Sven Stoll

Besser als die Benchmark Diese ETFs schlagen den US-Index S&P 500

Freiheitsstatue, Dollar und US-Flagge
Freiheitsstatue, Dollar und US-Flagge: Die Vereinigten Staaten zählen zu den größten Exportnationen der Welt und sind mit ihrer breit gefächerten Wirtschaft ein Eldorado für Anleger.
© Jessica Hunold erstellt mit Canva

Den Markt auf lange Sicht zu übertreffen, ist schwer. Das ist allgemein anerkannt. Das klassische aktive Management scheitert häufig aufgrund hoher Kosten, ungünstiger Aktienauswahl und schlechtem Timing an dieser Aufgabe. Viele Anleger bevorzugen deshalb passive Index-Strategien, da sie weniger kosten und eine Leistung bieten, die dem Markt entspricht. Sie sind nicht besser, aber zumindest auch nicht wesentlich schlechter als die Benchmark.

Die Suche nach dem vermeintlich besten Fondsmanager entfällt somit. Denn nur weil aktive Fondsmanager für eine Weile den Markt schlagen, ist das noch lange keine Garantie, dass sie das in Zukunft auch tun werden. Häufig fallen sie nach starken Einzeljahren in eine Performancekrise und bleiben in der Folge hinter dem Markt zurück.

Einmal zum Himmel und zurück zur Erde

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist der Morgan Stanley US Growth Fund, der im Jahr 2020 durch seine starke Wertentwicklung von 110 Prozent einer der besten US-Aktienfonds war. Fondsmanager Dennis Lynch hatte durch seine Auswahl an Corona-Gewinnern für eine Weile großen Erfolg und führte über 10 und sogar 20 Jahre entsprechende Rankings an. Allerdings verlor der 1997 gegründete Fonds an Boden, als Lynch zu lange an mittlerweile astronomisch hoch bewerteten Aktien wie Snowflake, Cloudflare und Uber Technologies festhielt. Als Folge fiel der Fonds im Jahr 2022 um 55 Prozent. Für Anleger bedeutete das einen schmerzhaften Rückschlag. Über 20 Jahre bleibt ihnen heute zwar ein stattliches Plus von 500 Prozent, doch im November 2021 waren es noch 1200 Prozent.

Darüber hinaus stellen auch zahlreiche Studien die Leistung von Fondsmanagern immer wieder in Frage. Je länger der Zeitraum der Anlage, desto schlechter werden die Ergebnisse. So schaffen es von rund 25.000 aktiven Fonds, die der Indexanbieter Standard & Poors regelmäßig auf den Prüfstand stellt, über 75 Prozent nicht, im Zeitraum über zehn Jahre ihren Vergleichsindex zu übertreffen. Trotz Talent, Ausbildung und allerlei technischer Hilfsmittel aufseiten der Fondsmanager.

Warren Buffett schlägt die Hedgefonds-Elite

Als regelrechter Affront für die Finanzelite ging eine Wette von Börsenlegende Warren Buffett in die Geschichte ein. Im Jahr 2008 forderte er die Hedgefonds-Branche heraus. Er wettete, dass niemand es schaffen würde, mit einem Korb aus fünf Hedgefonds einen einfachen ETF auf den S&P 500 über einen Zeitraum von zehn Jahren zu schlagen. Das Ergebnis war eindeutig: Warren Buffett gewann die Wette. Der Indexfonds auf den S&P 500 stieg im Schnitt jährlich um 7,1 Prozent, während die von Hedgefonds-Manager Ted Seides ausgewählten Fonds in der gleichen Zeit nur jährlich 2,2 Prozent brachten.

Sechs Monate vor dem Ende der Wette gab Seides bereits auf und gab zu, dass die Kosten bei einem Hedgefonds-Investment für den deutlichen Rückstand verantwortlich waren. Die tatsächlichen jährlichen Kosten können oft weit über zwei Prozent pro Jahr liegen. Um allein die von der Fondsgesellschaft eingenommenen Kosten auszugleichen, müsste man schon sehr gut arbeiten und dazu eine Menge Glück haben.

 

Willkommen im Faktorzoo!

