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Diese Asien-Strategien hat Morningstar derzeit auf dem Radar
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Auf der Watchlist Diese Asien-Strategien hat Morningstar derzeit auf dem Radar

Wenli Zheng von T.Rowe Price (links) und Carl Vine von M&G
Wenli Zheng von T.Rowe Price (links) und Carl Vine von M&G: Die Investmentspezialisten investieren in unterschiedlichen Regionen Asiens. | Foto: T.Rowe Price, M&G / Collage Sven Stoll mit Canva

Die Fondsanalysten von Morningstar bewerten in Europa und Asien rund 1.200 aktive und passive Fonds. Doch damit ist die Arbeit der Anlagespezialisten nicht getan. Sie beobachten auch das weitere Fondsuniversum und halten Ausschau nach interessanten Strategien, die für ein qualitatives Rating infrage kommen. Dabei handelt es sich um Investmentfonds, bei denen die Morningstar-Analysten Potenzial sehen, weil sie eine einzigartige Strategie verfolgen, einen neue Fondsmanager haben oder noch unter dem Radar der Anleger fliegen.

Anlegertrauma überwunden: Japanischer Aktienmarkt gewinnt wieder an Attraktivität

Einer der beiden Fonds, denen die Experten aktuell besondere Aufmerksamkeit schenken, investiert in Japan. In den vergangenen zehn Jahren ist der asiatische Aktienmarkt im Westen etwas in den Hintergrund gerückt. Das Trauma der geplatzten Börsenblase von 1989 und die lange Stagnation haben bei den Anlegern tiefe Spuren hinterlassen. Seit einigen Monaten zeichnet sich jedoch ein zunehmend positives Bild der japanischen Wirtschaft ab. Es wurden einige aktionärsfreundliche Reformen durchgeführt, die den Markt für Investoren wieder attraktiver machen.

Die Investorenlegende Warren Buffett hat mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway bereits frühzeitig mit der Aufstockung der Anteile an fünf japanischen Handelsunternehmen reagiert. Langfristig will Buffett seine Anteile an Itochu, Marubeni, Mitsubischi Corporation, Mitsui und Sumitomo weiter ausbauen. Sein Engagement hat sich bereits ausgezahlt. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Nikkei 225 bereits um 17 Prozent gestiegen. Auf Dreijahressicht liegt der Nippon-Index mit 48 Prozent im Plus. Viele Unternehmen sind zudem günstig bewertet und bieten noch einiges an Aufwärtspotenzial.

Carl Vine übernimmt Nippon-Fonds mit langjähriger Erfahrung im Gepäck

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Die Analysten von Morningstar haben den M&G Japan Fund in ihre Beobachtungsliste aufgenommen. Manager Carl Vine hat das Portfoliomanagement des Fonds übernommen, nachdem er 2019 zu M&G gekommen war. Neben mehr als 25 Jahren Investmenterfahrung bringt Vine ein Analystenteam und zwei Fondsmanager mit, berichtet Morningstar. Ein attraktives Merkmal sei die Boutique-ähnliche Struktur, in der das Team agiere, aber innerhalb einer größeren Asset-Management-Gruppe angesiedelt sei – mit allen Ressourcen und operativer Unterstützung, die dies mit sich bringe.

Vine wendet einen differenzierten fundamentalen Investmentansatz für japanische Aktien an. Dabei sucht er nach Preisanomalien auf dem Markt, die auf einem eigenen, bis ins Jahr 2001 zurückreichenden Research basieren. Auch der Portfolioaufbau ist durchdacht. Obwohl das Portfolio mit über 50 Titeln relativ konzentriert ist, ist es angemessen breit gestreut. Damit sortiert es sich derzeit im gemischten Quadranten der Morningstar Style Box ein, weist aber eine klare Präferenz für mittelgroße Unternehmen auf.

 

Sony und mehr: Einblicke in die größten Positionen

„Es sieht so aus, als habe Japan den Schritt in einen Bullenmarkt geschafft, der noch lange andauern wird. Dennoch werden unserer Meinung nach die dauerhaften Aufwärtsperspektiven japanischer Unternehmen noch nicht in vollem Umfang erkannt – obwohl das Interesse ausländischer Investoren zunimmt. Vor allem für aktive, engagierte Anleger bieten sich so eine Reihe von Chancen“, meint Vine.

Der M&G Japan Fund wurde im Oktober 2018 aufgelegt und hat in den vergangenen drei Jahren den FWW Sektor Aktienfonds All Cap Japan um rund 35 Prozentpunkte geschlagen. Die starke Performance zeigt die hohe Expertise des Managements und unterstreicht die Fähigkeit, attraktive Erträge für die Anleger zu erwirtschaften. Zu den größten Positionen im Portfolio zählt der Elektronikkonzern Sony, dessen Kerngeschäft die Spielekonsole Playstation ist. Darüber hinaus sind Mitsubishi UFJ, Honda Motors und Hitachi hoch gewichtet. Vine’s gutes Gespür für Nebenwerte zeigt sich auch in der Wertentwicklung des M&G Japan Smaller Companies, der ebenfalls von ihm verwaltet wird. Hier liegt die Performance der ungehedgten Tranche über drei Jahre bei plus 77 Prozent. Die währungsgesicherte Anteilklasse kommt auf ein Plus von knapp 120 Prozent.

