DAS INVESTMENT: Herr Koppers, die geopolitischen Spannungen – Zölle, Handelskonflikte bis hin zum Krieg in der Ukraine – beeinflussen die Märkte erheblich. Defensive Aktien gelten als Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten. Wie wichtig sind diese Werte in Ihrer Anlagestrategie?
Andre Koppers: Defensive Anlagen sind in den Fokus gerückt. Tugenden wie Substanz, Value, Dividendenrendite und Buchwerte zählen wieder. Werte, auf die wir von Haus aus setzen. In Zeiten, in denen KI und Tech Höhenflüge erleben, fühlen wir uns mit defensiven Werten wie einer Munich Re, Eon und dem niederländischen Versicherungsunternehmen NN Group auf der sicheren Seite, und damit sehr wohl.
Sie schätzen vorrangig europäische Werte? Wie halten Sie es mit den USA und Schwellenländern?
Koppers: In den Schwellenländern sind wir momentan nicht investiert. Auch die USA sind in allen unseren Fonds massiv untergewichtet. Im Multi-Asset Fonds Oberbanscheidt Global Flexibel UI beispielsweise beträgt die US-Gewichtung nur 6 Prozent – wovon ein großer Teil auf den US-Goldproduzenten Newmont Mining entfällt. Mit europäischen Substanztiteln fühlen wir uns hingegen gut aufgestellt. Neben Versicherern und Rückversicherern investieren wir hier auch bewusst abseits des Mainstreams – etwa in norwegische Lachszüchter. Mit 6 bis 7 Prozent Dividendenrenditen bei einstelligen KGVs finden wir hier Deep Value.
Wo sind Sie darüber hinaus investiert?
Koppers: Deep Value vereinnahmen wir gleichermaßen beim Betonproduzenten Heidelberg Materials. Ob der Beton im Brücken- und Tunnelbau oder bei der Errichtung von Hochhäusern Verwendung findet, ist für uns zweitrangig. Wir allokieren im Zeichen eines massiven Konjunkturprogramms in Europa. Sollte zusätzlich der Ukraine-Krieg in absehbarer Zukunft enden, sind enorme Aufbauleistungen zu stemmen. Das kommt dann on top.
Auch das Schweizer Bauunternehmen Implenia haben nicht viele Anleger auf dem Radar. Dividendenwerte von heute zu kaufen, ist einfach – die Dividendenwerte von morgen zu identifizieren dagegen deutlich schwieriger. Implenia, mit aktuell 2 Prozent unsere größte Position im Portfolio, könnte ein solcher Kandidat sein.
Ohne wachstumsorientierte Titel geht es nicht: Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Energiewende treiben enorme Investitionen. Wie bewerten Sie diese Megatrends aus Sicht eines langfristig orientierten Anlegers – überwiegen Chancen oder Risiken?
Koppers: In KI- und Techwerte können Investoren neben den von uns geschätzten Substanztiteln auch immer mal wieder allokieren. Es bleibt abzuwarten, wie schnell und in welchem Umfang sich mit KI tatsächlich Gewinne erzielen lassen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht absehbar, wo die großen Chancen der nächsten Monate liegen und welche KI-Titel langfristig das Rennen machen.
Viele Investoren fragen sich derzeit, wie sie ihr Vermögen über die nächsten zehn Jahre hinweg stabil entwickeln können. Welche drei zentralen Empfehlungen würden Sie langfristig orientierten Anlegern geben, die heute ihr Portfolio neu ausrichten wollen?
Koppers: Die Maxime von Oberbanscheidt & Cie. ist einfach und altbekannt: Wer gut streut, kommt nicht ins Rutschen. Wir raten dringend davon ab, zuviel Kapital in eine Branche oder einen einzelnen Wert zu investieren. Stattdessen schicken wir viele Pferde ins Rennen; rund 70 Titel im Portfolio, Aktien und Anleihen zusammengenommen.
Außerdem gilt: Investoren müssen im heutigen Umfeld bereit sein, immer mehr Schwankungen zu akzeptieren. Wir werden weiterhin schnelle Dips nach unten sehen und müssen uns daran gewöhnen, mit einer hohen Volatilität zu arbeiten. Unsere Aktienquote liegt derzeit bei 40 Prozent, im historischen Vergleich damit am Tief unseres Aktien-Exposures. Wir haben 6 bis 7 Prozent in der Kasse und parken Barmittel in Bundesanleihen, um flexibel zu bleiben.
Kurze Zwischenfrage: Wen meinen Sie, wenn Sie von „wir“ sprechen?