Deutsche Sparer setzen ETFs üblicherweise mit einer passiven Anlagestrategie gleich. Aber was ist, wenn man nach Investmentvehikeln sucht, die nicht blind einem Index folgen, sondern stattdessen auf bestimmte Eigenschaften von Aktien setzen, die sich in der Vergangenheit als rentabel erwiesen haben und daher höhere erwartete Renditen versprechen, wie beispielsweise durch einen niedrigen Preis oder eine geringere Marktkapitalisierung? In den USA sind entsprechende Smart-Beta-ETFs, die derartige Faktoren berücksichtigen, schon weit verbreitet, aber auch in Europa werden sie langsam populärer.

Eine beliebte Strategie ist beispielsweise das Betrachten des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) und des Kurs-Buchwert-Verhältnisses (KBV) als Bewertungskriterium. Portfolios, die Aktien mit niedrigen KGVs oder KBVs enthalten, haben sich in den meisten Zeiträumen der letzten 100 Jahre im Vergleich zu herkömmlichen Marktindizes besser entwickelt.

Über die Jahre haben sich zudem Faktoren wie Momentum, Unternehmensgröße, Qualität und Dividendenrendite als treibende Kräfte für Überperformance herausgestellt. Heute gibt es viele ETFs, die faktorbasierte Anlagestrategien verfolgen, allerdings es ist wichtig zu beachten, dass keine Strategie eine Garantie für Überperformance bietet und dass die Marktbedingungen sich ständig ändern können.

Wette niemals gegen Amerika

Wer in Aktien investieren möchte, kommt an den USA nicht vorbei. Die Größe und Effizienz der US-Wirtschaft, die hohe Liquidität des Aktienmarktes und die Performance in der Vergangenheit bleiben gute Gründe für ein Investment. Trotz eines aktuell schwächeren Abschneidens im Vergleich zu europäischen und asiatischen Börsen ist der US-Markt für Anleger unerlässlich.

 

Viele wichtige Technologien und Produkte, wie Computer, das iPhone und neue Medikamente, werden von US-Unternehmen eingeführt. Doch die Wall Street ist nicht nur auf Technologie beschränkt. Durch die stark gestiegenen Gas- und Ölpreise in Europa haben Ölgesellschaften wieder mehr Aufmerksamkeit von Investoren erlangt und erzielen Rekordgewinne. Viele dieser Konzerne haben ihren Sitz in den USA. Zusätzlich haben die USA mit dem Dollar eine Weltleitwährung, die in Zeiten von geopolitischen Konflikten noch mehr gefragt ist als sonst.

Amerikanische Aktiengesellschaften führen darüber hinaus die Liste der erfolgreichsten Unternehmen weltweit an. Keine deutsche Firma schafft es mehr unter die 100 wertvollsten Unternehmen auf globaler Ebene. Die sechs US-Konzerne Apple, Berkshire Hathaway, Alphabet, Microsoft, JPMorgan Chase und Meta Platforms gehörten dagegen im letzten Jahr zu den zehn Top-Verdienern weltweit und haben zusammen mehr als 400 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Höhere Gewinne sind auch ein Indikator für verlässliche Dividenden. Fast die Hälfte aller weltweit ausgeschütteten Dividenden stammen aus Nordamerika.

Gründe genug, um einen Blick auf Nordamerika-ETFs zu werfen. Wir haben uns im Universum umgesehen und stellen dir auf den nächsten Seiten die erfolgversprechendsten aktiven ETF-Strategien vor, die bereits in den vergangenen Jahren zeigten, dass sie das Zeug haben, den marktbreiten S&P 500 Index zu schlagen. Der Index ist neben dem Dow Jones einer der wichtigsten Aktienindizes in den USA, entwickelt von der US-Ratingagentur Standard & Poors. Er umfasst 500 US-Aktien, darunter 400 aus der Industrie, jeweils 40 aus der Energie- und Finanzbranche sowie 20 Transportunternehmen. Der S&P 500 ist im Gegensatz zum Dow Jones nach Marktkapitalisierung gewichtet.

Stand aller Daten: 9. Februar 2023

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