Florian Grenzebach Foto: V-Bank

V-Bank-Vorstand im Interview

„Diese Botschaft möchte ich aggressiv aussenden“

DAS INVESTMENT: Die V-Bank nennt sich selbst „Die Bank der Vermögensverwalter“. Was bieten Sie als Depotbank an, um speziell diese Kundenklientel zu erreichen?

Florian Grenzebach: Zunächst einmal: Wir wollen neben unabhängigen Vermögensverwaltern auch Family Offices und vermögensverwaltende Banken ansprechen. Unsere Positionierung hat sich in den vergangenen Jahren verbreitert. Bei der Gründung der V-Bank 2007 hat man sich eher als günstigster Anbieter am Markt gesehen und wollte unter anderem über den Preis Kunden gewinnen. Mittlerweile haben wir uns zum Komplettanbieter entwickelt. Alle Dienstleistungen, die unsere Kunden benötigen, sollen sie von uns bekommen.

Komplettanbieter – was verstehen Sie darunter?

Grenzebach: Wir wollen das bevorzugte Ökosystem unser Vermögensverwalter, Family Offices und verwaltenden Banken werden, damit diese sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Aktuell bieten wir mehr als 15 Kernleistungen an, darunter die digitale Vermögensverwaltung oder das digitale Steuerreporting über unseren Partner Fintegra. Wie möchten unseren Geschäftspartnern auch neue Kunden über klassische Kanäle und auch über digitale Medien verschaffen.

Sie sehen sich also vornehmlich als digitalen Dienstleister?

Grenzebach: Nicht allein. Wir werden nie zu einer voll digitalen Bank oder einer Abwicklungsbank für Robo-Advisor werden. Wir bieten eine Reihe von persönlichen Services an, zum Beispiel Beratung zum Thema Nachfolgeplanung. Gerade in der direkten Kundenbetreuung wollen wir unser persönliches Gesicht zeigen. Digitalisierung setzen wir dort ein, wo sich Prozesse vereinfachen und beschleunigen lassen.

Sie sagten, dass Sie auch bei der digitalen Kundengewinnung unterstützen. Wie muss man sich das vorstellen?

Grenzebach: Wir haben mit unserer Tochter V-Check Ende 2019 einen digitalen Marktplatz eingerichtet, auf dem Vermögensverwalter ihre Strategien anbieten können. Aktuell nutzen das rund 30 unserer Vermögensverwalter mit etwa 100 Strategien. Daneben wollen wir mit digitalen Mitteln Zuführer-Netzwerke aufbauen.

Zuführer für Ihre Vermögensverwalter und Family Officer – wen haben Sie da im Auge?

Grenzebach: Kleinere Vermittler, Versicherungsagenturen, Immobilienmakler, Bausparkassen oder auch Strukturvertriebe. Denkbar wäre auch, mit einer Bank zusammenzuarbeiten, die selbst keine Vermögensverwaltung anbietet oder ihr Angebot digital abrunden will.

Ein Tippgeber-Modell?

Grenzebach: Tippgeber ist der rechtliche Ansatz. Inhaltlich wollen wir das sehr professionell betreiben. Der klassische Vermittler darf bisher ja nur Fonds vermitteln. Er würde seinen Kunden viel Mehrwert liefern, wenn er auch Vermögensverwaltungen anbietet, und das auch mit Einzeltiteln. Vermögensverwalter und Zuführer erhalten von uns umfangreiche Hilfe, um das Geschäft gemeinsam zu gestalten. Der Zuführer kann Kunden voll digital in eine Vermögensverwaltung vermitteln – alles über unser System, inklusive dem rechtlichen Set-up und gleich mit Depotbank. Er kann zusammen mit einem Vermögensverwalter und uns auch ein speziell für ihn entwickeltes Vermögensverwaltungs-Depot anbieten, das als Whitelabel-Lösung unter seinem Namen läuft.

Auf den Markt der Depotbanken sehen Beobachter in den kommenden Jahren eine massive Konsolidierungswelle zurollen. Langfristig könnten nur noch fünf Depotbanken eine relevante Größe haben. Sehen Sie das auch so?

Grenzebach: Ich glaube sogar, dass womöglich nur drei oder vier Depotbanken überleben werden. Wir sehen uns als eine davon. Wenn man ganz speziell unsere margenarme Nische betrachtet, gibt es schon jetzt nur drei Banken, die aus unserer Sicht die nötige Größe haben. Alle anderen sind eigentlich zu klein, um alle Herausforderungen dauerhaft zu meistern.

Woran machen Sie das fest?

Grenzebach: 10 Milliarden Euro Assets under Custody sehen wir als kritische Grenze, um als Depotbank das Geschäft profitabel betreiben zu können. Die nötige IT und eine Plattform immer auf dem neuesten Stand zu halten, ist kostenintensiv. Wir gehen davon aus, dass die Konsolidierung in nächster Zeit noch anzieht. Die Chance wollen wir nutzen und die Konsolidierungswelle aktiv reiten – die Botschaft möchte ich gern aggressiv aussenden.

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