Investoren blicken mit gemischten Gefühlen auf das neue Jahr. Viele Unwägbarkeiten erschweren die Anlageentscheidung. Diese sechs Schlüssel-Themen sollten Anleger im Blick behalten:

1. Trump 2.0: Wer profitiert, wer verliert?

Wenn man Trumps Aussagen aus dem Wahlkampf und seit der Wahl Glauben schenkt, dann ist mit Maßnahmen zu rechnen, die das Wachstum in den USA vorantreiben sollen, etwa mit der Verlängerung des sogenannten Tax Cuts and Jobs Act von 2017, mit einer Senkung der Unternehmenssteuersätze für die inländische Produktion und mit der Aufhebung von Steuergutschriften für grüne Energie.

Außerdem hat Trump wiederholt hohe Importzölle angekündigt. Profitieren könnten Energieunternehmen, insbesondere die Hersteller fossiler Brennstoffe, sowie die Automobilindustrie, falls ihre mexikanischen und kanadischen Töchter nicht zu stark unter Druck geraten.

 

Für wen ist dies von Vorteil? Kleine und mittlere Unternehmen sind in der Regel weniger stark von Zöllen betroffen, und für US-Unternehmen dürfte sich Trumps Politik tendenziell günstiger auswirken als für Nicht-US-Unternehmen.

2. Unternehmensgewinne: Bleibt die Rentabilität hoch?

Die Gewinnmargen von Unternehmen in den USA lagen in den zehn Jahren von 2014 bis 2014 bei durchschnittlich zwölf Prozent. In den zehn Jahren davor waren es noch rund neun Prozent. In der Theorie locken hohe Margen verstärkt Konkurrenz an, wodurch die Gewinnspannen wieder sinken. Doch zehn Jahre mit hohen Margen sind eine lange Zeit, und der aktuelle Wert liegt sogar noch über dem Zehnjahresdurchschnitt, nämlich bei gut 13 Prozent.

Einiges spricht dafür, dass die US-Unternehmensgewinne zumindest noch eine Weile hoch bleiben: Günstige Refinanzierungen aus der Niedrigzinsphase wirken nach, die Senkung der Körperschaftssteuersätze 2017 in den USA wirkt sich noch heute direkt auf den Gewinn aus, die aktuelle Regierung hat Konjunkturpakete auf den Weg gebracht und die nächste Regierung dürfte es ähnlich halten. Aus Anlegersicht kommt es gleichwohl weiterhin auf eine sorgsame Einzelauswahl an, weil sich die Margenentwicklung von einem Unternehmen zum anderen stark unterscheiden kann.

3. Konjunktur: Muss die Fed erneut handeln?

In den vergangenen Monaten ging man eher von einer weichen Landung der Konjunktur aus. Seit Kurzem zeichnet sich aber sogar ein Szenario ab, bei dem das Wirtschaftswachstum ohne einen nennenswerten Abschwung wieder beschleunigt – also quasi ganz ohne Landung. Sollte die Wirtschaft dann überhitzen, so dürfte eine steigende Inflation die Fed zu erneuten Zinserhöhungen zwingen.

 

In einem Umfeld, in dem die Zinssätze längerfristig steigen werden, sollten Anleger dividendenstarke Value-Sektoren wie Industriewerte und Finanzdienstleistungen in Betracht ziehen. Im festverzinslichen Bereich legen die engen Spreads auf dem Markt für Unternehmensanleihen neutrale bis Short-Positionen eher nahe als Anleihen mit langer Laufzeit.

4. China: Mit dem Rücken zur Wand

China kämpft an vielen Fronten gleichzeitig: Schulden und Zahlungsausfälle im hochgradig notleidenden Immobiliensektor, die Verschuldung lokaler Regierungen und ein erhöhtes Deflationsrisiko, systemische Überkapazitäten im Industriesektor und eine ungünstige demografische Entwicklung. Dazu kommen drohende Zölle in den USA und Europa. Die chinesische Regierung versucht, mit fiskalpolitischen Impulsen gegenzusteuern.

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Anleger sollten in dieser Situation die Ankündigungen aus China im Blick behalten, insbesondere rund um den Nationalen Volkskongress im März. Unternehmen, die von fiskalischen Impulsen profitieren können, sollten bessere Karten haben als Werte, die von möglichen Handelsschutzmaßnahmen betroffen sein können.

5. Geldpolitik: USA und Europa vor unterschiedlichen Wegen

Ungleich verteiltes Wirtschaftswachstum dürfte 2025 die Zentralbanken weltweit zu unterschiedlichen Maßnahmen zwingen. Einige von ihnen, wie die Fed, werden bestenfalls eine Rückkehr ihres Leitzinses zum neutralen Zinssatz anstreben, also zu dem Zinssatz, der bei Vollbeschäftigung und stabiler Inflation herrschen würde.

 

Andere, wie die EZB, könnten eine Lockerung weit über ihren neutralen Zinssatz hinaus in Erwägung ziehen und damit wesentlich expansivere monetäre Bedingungen schaffen. Eine Erhöhung des Engagements in einer globalen Anleihe-Allokation kann Anlegern helfen, von globalen Verwerfungen zu profitieren. Es kann sinnvoll sein, die Duration in den Regionen zu erhöhen, in denen sich Wachstum und Inflation am stärksten abschwächen dürften, also etwa Europa.

6. Lifestyle-Pharma: Viele Branchen könnten profitieren

In der Vergangenheit verschafften medizinische Durchbrüche Hilfe gegen Krankheiten, etwa die Entwicklung von Antibiotika. Die jüngste medizinische Revolution zielt jedoch nicht auf eine Krankheit, sondern auf einen Zustand, der zahlreiche Krankheiten begünstigt: Übergewicht. Sie ist damit zwischen Medizin und Lifestyle angesiedelt.

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Die weltweite Begeisterung für die neuen Behandlungsmöglichkeiten lässt den Schluss zu, dass Lifestyle-Pharmazeutika Auswirkungen auf viele Sektoren und Branchen haben können, etwa Gesundheitswesen, Fitnessbranche, Lebensmittel- und Getränkeindustrie oder auch der Bekleidungsbranche. Anleger sollten deshalb sowohl die Hersteller dieser begehrten Medikamente im Blick behalten als auch andere Branchen, die von ihrer breiten Nutzung profitieren könnten.

Über die Autoren:
Benoit Anne, Ross Cartwright und Brad Rutan arbeiten als Anlagestrategen bei MFS Investment Management.