Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) versteht sich vor allem als politischer Interessenvertreter. Ab sofort bietet er aber auch praktischen Service für den Berateralltag an, der über Texte und Präsentationen, Excel-Tabellen und Musterschreiben hinausgeht: Als Pilotprojekt startete auf der diesjährigen Branchenmesse DKM ein erstes Online-Tool für Finanzberater: Der neue „BVK-Altersvorsorgecheck DRÜ“ soll Daten aus der digitalen Rentenübersicht (DRÜ) der Deutschen Rentenversicherung nutzen, damit Versicherungsvermittler ihre Kunden umfassend beraten können. 

Start mit allen Daten im Januar 2025 geplant 

Das staatliche und werbefreie Online-Portal DRÜ soll ab dem kommenden Jahr mit Daten aller sogenannten Versorgungsträger gefüttert sein (Liste der angebundenen Anbieter von Altersvorsorge-Produkten zum jeweils aktuellen Stand). Das soll den Nutzern „mit wenigen Klicks einen Überblick bei Ihrer Altersvorsorge“ verschaffen, versprechen die Betreiber aus Berlin. Denn das neue Informationsportal ist ein gemeinsames Projekt von Vertretern aller drei Säulen der Alterssicherung: gesetzlich, betrieblich, privat. Wie viel die Verbraucher bereits in den entsprechenden Verträgen für Ihre Altersvorsorge angespart haben, soll die DRÜ mit jeweils aktuellem Stand anzeigen

 

Spezielle Versorgungswerke bleiben außen vor 

Die Nutzer sehen auf der Startseite des bereits vor zwei Jahrzehnten angestoßenen Portals zunächst eine Gesamtübersicht aller in die Datenbank aufgenommenen Verträge. Hierbei fehlen jedoch nach wie vor Daten zur Alterssicherung der Landwirte und der Beamtenversorgung, die berufsständische Versorgung für zum Beispiel Ärzte, Architekten und Rechtsanwälte sowie die private Altersvorsorge aus Immobilien, Depotvermögen oder Spareinlagen. Konkret genannt wird immer einerseits die auf jeden Fall im Ruhestand gezahlte Rente. Andererseits wird der Anspruch genannt, mit dem der Sparer im besten Fall rechnen kann. 

Screenshot der DRÜ
Screenshot der DRÜ: Startseite © Zentrale Stelle für die Digitale Rentenübersicht

DRÜ bietet „Potenziale für unabhängige Vermittler“ 

Doch damit noch nicht genug: Für die erreichten und erreichbaren Werte gibt es jeweils einen Betrag, der vertraglich garantiert, beziehungsweise realistisch prognostiziert wird. Die größte Schwäche der DRÜ ist für die Stuttgarter Lebensversicherung aber, dass eine Einordnung der vielen Zahlen fehlt: Die Kunden werden nicht dabei unterstützt, ihren persönlichen Finanzbedarf im Rentenalter zu ermitteln und mit den nicht von der Inflation entwerteten Zahlungen abzugleichen. Dies biete aber „Potenziale für unabhängige Vermittler“ – um Neu- und Bestandskunden anzusprechen und Hilfe anzubieten, die DRÜ-Daten zu interpretieren. 

Die 4 Werte in der digitalen Rentenübersicht: 

  • Garantiert erreichte Ansprüche werden ohne weitere Beiträge in der angegebenen Höhe zum festgelegten Zeitpunkt zur Verfügung stehen. 
  • Prognostiziert erreichte Ansprüche sind die bisher garantiert erreichten Ansprüche zuzüglich der beispielsweise realistisch zu erwartenden Zinsen, Renditen oder Rentenanpassungen. Letztere sind zwar nicht garantiert, werden aber auch ohne weitere Beiträge des Sparers und/oder der Riester-Zulagenstelle fällig. 
  • Garantiert erreichbare Ansprüche sind garantiert erreichbare Ansprüche, wenn die Sparbeiträge weiterhin gezahlt werden. Sie stehen zu einem festgelegten Zeitpunkt sicher in der angegebene Höhe zur Verfügung. 
  • Prognostiziert erreichbare Ansprüche sind garantiert erreichbare Ansprüche zuzüglich der beispielsweise realistisch zu erwartenden Zinsen, Renditen oder Rentenanpassungen. Letztere sind einerseits nicht garantiert und wurden unter der Annahme berechnet, dass bis zum Rentenbeginn weiterhin Beiträge gezahlt werden. 
 

Basisversion für alle Versicherungsvermittler 

Mit dem BVK-Altersvorsorgecheck DRÜ könnten die „Kunden anhand der über sie vorhandenen Daten sehen, mit welchem Lebensstandard sie im Alter rechnen können“, betonen die Initiatoren. Außerdem berücksichtige das Tool noch weitere Parameter – wie den Sozialversicherungsstatus oder Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Und es berechnet auch die finanziellen Versorgungslücken, die durch einen vorgezogenen Renteneintritt entstehen können. Als Basisversion ist ein Schnellrechner kostenlos für alle Interessierten auf der Website des Branchenverbands deutscher Versicherungsvertreter, Mehrfachagenten und Makler verfügbar. 