Koppers: Uns als Fondsberater - wir treffen die Anlageentscheidungen zu dritt. Es müssen nicht aufwendig Anlageausschüsse konsultiert, Ausschusssitzungen einberufen und Protokolle gegengezeichnet werden. Meine Kollegen Marco Jansen und Christian Köpp sind mit mir der Meinung: Wenn etwas zu machen ist, macht man es.
Und das flexibel.
Koppers: Ja, weil wir wissen, dass es keinen Sinn macht, sich sklavisch an ein Thema zu hängen. Anleger tun gut daran, flexibel zu bleiben. KI-Jünger und Aktien-Apologeten von Rüstung, Infrastruktur und Autoaktien sind vor Fehleinschätzungen nicht geschützt. Und man muss nicht jedem Tweet von Donald Trump hinterherinvestieren.
Was unterscheidet Oberbanscheidt & Cie. aus Ihrer Sicht von den großen Playern am Markt?
Koppers: In Kleve am Niederrhein sitzen nicht allwissende Asset Manager, die genau wissen, wohin sich die Börse bewegt. Wir machen aber einiges anders als andere Marktteilnehmer. Ein Blick ins Portfolio untermauert unseren Anspruch: Wer sich die 20 größten Werte des Oberbanscheidt Global Flexibel UI ansieht, erkennt eine Überschneidung mit dem MSCI World bei genau einer Aktie: Microsoft. Und unsere Rentenseite ist extrem aktiv aufgestellt, hier investieren wir nicht einfach passiv in Staatsanleihen wie viele andere.
Wenn wir von Titeln überzeugt sind, passen wir unsere Gewichtungen nicht nur im Null-Komma-Bereich an, sondern bei uns wird Überzeugung gelebt. Wir hatten Phasen mit einer Aktienquote von 85 Prozent, und ebenso Phasen von 25 Prozent. Mit den genannten 40 Prozent sind wir derzeit vorsichtiger als viele andere Mitbewerber positioniert. Unsere Analyse reicht von der Gesamtaktienquote über die einzelnen Branchen und Segmente bis hin zu den einzelnen Aktien. So waren wir unter den ersten Anlegern, die die Rheinmetall-Aktie gekauft haben. Viele andere hatten sie zu unserem Kaufzeitpunkt – bei 102 Euro – noch gar nicht auf dem Schirm.
Für viele Asset Manager war die Rheinmetall-Aktie lange aus ESG-Perspektive nicht investierbar.
Koppers: Wir haben uns von Anfang an, auch als es en vogue war, nicht an ESG-Kriterien gefesselt. Wir kaufen Standardwerte wie Munich Re und die Shell-Aktie ins Depot, setzen auf Lachszüchter, Waffenhersteller, sowie die US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Einige mögen bei letzteren beiden Aktien zwar sämtliche Falten auf der Stirn kraus ziehen und Gedanken an längst vergangene, trübe Zeiten nachhängen – wir hingegen haben mit beiden Titeln jüngst eine ausgezeichnete Performance erzielt. Fannie Mae und Freddie Mac haben wir bereits frühzeitig ins Portfolio genommen, als sich abzeichnete, dass Donald Trump erneut US-Präsident werden könnte. Im steigenden Markt haben wir sie dann nach und nach wieder verkauft.
Wieviel Geld liegt in den Oberbanscheidt-Fonds?
Koppers: Im Multi-Asset-Fonds Oberbanscheidt Global Flexibel UI haben wir beim Fondsvolumen vor wenigen Wochen die 100-Millionen-Marke durchstoßen und stehen aktuell bei 130 Millionen Euro. Im Oberbanscheidt Dividendenfonds betreuen wir 40 Millionen Euro.
Ihr Ausblick auf die nächsten Monate?
Koppers: Rüstung, Bau und Infrastruktur werden uns die nächsten Monate und Quartale tragen. Es ist besonders wichtig, flexibel zu bleiben. Sollte ein wirklich nachhaltiger Frieden in der Ukraine kommen, ist über osteuropäische Aktien nachzudenken. Osteuropäische Werte, darunter polnische Titel, sehen wir uns an, beobachten hier aber eine hohe Volatilität. Bei Titeln, die der blanken Spekulation unterliegen, sind wir raus.
Bekommen wir eine andere US-Administration, können wir uns auch wieder US-Titeln zuwenden. Alles in allem fühlen wir uns mit unserer Strategie gut positioniert und auf Kurs.
Zur Person
Andre Koppers ist Geschäftsführer und Gesellschafter von Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltungsgesellschaft am Niederrhein. Er setzt auf Substanzwerte, unkonventionelle Investments abseits des Mainstreams und eine konsequent flexible Anlagestrategie.
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