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Vertrieb der Zukunft: Fast jeder zweite Versicherer sieht sich technologisch und organisatorisch besser aufgestellt als seine direkten Wettbewerber. Nur 12 Prozent sehen sich in einer schwächeren Position. | © rawpixel.com

Digitalisierung der Versicherungsbranche Versicherer wollen besonders viele Jobs streichen

Zwei von drei Entscheidern in Firmen der Branche Finanzdienstleistungen rechnet als Folge der Digitalisierung langfristig mit weniger Arbeitsplätzen in ihrem Unternehmen. Damit sind die Sorgen vor einem bei Banken und Versicherern deutlich größer als in anderen Wirtschaftssektoren, berichtet jetzt Sopra Steria Consulting. Die Unternehmensberatung führte gemeinsam mit dem F.A.Z.-Institut eine Online-Befragung unter Managern und Fachkräften zum aktuellen Stand ihrer digitalen Transformation durch.

Als neue Technologien im Finanzsektor benennen die Studienautoren von Sopra Steria Consulting insbesondere die zunehmende Automatisierung durch Roboter und die Blockchain-Technologie, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz. Für knapp jeden zweiten Bankmanager ist die IT-gestützte Automatisierung der Umfrage zufolge die wichtigste Maßnahme zur Kostensenkung, um die einbrechenden Einnahmen infolge von anhaltenden Niedrigzinsen und immer aufwändigerer Regulierung aufzufangen.

Simon Oberle, Sopra Steria

Hinzu komme noch steigender Druck durch die Kunden. Nach Ansicht von zwei Dritteln der Entscheider von Versicherern wird die Nachfrage nach vollautomatisierten, digitalen Beratungsangeboten steigen. 60 Prozent der für den Branchenkompass Insurance 2019 befragten 100 Führungskräfte aus Versicherungen wollen das Direktgeschäft über Online-Kanäle im Massengeschäft ausweiten. Der Versicherer Ergo plane beispielsweise, Policen künftig verstärkt über Sprachassistenten zu verkaufen.

Jobprofile werden sich drastisch ändern

„Bei Kontoeröffnungen oder der Regulierung von Standart-Blechschäden übernehmen nach dem Ausfüllen des Online-Formulars durch den Kunden meist Sachbearbeiter manuelle Prozessschritte“, erklärt Simon Oberle. Hierbei bestehe ein „riesiger Automatisierungsbedarf“, so der Leiter Future Management Consulting bei Sopra Steria Next. Das gehe allerdings auch „stark zu Lasten der Bankberater und Versicherungsvermittler“. Daher sei bereits heute die Zahl der eingetragenen Versicherungsvermittler rückläufig.

Grafik: Sopra Steria

„Die gut geschulten Spezialisten weichen auf das beratungsintensive Geschäft wie Private Banking und Betriebsversicherungen aus“, erklärt Oberle. „Insgesamt herrscht die Sorge, dass unter dem Strich mehr Tätigkeiten wegfallen als neue hinzukommen werden.“ Jedoch steige der Bedarf an neuen Fachkräften im Finanzsektor an anderen Stellen signifikant, vor allem für IT-Jobs. Banken und Versicherer investieren laut dem Unternehmensberater „in den kommenden Jahren Milliardenbeträge in den digitalen Umbau“.

Hierzu gründen die Unternehmen der Finanzbranche sogenannte Digitallabore und eigene Softwarefirmen, so Oberle weiter. In diesen entwickelten hunderte Mitarbeiter nicht nur Apps für Schadensmeldungen und die automatisierte Kreditvergabe. „Sie arbeiten zudem an datengetriebenen Vertriebsansätzen für mehr Wachstum. Jeder zweite Finanzdienstleister hat in Teilbereichen bereits digitale Geschäftsmodelle entwickelt – unter anderem als Plattform, an der andere Unternehmen gegen Gebühr andocken können.“

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