DNA-Analyse (Symbolfoto) Foto: imago images / Westend61

Interessant für geduldige Investoren

Dieser Prozess stellt das Gesundheitswesen auf den Kopf

Julia Angeles, Foto: Baillie Gifford

Gesundheitssysteme sind tendenziell reaktiv und ineffizient, statt vorausschauend und präventiv. Erst durch offenkundige Krisen wie derzeit die Corona-Pandemie kommen Veränderungen in Gang. Die Ärzte geraten dadurch immer wieder in die Defensive und müssen sich einem Wettlauf gegen die Zeit stellen, um die Gesundheit der Patienten wiederherzustellen.

Dennoch sehen wir zwei Gründe für Optimismus, was sowohl die Reform des Gesundheitswesens und – damit ja eng verknüpft – die Gesundheit der Menschen betrifft: Erstens die rasanten Fortschritte, die beim Lösen großer Fragen in der Humanbiologie erzielt werden, und zweitens das Zusammenspiel mit neuen Technologien. Diese Konvergenz erlaubt es, Daten und Erkenntnisse schneller in Instrumente und Anwendungen umzusetzen, die das Potenzial haben, die Gesundheitsversorgung neu zu erfinden und sie effizienter, effektiver und letztlich fit für das 21. Jahrhundert zu machen.

In der Humanbiologie geht es im Wesentlichen um die Bewältigung großer Zahlen und riesiger Datensätze: Denn in jedem von uns stecken Millionen von Einzelkomponenten, die für unsere Gesundheit lebenswichtig sind. Im Zusammenspiel dieser Komponenten ent­stehen Krankheiten und Leiden. Diese Komplexität macht es schwierig, deren zugrunde­liegenden Ursprünge und Ursachen zu bestimmen.

Beispiel Gensequenzierung: Technologie senkt Kosten

Noch bis vor Kuzem fehlten uns die Mittel, diese Unmengen an Informationen zu sammeln und zu verarbeiten. Heute ermöglichen uns Fortschritte in künstlicher Intelligenz (KI), der Genomik oder der Digitalisierung, das enorme Ausmaß und die Komplexität der Biologie der Menschen zu verstehen.

Ein Beispiel für das Zusammenspiel verschiedenener Technologien ist die Gen­sequenzierung. Sie ermöglicht uns, genetische Informationen zu entschlüsseln. Als 2003 das erste menschliche Genom sequenziert wurde, dauerte dies 13 Jahre und kostete 3 Milliarden US-Dollar. Heute wird derselbe Prozess in weniger als einer Stunde zu einem Preis von 600 US-Dollar durchgeführt.

Die Kosten für eine Gensequenzierung sind stark gefallen

Y-Achse: Kosten in US-Dollar, lila: Kosten pro Genomsequenzierung, gestrichelt: Mooresches Gesetz

Bis 2008 sanken die Kosten für die Gensequenzierung in einem ähnlichen Tempo wie die Kosten für die Datenverarbeitung: grob geschätzt halbierten sie sich entsprechend dem Moore´schen Gesetz etwa alle zwei Jahre. Dann begann die amerikanische Firma Illumina damit, Technologien aus anderen Bereichen auf die Gensequenzierung anzuwenden. Das führte zu einer rapiden Reduktion der Sequenzierungskosten. In den darauffolgenden 12 Jahren senkte Illumina die Kosten um den Faktor 1.000.

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