Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit der USA in der Nacht zum Mittwoch dieser Woche von der Bestnote AAA auf AA+ herabgestuft. Als Begründung nannte Fitch unter anderem die sich verschlechternde Haushaltslage in den kommenden Jahren und die hohe Staatsverschuldung der USA. Im Juni konnte der Streit um die Schuldenobergrenze in den USA noch in letzter Minute beigelegt und die drohende Zahlungsunfähigkeit abgewendet werden.

Allerdings wurde die Schuldenobergrenze nur vorläufig ausgesetzt, sodass es spätestens 2025 wieder zu ähnlichen Auseinandersetzungen kommen könnte. Der Schuldenstand der größten Volkswirtschaft der Welt erreichte im Jahr 2023 laut Fitch knapp 113 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: In Deutschland liegt er aktuell bei 65,3 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) hatte den USA bereits 2011 die Bestnote entzogen. Am AAA für die USA hält nun nur noch Konkurrent Moody’s fest.

Die drei einflussreichsten Ratingagenturen auf einen Blick:

Moody’s:

  • Gegründet im Jahr 1909. Zu dieser Zeit stellte die Agentur den Investoren Ratings für Anleihen der Bahn zur Verfügung.
  • Sitz in New York, USA.
  • Bewertet die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Staaten und anderen Institutionen.
  • Verwendet Buchstabenkombinationen (z.B. Aaa, Baa) zur Bewertung der Bonität.
  • Hat einen starken Einfluss auf die globalen Finanzmärkte.

Standard & Poors (S&P):

  • Gegründet im Jahr 1941 aus der Fusion der US-amerikanischen Unternehmen H.V. & H.W. Poor Co. und dem Standard Statistics Bureau.
  • Sitz in New York, USA.
  • Bewertet die Bonität von Unternehmen, Staaten, Kommunen und Wertpapieren.
  • Verwendet Buchstabenkombinationen (z.B. AAA, BBB) zur Bonitätsbewertung. Die Ratingcodes AA bis CCC können zur feineren Abstufung innerhalb einer Bonitätsstufe durch die nachgestellten Zeichen + oder - modifiziert werden.
  • Ihre Ratings beeinflussen Investorenentscheidungen und Anleihepreise weltweit.

Fitch Ratings:

  • Gegründet im Jahr 1913. Mit mehr als 2000 Mitarbeitenden ist die Ratingagentur in über 30 Ländern weltweit präsent.
  • Hauptsitz in New York, USA, mit Niederlassungen weltweit.
  • Bewertet die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Finanzinstituten und Ländern.
  • Verwendet ähnliche Buchstabenkombinationen (z.B. AAA, BBB) zur Bonitätsbewertung.
  • Spielt eine wichtige Rolle bei der Risikobewertung von Investitionen.

Aktien leiden unter Kreditwürdigkeit-Herabstufung

An der Wall Street wurde die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Fitch negativ aufgenommen. Im Anschluss an die Bekanntgabe gab der US-Dollar im Vergleich zu einer Reihe von Währungen nach, und Aktien verzeichneten moderate Kursverluste. Insbesondere die beliebten Technologiewerte gerieten etwas stärker unter Druck.

Der Nasdaq 100 rutschte nach der Bekanntgabe um mehr als 2 Prozent von 15.798 auf aktuell 15.337 Punkte ab. Kritik kam von US-Finanzministerin Janet Yellen. Die Herabstufung sei willkürlich und basiere auf veralteten Daten. Das Weiße Haus betonte, dass sich die US-Wirtschaft besonders schnell vom Ausbruch der Pandemie erholt habe. Es widerspreche daher der Realität, die Kreditwürdigkeit gerade jetzt herabzustufen.

Die Reaktionen der Marktbeobachter fielen unterschiedlich aus. „Das hat es 2011 schon einmal gegeben, damals durch die Agentur S&P. Der Dax brach damals innerhalb weniger Tage um 25 Prozent ein“, warnt Jürgen Molnar, Stratege beim Broker Robo Markets. Mit Blick auf den Rentenmarkt zeigen sich die Experten der DWS eher entspannt. Die Herabstufung dürfte nur sehr geringe direkte Auswirkungen auf den Markt haben. Langfristig könnte es allenfalls zu leichten Umschichtungen in Anleihen anderer Länder kommen, die noch mit AAA bewertet sind.

