Digitalisierung

UBS will Kundenberatung mit künstlicher Intelligenz verbessern

//
Sqreem Technologies hat in einem Wettbewerb der UBS rund 80 Konkurrenten aus dem Feld geschlagen und als Lohn 40.000 Singapur-Dollar (etwa 25.000 Euro) sowie die Aussicht auf einen Vertrag mit der Bank erhalten. Die Aufgabe bestand darin, aus der unübersehbaren Datenflut diejenigen Informationen herauszufiltern, die für einen bestimmten Kunden am wichtigsten sind, und sie ihm in maßgeschneiderter Form auf sein Handy oder Tablet zu liefern.

“Was die Digitalisierung angeht, ist das Bankgeschäft noch sehr wenig entwickelt”, sagte Dirk Klee, Operativer Chef der Vermögensverwaltung der UBS und zuständig für digitale Initiativen, in einem Interview mit Bloomberg News. “Ebay, Amazon - alles wird digitaler. Die Frage ist, wie wir das in eine ähnliche Erfahrung für unsere Kunden umsetzen können.”

Großbanken wie die UBS wollen sich mit Hilfe von Data Mining ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Die Einführung mobiler Zahlungssysteme durch Internet-Giganten wie Google und Apple hat den herkömmlichen Banken die Augen geöffnet für die Gefahren, die ihnen von Seiten der Technologiefirmen drohen. Diese verfügen nicht nur über riesige Datenbestände, sondern auch über das Know-how, sie zu nutzen.

Laut einer Studie von Cap Gemini aus diesem Jahr sind mehr als 70 Prozent der Finanzdienstleister in Nordamerika der Auffassung, dass Big Data Analytics, so die Bezeichnung für die Analyse der Riesen-Datenbestände, ihnen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft. Mehr als 90 Prozent gehen davon aus, dass erfolgreiche Initiativen im Bereich Big Data darüber entscheiden, wer in Zukunft zu den Gewinnern gehört, so die Studie.

Beim Wettbewerb der UBS in Singapur entschieden sich die Preisrichter am 28. November für Sqreem als Gewinner. Das Unternehmen wurde vor sieben Jahren von Chef Ian Chapman-Banks und Rene Raiss gegründet. Es beschäftigt 15 Mitarbeiter und zählt unter anderem Visa und DBS Group zu seinen Kunden. In einem Video auf Youtube zeigen die Sqreem-Gründer, wie sie einen von künstlicher Intelligenz kontrollierten cloud-basierten Rechner einsetzen, der eine Riesenmenge öffentlich verfügbarer unstrukturierter Daten absucht, um alle möglichen Kombinationen der Vorlieben und Interessen der rund 6 Millionen Einwohner Singapurs zu finden, basierend auf einer Liste von 130.000 täglichen Tätigkeiten.

“Wir haben mehr als 85 Millionen individuelle Verhaltensmuster festgestellt, die die Menschen in Singapur pflegen”, heißt es in dem Sqreem-Video. Berücksichtigt werden alle möglichen Felder, von Nahrungsmitteln und Reisevorlieben bis hin zu tieferen persönlichen Fragen wie die Ziele und Ansichten der Menschen zum Leben.

Wird die Technologie auf die Finanzbranche abgestimmt, kann Sqreem ein Profil einer Person erstellen, bei dem potenzielle Übereinstimmungen mit unterschiedlichen Produkten aus dem Vermögensverwaltungsbereich gezeigt werden. Auf die Frage nach möglichen Datenschutzproblemen erklärte das Unternehmen, dass bei dem System vollständige Anonymität gewährleistet sei. “Zu keinem Zeitpunkt sind wir an der Identifizierung einzelner Kunden beteiligt”, antwortete Sqreem auf eine entsprechende Frage von Bloomberg News. Die UBS betonte, dass Datensicherheit und Vertraulichkeit hohe Priorität hätten.

Auch andere Banken investieren in die Datenanalyse. Goldman Sachs Group stieg im November mit 15 Millionen Dollar bei Kensho Technologies ein und startete eine strategische Partnerschaft mit dem Unternehmen, das eine Analyseplattform betreibt, die laut seiner eigenen Website komplexe finanzielle Fragen in einfachem Englisch automatisch beantworten kann. Die Credit Suisse Group, die kleinere Konkurrentin der UBS im Heimatmarkt, weitet ihre Dienstleistungen aus und bietet zunächst in Asien eine digitale Plattform für die Private-Banking-Kunden an, die ebenfalls auf Big Data basiert.

Mehr zum Thema
John FraserVormaliger UBS-Chef wird Finanzstaatssekretär in Australien AnklageEx-UBS-Mann sieht Bewegungsfreiheit „kafkaesk” eingeschränkt Indexfonds auf US-UnternehmensanleihenUBS weitet Angebot an Renten-ETFs aus