Arne Sand, Geschäftsführer von Sand & Schott in Stuttgart

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Dividendensaison 2015

Die Analyse sagt, die Dividenden bleiben solide

Mit regelmäßigen Ausschüttungen lassen sich Aktionäre an das Unternehmen binden, die nicht bei jeder Unsicherheit auf den Verkaufsknopf drücken, da sie auch im nächsten Jahr eine attraktive Dividende kassieren wollen.

In diesem Sinne lässt sich auch die aktuelle Bilanz der Dax-Konzerne sehen: Von den 30 Dax-Mitgliedern haben nur zwei – Commerzbank und ThyssenKrupp – 2014 keine Dividende gezahlt. 18 Unternehmen haben ihre Dividende im laufenden Jahr gesteigert, die Mehrheit davon sogar zweistellig.

Diejenigen Dax-Konzerne, die in diesem Jahr die Ausschüttung reduziert hatten, konnten gewichtige Gründe vorweisen. So wurden Eon und Rwe durch die politisch erzwungene Abschaltung ihrer Kernkraftwerke zum radikalen Umbau gezwungen. Die Ausschüttungen haben die Erwartungen der Analysten meist erfüllt, nur vereinzelt waren die Marktauguren zu optimistisch.

Aber wie geht es weiter?

Beim Fußball gilt die Weisheit, unmittelbar nach dem Spiel beginnt die Vorbereitung auf das folgende. Nach unseren Analysen ist auch 2015 mit einer sehr soliden Dividendensaison zu rechnen.

Während Commerzbank und Thyssen Krupp eine weitere Nullrunde einlegen werden, wird bei 21 Dax-Mitgliedern mit einer weiteren Steigerung gerechnet. Bei weiteren fünf Konzernen bleibt die Ausschüttung voraussichtlich auf dem aktuellen Niveau. Nur bei zwei Titeln ist eine Reduzierung zu befürchten.

Aktuell (Stand 22. April) weist damit ein Dax-Investment eine Dividendenrendite von 2,8 Prozent auf, was deutlich über der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von 1,48 Prozent liegt. In Standardwerten aus Großbritannien liegt die Dividendenrendite bei 3, in den USA bei 3,2 Prozent. In diesen Ländern streben Unternehmen traditionell eine höhere Ausschüttung an, da auch die Investoren anspruchsvoller und höhere Renditen gewohnt sind.

Der Wermutstropfen für Dividenden-Investoren ist, dass sich die Risiken im Aktienmarkt insgesamt deutlich erhöht haben. Die geopolitischen Risiken haben zugenommen, die Ukraine vor den Toren Europas steht am Rande eines Bürgerkriegs. Eine Eskalation würde zu erheblichen Kursschwankungen führen.

Zudem scheinen auch die Notenbanken erstmals seit Jahren darüber nachzudenken, die Zügel anzuziehen. Für die meisten Investoren gilt es als abgemacht, dass die neue Fed-Chefin Janet Yellen im Herbst die monatlichen Anleihekäufe aussetzt. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen haben bereits angezogen, das war in der Vergangenheit oft ein Warnsignal für den Aktienmarkt.

Was sollten Anleger in dieser Situation tun?

Eine kluge Dividenden-Strategie ist immer noch sinnvoll, keine Frage. Aber auch eine ordentliche Dividende kann einen Kursrutsch nur abfedern, nie ganz verhindern. Daher sollte zum einen die Dividendenrendite nur einer von mehreren Filtern sein, um eine Aktie auszuwählen. Zweitens ist ein striktes Risikomanagement nötig, um im Falle von Marktturbulenzen größere Verluste im Depot zu vermeiden.

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