Mehmet Göker ist wieder da. Der umstrittene Chef und Gründer des seit 2009 insolventen Versicherungsvermittlers MEG und seine Mitarbeiter rufen wieder PKV-Kunden in Deutschland an – diesmal von Dubai aus (DAS INVESTMENT berichtete) – und bieten sogenannte Tarifoptimierungen an. Und da es nicht ohne eine Zulassung in Deutschland geht, bedient sich MEG Dubai deutscher Mittelsmänner wie der Réne Jäger AG in München oder der TRS Tarifreduktion24 Services GmbH in Berlin.
DAS INVESTMENT liegen bereits mehrere Berichte geprellter Kunden vor. So berichtet beispielsweise Rainer A. (Name von der Redaktion geändert) von einem Anruf der Réne Jäger AG, bei dem ihm bei einem Tarifwechsel eine Ersparnis von 140 Euro monatlich in Aussicht gestellt wurde. Dafür hätte A. die gesamte Ersparnis des ersten Jahres als Provision an den PKV-Optimierer zahlen müssen. A. stimmte zu, überwies die geforderte Anzahlung von 25 Prozent der Gesamtprovision, insgesamt 420 Euro, doch sein neuer Vertrag war sogar noch teurer als der alte.
Ersparnis von 435 Euro monatlich
Eine andere DAS INVESTMENT-Leserin war da vorsichtiger. Auch sie wurde von einem Mitarbeiter der René Jäger AG kontaktiert, der ihr eine sagenhafte Ersparnis von 435 Euro pro Monat, sowie eine um 412 Euro jährlich reduzierte Selbstbeteiligung in Aussicht stellte. Ihr kam das Angebot aber verdächtig vor, also holte sie bei der Redaktion von DAS INVESTMENT Rat. Wir leiteten ihre Frage an die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) weiter.
Der VZHH-Experte für Gesundheit und Patientenschutz wollte ausdrücklich nicht auf die Causa Göker eingehen. Er erklärte aber generell, warum bei PKV-Optimierern Vorsicht geboten ist.
Beitragsenkung grundsätzlich möglich, aber ...
Angebote, die zu gut sind, um wahr zu sein, seien es in der Regel auch nicht, so der Verbraucherschützer. Denn es sei zwar in der Tat so, dass es privat Krankenversicherten durch einen Tarifwechsel innerhalb ihrer Versicherungsgesellschaft nicht selten möglich sei, ihren Beitrag zu senken. Die Rechte aus dem alten Vertrag und die Altersrückstellungen bleiben dabei erhalten. „Das Alter und der Gesundheitszustand dürfen bei der Bemessung des neuen Beitrags nur berücksichtigt werden, wenn Mehrleistungen vereinbart werden oder der Selbstbehalt reduziert werden soll“, so der Verbraucherschützer.
Doch die Versicherten müssen nicht nur auf den Beitrag achten, sondern auch auf die Leistungen, die sie im Gegenzug bekommen. Denn das Honorar des Tarifoptimierers bemisst sich meist an den eingesparten Beiträgen: Ob diese für die gleichen oder für wesentlich schlechtere Leistungen gezahlt werden, spielt dabei keine Rolle. Daher schlagen viele Tarifoptimierer zwar kostengünstige, aber nur selten empfehlenswerte Tarife vor, berichtet der Verbraucherschützer aus seiner Beratungspraxis.
Weniger Leistungen, höherer Selbstbehalt
„Langfristig profitieren Versicherte aber von einem möglichst kostengünstigen Tarif deutlich weniger als von einem Tarif mit ausreichendem Leistungsniveau – natürlich zu einem guten, wenn auch nicht tiefstmöglichen Preis“, mahnt der Tarifexperte. Ein günstiger Tarif, der wichtige Leistungen nicht (mehr) anbietet, die unter Umständen irgendwann benötigt werden, sei daher nicht zu empfehlen.
Auch sind der Verbraucherzentrale Fälle bekannt, in denen die Beitragsreduktion einzig über eine Erhöhung des Selbstbehaltes erreicht werden sollte. „In diesem Fall spart man aber nur Geld, wenn man nicht oder selten zum Arzt geht – insbesondere im fortgeschrittenen Alter ein seltener Zustand“, so der Verbraucherschützer.
Arztkosten nicht voll erstattet
Eine weitere, von Tarifoptimierern gern genutzt Möglichkeit, den Beitrag zu reduzieren, sei der Wechsel in einen Tarif, bei welchem Arztrechnungen nur bis zum Regelhöchstsatz der GOÄ/GOZ (= 2,3-facher Satz) erstattet werden. Da ein Arzt aber begründet bis zum Höchstsatz (3,5-fach) GOÄ/GOZ abrechnen kann, bleibe man dann auf den Mehrkosten sitzen. War man bisher bis zum Höchstsatz versichert, sei der Wechsel in einen solchen Tarif nicht empfehlenswert.
Ein weiteres mögliches Problem: Schneller als man sich versieht, sei ein Vertrag mit dem Tarifoptimierer abgeschlossen. Dieser gelte für eine gewisse Zeit, beispielsweise für drei Jahre. „Bei jedem Tarifwechsel in den nächsten drei Jahren wird das Honorar fällig, egal, ob die Entscheidung dann noch vom Tarifoptimierer beeinflusst war oder nicht“, warnt der Verbraucherschützer.
Wer bei seiner privaten Krankenversicherung Geld sparen will, ohne auf wichtige Leistungen verzichten zu müssen, sollte sich besser an einen Versicherungsberater wenden, der für ein festes Honorar arbeitet und somit ohne wirtschaftliche Interessen berät, heißt es von der Verbraucherzentrale.
Mit ihrer Kritik an den PKV-Tarifoptimierern steht die Verbraucherzentrale nicht alleine da. Bereits 2022 warnte der PKV-Verband vor sogenannten Beitragsoptimierern. Der Verband hatte gegen ein Netzwerk, das von der Türkei aus agierte und vermutlich ebenfalls unter der Führung von Mehmet Göker stand, Strafanzeige wegen Verdachts auf Betrug, vorsätzlichen und systematischen Missbrauch persönlicher Daten und anderer Delikte gestellt.