Chinas Wirtschaftsaufschwung in der Warteschleife: Aktien günstig

Der zweite Fonds, den Morningstar in ihre erweiterte Watchlist aufgenommen hat, investiert im Reich der Mitte. Nachdem die chinesische Regierung in den vergangenen Jahren mit zunehmender Regulierung des Technologiesektors für schlechte Anlegerstimmung gesorgt hatte, scheint sie nun zurückrudern zu wollen. Offenbar hat sich in der kommunistischen Partei die Erkenntnis durchgesetzt, dass man auf den Erfolg des eigenen Technologiesektors angewiesen ist, um im globalen Wettbewerb bei Themen wie künstliche Intelligenz oder Cloud nicht den Anschluss zu verlieren. Das Politbüro will den Wachstumsmotor China wieder auf Touren bringen. So wurden in der vergangenen Handelswoche umfangreiche Konjunkturmaßnahmen angekündigt und der Technologiesektor in den Mittelpunkt der Wachstumsstrategie gestellt.

Zudem soll die Geldpolitik vorsichtiger, die Währung stabiler und die Binnennachfrage stärker werden. Für letztere plant Peking umfangreiche Steuer- und Abgabensenkungen. Der Kauf von Elektroautos soll steuerlich begünstigt werden. Für die Privatwirtschaft ist eine eigene Investitionspolitik geplant, die mehr Mittel in Bereiche wie Energie, Infrastruktur und Landwirtschaft lenken soll. Fakt ist: Der Aufschwung in China lässt auf sich warten und die Politik ist gefordert, die Wirtschaft endlich wieder in Schwung zu bringen. Einfach wird das nicht. Der chinesische Außenhandel zeigt nach wie vor keine Anzeichen einer Erholung: Nach bereits starken Rückgängen in den Vormonaten sind die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 14,5 Prozent gesunken, wie die chinesische Handelsbehörde mitteilte. Die Importe sanken demnach um 12,4 Prozent. Beide Werte fielen schlechter aus als erwartet.

 

Die vielversprechenden langfristigen Aussichten Chinas werden derzeit von negativen Schlagzeilen überschattet, die die Stimmung an den Aktienmärkten weiterhin belasten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis chinesischer Aktien liegt nach der schwachen Performance der letzten drei Jahre unter dem langfristigen Durchschnitt. „Mutigen Anlegern bietet sich die Chance, mittelfristig von den Wachstumstrends in China zu profitieren“, sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management.

Investmentstrategie im Blick: Chancen und Fokus des T. Rowe Price China Evolution Fund

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Vor diesem Hintergrund haben die Analysten von Morningstar den T. Rowe Price China Evolution Fund unter die Lupe genommen. Wenli Zheng verwaltet den Fonds seit seiner Auflegung im Dezember 2019. Zheng verfügt über mehr als 14 Jahre Investmenterfahrung und kam 2008 als Analyst für die Sektoren Industrie, Telekommunikation und Internet in Asien ohne Japan zu T. Rowe Price. „Unserer Meinung nach ist Zheng ein solider und praxisorientierter Investor in chinesische Aktien, und wir schätzen die Tatsache, dass er persönlich in diese Strategie investiert“, so die Analysten. Zheng wird von einem relativ jungen Team von 14 Analysten unterstützt, die über eine durchschnittliche Anlageerfahrung von sechs Jahren verfügen. Die Hälfte von ihnen ist erst in den letzten drei Jahren zu T.Rowe Price gekommen.

Die Strategie des Fonds zielt darauf ab, flexibel an den chinesischen Aktienmärkten sowohl im Inland (Onshore) als auch im Ausland (Offshore) zu investieren. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen China-Fonds ist die Vorliebe des Managers für chinesische Unternehmen mit kleiner und mittlerer Marktkapitalisierung. Zheng ist der Ansicht, dass weniger bekannte Small Caps bessere Chancen auf Outperformance bieten als ihre Konkurrenten mit größerer Marktkapitalisierung.

Zhengs Strategie: Chancen in unterschätzten Unternehmen

„Wir suchen Unternehmen, deren Innovations-, Disruptions- und Wachstumskraft vom breiten Markt unterschätzt oder übersehen wird“, beschreibt Zheng die Strategie des Fonds. Typischerweise investiert er in 40 bis 80 Titel. Aktuell liegt er mit 43 Titeln an der unteren Grenze. Unter den zehn größten Positionen, die derzeit 42 Prozent des Portfolios ausmachen, sind nicht die üblichen Verdächtigen wie Alibaba oder Tencent vertreten. Stattdessen setzt der Manager beispielsweise auf die Aktie des Plattformbetreibers Kanzhun, der sich auf die Vermittlung von Jobs im Technologiesektor spezialisiert hat. Die Plattform nutzt künstliche Intelligenz, um Jobsuchende und Unternehmen effizient zusammenzubringen. Der zweitgrößte Wert ist Yangzijiang Shipbuilding, ein führender chinesischer Schiffsbauer, der sich auf den Bau von Schiffen und Offshore-Anlagen spezialisiert hat. Das Unternehmen ist bekannt für seine Expertise in der Herstellung von Containerschiffen, Massengutfrachtern und anderen maritimen Industrieprodukten.

Auf Branchenebenen dominieren Titel aus den Sektoren Industrie, zyklische Konsumgüter und Immobilien. Auf Sicht von drei Jahren liegt der Fonds 5,4 Prozent im Minus, während der FWW-Sektor Aktienfonds All Cap China ein Minus von fast 20 Prozent verkraften muss.   

 

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