13 von 200 – so viele Vorstandsvorsitze in Deutschlands umsatzstärksten Unternehmen sind heute mit Frauen besetzt. Eine Zahl, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem aktuellen Managerinnen-Barometer 2025 präsentiert. Sie zeigt exemplarisch, wo Deutschland bei der Gleichstellung in Führungspositionen steht: Es geht voran, aber in kleinen Schritten.

In den Top-200-Unternehmen sind inzwischen 19 Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt – ein Anstieg um eineinhalb Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Deutlich höher liegt der Anteil in den Dax-40-Unternehmen: Hier erreicht der Frauenanteil in Vorständen fast 26 Prozent, in den Aufsichtsräten sogar 40 Prozent. „Die Fortschritte sind ohne Zweifel positiv, aber auch nicht überwältigend groß“, bilanziert Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin.

Die Anzahl von Frauen in Vorständen steigt weiter.
Die Anzahl von Frauen in Vorständen steigt weiter. © DIW Berlin

Durchbruch im Finanzsektor

Ausgerechnet eine als konservativ geltende Branche überrascht mit Fortschritten: der Finanzsektor. Die 100 größten deutschen Banken haben ihre Frauenquote in Vorständen seit 2022 von 14 auf 21 Prozent gesteigert. Deutschland positioniert sich damit im EU-Vergleich überdurchschnittlich gut – sowohl bei Vorständen als auch Aufsichtsräten.

 

Doch Zahlen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Katharina Wrohlich warnt: Die bloße Präsenz von Frauen in Führungsgremien reicht nicht. Entscheidend sei, wie Unternehmen ihre Strukturen und Arbeitsweisen anpassen.

Geschlechterstereotype in der Berichterstattung

Eine parallel durchgeführte DIW-Analyse deckt auf: Medien berichten über weibliche Führungskräfte anders als über männliche. Die Auswertung tausender Zeitungsartikel zeigt: Bei Vorständinnen und Aufsichtsrätinnen dominieren familienbezogene Themen. Bei Männern stehen Wirtschaft und Führungsqualitäten im Vordergrund.

Diese mediale Schieflage entspricht nicht der Realität: Daten des Sozio-oekonomischen Panels (Soep) belegen, dass Managerinnen tatsächlich seltener verheiratet sind und weniger häufig mit Kindern zusammenleben als ihre männlichen Kollegen.

Kulturwandel als Schlüssel zum Erfolg

„Wenn Medien Stereotype wie eine Familienorientierung von Frauen aufgreifen, verzerrt das langfristig die Karrierewege von Frauen und Männern“, erklärt Virginia Sondergeld vom DIW. Der Trend zu mehr Frauen in Führungspositionen sei zwar unumkehrbar – aber der Weg zur echten Parität brauche mehr als Quoten. Er erfordere ein grundlegendes Umdenken in Unternehmen, Medien und Gesellschaft.