Die Ratings der Agenturen basieren auf verschiedenen Kriterien. Neben der Haushaltsführung und der Verschuldung spielt auch die gesamtwirtschaftliche Lage des Staates eine Rolle.

Eine Herabstufung der Bonität kann sich auf diese Weise auswirken:

  • Erstens könnten die Zinsen, die das Land für die Aufnahme neuer Schulden zahlen muss, steigen, da Investoren ein höheres Risiko sehen.
  • Zweitens könnte dies zu einem Anstieg der Kreditkosten für Unternehmen und Bürger führen, was die Investitions- und Konsumaktivitäten dämpfen kann.
  • Drittens könnte eine Herabstufung das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte beeinträchtigen und den Zugang des Landes zu Kapitalmärkten erschweren.
  • Viertens könnten bereits bestehende Schulden teurer werden, da höhere Zinsen die Rückzahlung der Schulden belasten.
  • Fünftens könnte eine Herabstufung auch das Image des Landes auf den globalen Märkten beeinträchtigen und langfristige wirtschaftliche Unsicherheit verursachen.

Wegen des Krieges in der Ukraine hatten die Ratingagenturen zuletzt die Kreditwürdigkeit Russlands nach dem Einmarsch in die Ukraine auf Ramschniveau herabgestuft. S&P senkte die Bonität Russlands gleich um acht Stufen von BB+ auf CCC-.

Sogenannte Junk- oder Ramschanleihen haben ein sehr hohes Ausfallrisiko. Derzeit werden bei der Ratingagentur nur noch fünf Länder schlechter bewertet als Russland.

Die Tabelle zeigt die Länder, die S&P derzeit am schlechtesten bewertet (Stand April 2023):

Land Kreditrating
Libanon SD
Surinam SD
Venezuela SD
Sambia SD
Belize SD
Russland CCC-
Äthiopien CCC+
Angola CCC+
Argentinien CCC+

SD: Während ein D-Rating darauf hinweist, dass ein Unternehmen seinen finanziellen Verpflichtungen bei Fälligkeit größtenteils oder vollständig nicht nachkommen wird, kann ein Unternehmen ein SD-Rating erhalten, wenn es nur bei bestimmten Verbindlichkeiten in Zahlungsverzug gerät.

CCC: Ein CCC+ Rating bedeutet ein etwas geringeres Ausfallrisiko als ein CCC Rating. Das Kreditrisiko ist aber immer noch hoch.

Ausblick für Griechenland verbessert sich

In die entgegengesetzte Richtung – im Vergleich zu Russland – könnte es dagegen für Griechenland gehen. Im Land hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt.

Vor allem das Schuldenproblem bekommt das Land nach und nach in den Griff. So ist die Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung seit 2020 um 40 Prozent gesunken. Noch gilt die Kreditwürdigkeit als spekulativ. Doch es könnte nicht mehr lange dauern, bis das Rating angehoben wird und Griechenland wieder als solider Schuldner gilt.

Investoren haben nun weniger Auswahl, wenn sie nur Anleihen von Staaten mit der Bestnote AAA kaufen wollen. Die Länder, die derzeit von allen Ratingagenturen die Bestnote erhalten, zeigen wir in der nachfolgenden Bilderstrecke. 

Dänemark
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Blick auf einen Leuchtturm im dänischen Hvide Sande | © Imago / Images Westend 61
Blick auf einen Leuchtturm im dänischen Hvide Sande: Dänemarks Wirtschaft ist geprägt von mittelständischen, oft weltbekannten Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Bildquelle: Imago / Images Westend 61

Die Stabilität der dänischen Wirtschaft beruht auf ihrer breiten Diversifikation über verschiedene Wirtschaftssektoren hinweg, die sie widerstandsfähig gegen Konjunkturschwankungen macht. Ein gut ausgebautes soziales Sicherungssystem dämpft die Auswirkungen von Wirtschaftskrisen auf die Binnennachfrage, während die Exportorientierung und eine langfristig angelegte, verantwortungsvolle Haushaltspolitik für zusätzliche Stabilität sorgen. Investitionen in Bildung, hoch qualifizierte Arbeitskräfte und Innovation tragen ebenfalls zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit bei.