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Finanzberatung an Unis
Versicherer reagieren auf „populistische“ Vorwürfe der Verbraucherschützer
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Finanzberatung an Unis Versicherer reagieren auf „populistische“ Vorwürfe der Verbraucherschützer

Frank Kettnaker (ALH-Gruppe, l.) und Martin Gräfer (Die Bayerische)
Frank Kettnaker (ALH-Gruppe, l.) und Martin Gräfer (Die Bayerische): Die Vorstandsmitglieder äußern sich in Kommentaren zum Finanzvertrieb auf dem Unigelände. | Foto: ALH-Gruppe; Bayerische

Anfang des Monats ging die Verbraucherzentrale Hamburg mit einer Warnung für Studierende an die Öffentlichkeit. Dabei ging es um Mitarbeiter des Finanzdienstleisters MLP, die Studenten auf dem Gelände der Universität teilweise unpassende Produkte anböten. Nachdem sich MLP bereits zu der Kritik geäußert hat, werfen nun weitere Stimmen aus der Branche der Verbraucherzentrale Stimmungsmache gegen ihren Berufsstand vor.

Die Aussagen der Verbraucherschützer seien pauschalisierend, polemisch und populistisch. Darin sind sich Frank Kettnaker, Vertriebsvorstand der ALH-Gruppe, und Martin Gräfer, Vorstandsmitglied des Versicherers Die Bayerische, einig. Beide verfassten jeweils eigene Kommentare zu den ihres Erachtens „undifferenzierten“ und „tatsachenwidrigen“ Unterstellungen der Verbraucherzentrale.

Kein Wort zu MLP

Auffällig an beiden Kommentaren: MLP, der eigentliche Auslöser der Debatte um den Finanzvertrieb an Unis, wird nicht einmal erwähnt. Stattdessen stürzen sich Kettnaker und Gräfer auf die „selbsternannten Verbraucherschützer“, die auf der Basis von Einzelfällen eine ganze Branche ins Zwielicht zögen. So heißt es unter anderem von Kettnaker: „Die Verbraucherzentralen unterstellen grundsätzlich teure und verbraucherfeindliche Produkte. Eine undifferenzierte und polemische Unterstellung. Beratung kaputt machen ist einfach, eine ordentliche Beratung durchzuführen, mit vorangegangener Analyse und für die Inhalte voll haftend verantwortlich zu sein bedeutet jedoch Verantwortung zu übernehmen.“

Vorstände loben Rürup-Rente

Ein Streitthema ist dabei kein neues: Schon lange besteht Uneinigkeit über die Vor- und Nachteile der Basisrente. Ursprünglich für Selbstständige als Ersatz für die gesetzliche Rente entwickelt, kann grundsätzlich jeder die sogenannte Rürup-Rente abschließen. Für die einen – unter anderem den Vertrieb – handele es sich dabei beispielsweise wegen Steuervorteilen um ein „äußerst attraktives und geeignetes Produkt“. Wenn die Verbraucherschützer Studenten hingegen vor Verträgen warnen, die gegebenenfalls an ihren Bedürfnissen vorbeigehen, wird damit für Gräfer das „ebenso abgegriffene wie populistische Narrativ des gierigen und skrupellosen Versicherungsvermittlers“ bedient.

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Die Verbraucherzentrale ignoriere „Flexibilität, Kapitalschutz und Unpfändbarkeit des Ersparten“ in der steuerlich geförderten Altersvorsorge, ergänzt Gräfer in einem viel diskutierten Linkedin-Beitrag. In der Bindung des Kapitals sieht der Bayerische-Vorstand den Vorteil, dass gerade junge Menschen dieses Geld nicht unüberlegt in etwas anderes stecken können.

 

Für Verbraucherzentrale gehört Finanzbildung in die Schule

Für die Verbraucherzentrale überwiegen andere Aspekte, wie Sandra Klug gegenüber DAS INVESTMENT nochmal betont: Die Basisrente sei „nicht kündbar, nicht übertragbar, nicht vererbbar“ und das angesparte Kapital werde nur als Rente wieder ausgezahlt.

Zu den Populismus-Vorwürfen der Kommentarschreiber äußert Klug sich nicht. Sie weist jedoch darauf hin, dass die Verbraucherzentrale Gräfer und Kettnaker in einem Punkt zustimmt: Die Finanzbildung junger Menschen sei wichtig. Laut Klug sollte diese „allerdings neutral in der Schule vermittelt werden und nicht von Finanzdienstleistern auf dem Campus“.

Im Grunde genommen sind sich die Verbraucherschützer und die Vorstandsmitglieder der Versicherungsunternehmen somit einig, dass junge Menschen mehr qualifizierte Finanzbildung brauchen. Wie diese jedoch aussehen soll, steht auf einem anderen Blatt.  

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