Trotz starken Rückenwinds für die Märkte sollten sich Anleger jedoch nicht zu sicher fühlen. Die Märkte gehen von einer rosigen Zukunft aus, die vor allem auf einen baldigen Impfstoff und die boomende Wirtschaft in China setzt. Diese Hoffnung birgt Risiken, die teilweise noch nicht eingepreist sind und über die kaum jemand wirklich nachdenken will. Beim Umgang mit dem Virus und der Abschätzung seiner Folgen gab es schon viele Irrtümer. Eine Diskussion um die Wahrscheinlichkeiten dieser Risiken ist daher auch nicht wirklich hilfreich.

Bankenpräsident Hans-Walter Peters

Die heutige geldpolitische Entscheidung der EZB überzeugt erneut nicht. Mit den zusätzlichen Käufen wird die Überschussliquidität der Banken einen weiteren Sprung nach oben machen. Über die Negativzinsen fließt dann immer mehr Geld von den Banken direkt an die EZB. Daher hätte die Ausweitung des Kaufprogramms zwingend verbunden sein müssen mit einer Erhöhung des Freibetrags für die Banken.

Als die EZB vor gut einem Jahr einen Freibetrag eingeführt hat, wurde knapp die Hälfte der Überschussliquidität vom Negativzins befreit. Aktuell ist nur noch rund ein Viertel vom Minuszins ausgenommen. Für den Rest zahlen die Banken im Euroraum bereits heute mehr als eine Milliarde Euro im Monat an die EZB. Geld, das den Instituten gerade jetzt Luft für mehr Kredite für die Wirtschaft verschaffen würde. Da helfen auch die zusätzlichen Langfristtender nicht wesentlich weiter. Davon profitieren nicht unbedingt die Banken, die den größten Teil der Negativzinsen zahlen.

Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel

die EZB hat die Erwartungen an ihre angekündigten weiteren expansiven Schritte sehr hoch geschraubt und diese mit den Beschlüssen der heutigen Ratssitzung weitgehend erfüllt. Die Anhebung des Volumens des PEPP-Programms um 500 Milliarden auf 1.850 Milliarden Euro und dessen Verlängerung bis mindestens März 2022, sichert noch sehr lange einen großen Teil der Nachfrage nach Staatsanleihen in der Eurozone. Dazu trägt auch die Wiederanlage von Rückzahlungen im Rahmen des PEPP-Programms bis Ende 2023 bei. Durch die weiterhin flexible Nutzung der PEPP-Volumina werden vor allem die besonders stark von der Corona-Pandemie getroffenen Staaten der südlichen Eurozone unterstützt.

Einzig die Erwartungen der Marktteilnehmer, die mit einer weiteren Senkung des Einlagenzinses gerechnet hatten, wurden enttäuscht. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist in den letzten Tagen gestiegen, nachdem der Euro im Vergleich zum US-Dollar die Marke von 1,20 deutlich überschritten hatte. Zumindest signalisierte die EZB aber, dass der Wechselkurs wegen seiner möglichen Rückwirkungen auf die Inflation beobachtet und bei Bedarf die Nutzung der geldpolitischen Instrumente angepasst wird, um das Inflationsziel von nahe aber unter zwei Prozent zu erreichen. Damit dürfte den Befürchtungen einer zu stark aufwertenden Gemeinschaftswährung und damit einer Belastung der derzeit für die konjunkturelle Erholung besonders wichtigen Exportnachfrage vorerst genüge getan sein. Entsprechend reagierte der Euro auch nur mit einer leichten Aufwertung. Perspektivisch ist angesichts künftig noch zu erwartender expansiver Schritte der US-Notenbank Fed mit einer weiteren Euro-Aufwertung zu rechnen, allerdings dürfte diese sich im moderaten Rahmen bewegen.