätigt: Sicherheit bleibt der Deutschen Nummer 1 Kriterium bei der langfristigen Geldanlage. Dank neuer Strategien – Stichwort ELTIF 2.0 - ist die Vielfalt der besonders resilienten Anlageoptionen auch für nicht-institutionelle Investoren heute größer als je zuvor.

Infrastruktur-Investments mit ihren planbaren und abgesicherten Cashflows jenseits der Börse sind deshalb immer gefragter – und heute sogar über einen Versicherungsmantel steueroptimiert investierbar. Sie bringen Stabilität ins Portfolio und versprechen – im Vergleich zu Anleihen – historisch deutlich höhere Renditen. Infrastruktur bietet damit genau das, was viele Anleger heute am meisten suchen: Substanz, Widerstandskraft und Ruhe in Zeiten des Marktlärms.

Über den Autor:

Stefan Holzer ist Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Market Management Versicherung bei der Swiss Life Deutschland.