Dennoch zeichnet die Zentralbank hinsichtlich der Konjunkturentwicklung ein sehr vorsichtiges, um nicht sogar zu sagen pessimistisches Bild. Die Wachstumserwartungen für 2021 wurden genauso wie der Pfad der Inflationsentwicklung nach unten revidiert. Auch für 2023 rechnet die EZB nur mit einem Inflationsanstieg von 1,4 Prozent und einer erneuten Verfehlung des Inflationsziels. Vor diesem Hintergrund wurde Präsidentin Lagarde nicht müde zu betonen, dass der Fokus auch längerfristig auf der Sicherstellung sehr günstiger Finanzierungsbedingungen für die gesamte Wirtschaft liegt. Und das heißt letztlich: die EZB bleibt expansiv, die Anleihekäufe gehen weiter. Was 2015 mit Staatsanleihekäufen als Novum begonnen hat, ist längst das „New Normal“.

Andreas Billmeier, Analyst für Staatsanleihen bei Western Asset Management

Die EZB hat heute eine klare Botschaft gesendet: Wir bringen Beständigkeit. Die Verlängerung der Ankäufe um neun Monate war mehr, als der Markt erwartet hatte. Das bedeutet gleichzeitig, dass die EZB bereit ist, bis zu 500 Milliarden Euro zusätzlich auszugeben, um die Folgen der Pandemie zu bekämpfen. Zusammen mit den weiteren Maßnahmen zur Geldversorgung der Banken zu außerordentlich niedrigen Zinssätzen, sollte dies den Ausblick für Europa verbessern.

Dies spiegelt sich unseres Erachtens auch in einer leichten Verlängerung des Wiederanlagezeitraums für die TLTROs und PELTROs sowie für die Swap- und Repo-Linien wider. Dass das 120-Milliarden-Kaufprogramm nicht verlängert und das durchschnittliche monatliche Kaufvolumen im Rahmen des PEPP gesenkt wurde, ist ein klares Signal für den Wunsch der EZB, das Tempo der Käufe zu reduzieren.

Die EZB hat also einmal mehr signalisiert, dass sie für ihre Mitgliedsstaaten ein sicherer und unterstützender Partner sein will. Auch wenn die Marktreaktion eher gedämpft ausfiel: Die EZB möchte das Bild einer Zentralbank vermitteln, die die Unsicherheit für den privaten Sektor verringert, während sie gleichzeitig die geldpolitischen Konditionen beibehält. Das ist ihr heute gelungen.

Andrew Mulliner, Portfoliomanager für globale Anleihen bei Janus Henderson Investors

Vor einem Jahr hätte die Ankündigung von zusätzlichen Anleihekäufen in Höhe von einer halben Billion Euro als ein kühner und gewagter Schritt der EZB gegolten. Angesichts von Corona und massiver geld- und fiskalpolitischer Konjunkturmaßnahmen verlieren diese Zahlen allmählich ihre Wirkung.