Screenshot der DRÜ
Screenshot der DRÜ: Gesamtübersicht © Zentrale Stelle für die Digitale Rentenübersicht

Detaillierter Rechner nur für Verbandsmitglieder  

Darüber hinaus gibt es exklusiv für Verbandsmitglieder einen Detailrechner mit zusätzlichen Funktionen als erweiterte Version, in der die angeschlossenen Vermittler darüber hinaus zum Beispiel den aktuellen Sozialversicherungsstatus berücksichtigen können. Neben den unterschiedlichen Rentenhöhen sollten die Berater ebenso beachten, wie hoch Belastungen durch noch zu bedienende Darlehen sind und ob noch mögliche Unterhaltsansprüche bestehen. Außerdem ist ein zusätzlicher finanzieller Bedarf durch barrierefreies Wohnen zu bedenken, wenn Kunden schon erkennbar in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. 

Screenshot der DRÜ
Screenshot der DRÜ: Detailansicht © Zentrale Stelle für die Digitale Rentenübersicht

„Bisher einmalige Basis für Vorsorgeberatung“ 

Zudem seien die staatlichen Abzüge im Alter „nicht zu unterschätzen, zumal der steuerfreie Anteil von Renten von Jahr zu Jahr sinkt“. In diesem Jahr zum Beispiel beträgt er noch gerade einmal 17 Prozent. Das neue Tool berücksichtige daher sowohl Steuern als auch Sozialabgaben und biete so „einen großen Mehrwert gegenüber den nackten DRÜ-Daten. „Mit dem Beratungstool können Vermittler frühzeitig die Daten der DRÜ für Beratungszwecke nutzen und Versorgungslücken ihrer Kunden anschaulich darstellen“, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz. „Damit wird eine bisher im Vermittlermarkt einmalige und fundierte Basis für unabhängige und qualifizierte Vorsorgeberatung geboten.“ 

Im Interview mit Versicherungsbote erklärt Heinz, er sehe durch die DRÜ keinerlei Probleme für Vermittler. „Ganz im Gegenteil. Die DRÜ könnte bei nicht wenigen eine Motivation auslösen, mehr fürs Alter vorzusorgen und ihre Vermittler diesbezüglich zu kontaktieren. Das heißt, die DRÜ könnte auch ein gewisser Treiber sein, mehr für die Altersvorsorge zu tun.“ Von der Bundespolitik erwartet der Verbandspräsident nun aber, dass sie „dieses wichtige Projekt weiterhin fördert und alle Versorgungsträger drängt, also auch die Versorgungswerke der freien Berufe, ihre Daten bei der DRÜ zu hinterlegen.“ 

Laut der Stuttgarter bietet die DRÜ Vermittlern fünf Beratungsanlässe: erstens Hilfe beim Einstieg. Für das Portal braucht man nämlich nicht weniger als einen digitalen Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion plus der dazugehörigen PIN-Nummer und der 11-stelligen Steuer-ID sowie ein Kartenlesegerät oder NFC-fähiges Smartphone mit installierter Ausweis-App. „Die Nachfrage nach fachlicher Beratung hierzu sollte in den nächsten Monaten steigen“, erwartet der Maklerversicherer aus dem Ländle und empfiehlt deshalb: „Vermittler sollten sich schnell selbst registrieren, um die Funktionen und potenziellen Hürden besser zu verstehen. Dadurch wird es Ihnen leichter fallen, Kunden für die Nutzung zu gewinnen.“ 

Portal bietet Vermittlern fünf Beratungsanlässe 

Zweitens dürften Kunden mit mehreren Produkten zur Altersvorsorge dankbar sein, wenn ihr Vermittler die eigenen DRÜ-Informationen auf Vollständigkeit und Richtigkeit überprüfen kann. Drittens dürften die vier Werte je Produkt für Laien erst einmal verwirrend sein, sodass ein Erklärer gefragt ist. Viertens müssen diese Momentaufnahmen und Prognosen für die ungewisse Zukunft interpretiert werden, in der weiterhin Steuern und Beiträge zur Krankenversicherung zu zahlen sind. Fünftens berücksichtigt die DRÜ nur Ansprüche mit jährlicher Standmitteilung. Damit fehlen insbesondere Immobilien, die als Altersvorsorge dienen sollen. 

 

Für seine erste Berater-Software zum Thema Altersvorsorge hat der BVK wir mit dem Unternehmen Teckpro zusammengearbeitet, das zuvor eine Studie zum Thema Staatsfonds erstellt hat. Die vor 23 Jahren in Kaiserslautern gegründete Firma aus Kaiserslautern hat sich vom IT-Beratungsunternehmen zum Anbieter von Software für die Finanzberatung entwickelt. Zu ihren Kunden zählen unter anderem Versicherer und Banken sowie Steuerberater und Versicherungsvermittler. Wenn der BVK-Altersvorsorgecheck DRÜ im Markt gut angenommen wird, sind laut BVK in der Zukunft weitere Beratertools der beiden Kooperationspartner geplant.