Roboter in Reih und Glied Foto: imago images / VCG

Research-Leiter von DJE Kapital

Diese Firmen beherrschen den KI-Markt

Künstliche Intelligenz (KI) gilt als Schlüsseltechnologie der Zukunft – und das nicht erst seit dem Digitalisierungsschub durch Covid-19. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig – und ihr Wachstumspotenzial enorm: Marktforschungsunternehmen wie Tractica rechnen mit einer Verzehnfachung der Umsätze bis 2025. Dank schnellerer Rechenleistung und besserer Datenqualität durch das Internet der Dinge und 5G ist das Fundament des KI-Zeitalters gelegt.

Von Maschinen, die der menschlichen Intelligenz das Wasser reichen können, sind wir noch weit entfernt. Aber: KI-Anwendungen können heute schon spezielle Probleme anhand vorliegender Daten lösen. Anders als bei regelbasierten Systemen geben Programmierer KI-basierten Prozessen nicht vor, wie diese auf die Anwenderschritte reagieren sollen.

Sie definieren stattdessen Algorithmen, die selbstständig lernen, Muster zu finden und Entscheidungen zu treffen. Ein KI-System verfügt weder über Intuition, noch Verstand, und muss daher anhand vieler Beispiele – also enorm großer Datenmengen – angelernt werden. Das nennt man auch maschinelles Lernen. KI ist regelbasierten Systemen insofern überlegen, weil es auf neue Situationen reagieren und aus Erfahrungen lernen kann.

Eine anspruchsvolle Methode des Machinellen Lernens ist das Deep Learning. Heißt: KISysteme imitieren mit künstlichen neuronalen Netzwerken das unfassbar komplexe, aus über 80 Milliarden miteinander vernetzten Nervenzellen bestehende Gehirn. In der Lernphase füttert man ein künstliches Netzwerk, das zum Beispiel Gesichter erkennen soll, mit einer Unmenge an Gesichtsbildern und bestätigt jedes Mal ein richtig erkanntes Gesicht. Bei einem „OK“ verstärkt das Netzwerk die Verbindungen, die zum richtigen Ergebnis  geführt haben.

Diejenigen, die zum falschen Ergebnis geführt haben, werden schwächer. Nach vielen Versuchen wird das System intelligenter und verbessert sich selbstständig weiter. Auf dieser Basis hat das KI-System Watson von IBM gelernt, Krebszellen zu erkennen. Künstliche Intelligenz ermöglicht auch Gefühls- und Spracherkennung, automatisiertes Fahren oder Übersetzungen in Sekundenschnelle.

Bislang fand KI primär in leistungsfähigen Supercomputern oder in der Cloud statt. Doch zunehmend gewinnt das sogenannte Edge AI an Bedeutung. Hier werden die Daten dezentral, also direkt in einem Endgerät verarbeitet. Der Vorteil: Die Übertragungszeit entfällt. Den Markt für Hochleistungsprozessoren teilen sich die beiden US-Chipentwickler AMD und NVIDIA, wobei NVIDIA bei Marktanteil (aktuell rund 70 Prozent) und Leistungsfähigkeit führend ist.

Die US-Holding Alphabet besitzt mit dem KI-Chip TPU2 auch einen Hochleistungsprozessor, der zusammen mit dem US-Halbleiterunternehmen Broadcom entwickelt wurde und stark in der Weiterentwicklung von KI engagiert ist. Zudem ist der Alphabet-Ableger Waymo neben Tesla und dem chinesischen Internetunternehmen Baidu führend in der Entwicklung des autonomen Fahrens. Und: Alphabet ist besonders weit in der KI-basierten Spracherkennung und dem Einsatz von KI im Cloudgeschäft.

Den Werkstoff, also die Massen an benötigten Daten, liefern die sozialen Medien, Suchmaschinen und der Online-Handel. Chinesische Tech-Riesen dringen in den FinTech-Bereich vor Reine Online-Bezahlsysteme waren nur der Anfang. Der Online-Bezahldienst PayPal nutzt KI, um Betrugsversuche im Zahlungssystem aufzudecken, und andere Banken und Finanzdienstleister bewerten so Kreditausfallsrisiken.

Mehr zum Thema
Gerd Kommer und Daniel KanzlerDer Tech-Hype an der Börse Neuer Fonds zur Bewältigung des ökologischen WandelsMit KI für eine bessere Welt Medizin und maschinelles LernenDr. KI – neuer Akteur in der Diagnostik