DJ Börsen in Europa am Mittag leichter - Banken erneut unter Druck

DJ Börsen in Europa am Mittag leichter - Banken erneut unter Druck

FRANKFURT (Dow Jones)--Die europäischen Aktienmärkten notieren am Dienstagmittag um den Vortagesstand, wobei es in den letzten Minuten weiter nach unten geht. Der Euro-Stoxx-50 verliert gegen 12.45 Uhr 0,8% oder 18 auf 2.235 Punkte, der Stoxx-50 gibt 1,2% bzw 23 auf 1.952. Aus charttechnischer Perspektive ist der Euro-Stoxx-50 im Bereich von 2.235 Punkten unterstützt, auf Widerstand trifft er auf dem Niveau von 2.365 Zählern. Händler sprechen angesichts fehlender Vorgaben der Wall Street von einem verhaltenen Geschäft. Eine Tendenz sei nicht zu beoachten. Der Markt schwanke zwischen überverkaufter Lage und ständigen schlechten Nachrichten. Das habe sich schon im Auf und Ab des Vortages manifestiert.

Eine stimmungsaufhellende Wirkung entfaltet die neue Konjunkturumfrage des ZEW. Demnach ist die Lage der Finanzanalysten etwas schlechter, die Zukunftserwartungen sehen aber deutlich besser aus als prognostiziert.

Ein weiterer Händler rechnet damit, dass am Nachmittag mit der Eröffnungsglocke an Wall Street Aufwärtsmomentum an den europäischen Aktienmärkten einziehen könnte: "Bleiben schlechte Nachrichten aus, dürfte die Vorfreude auf die Inauguration von Barack Obama über den großen Teich schwappen", glaubt er. Der designierte US-Präsident wird um 18.00 Uhr MEZ seinen Amtseid ablegen und danach seine mit Spannung erwartete Antrittsrede halten.

Fiat-Pläne lenken Blick auf Autosektor

Fiat plant, 35% an dem angeschlagenen US-Autobauer Chrysler zu übernehmen. Nach Einschätzung von Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, würde Fiat mit einem Einstieg bei Chrysler ein hohes Risiko eingehen. "Chrysler ist ein marodes und schwerst konkursgefährdetes Unternehmen", sagt er. Selbst wenn der italienische Automobilhersteller den Anteil ohne "großes Geld zu investieren" erhalte, sei das Unternehmen immer in der einen oder anderen Weise an einer möglichen Chrysler-Insolvenz beteiligt.

Daimler wäre in diesem Fall der lachende Dritte, wie ein Händler sagt. "Wenn Fiat die Mehrheit will, könnte sie den 20%-Anteil übernehmen, der noch bei Daimler liegt", sagt er. "Daimler könnte dann sagen: Wir haben den Klotz vom Bein und sind jetzt sicher." Daimler legen um 0,6% auf 23,42 EUR zu, Fiat sind in Mailand weiterhin vom Handel ausgesetzt.

Die europäische Automobilindustrie hat nach Ansicht von Günter Verheugen Überkapazitäten von 20% aufgebaut und wird wegen des Nachfragerückgangs Produktionsanlagen stilllegen müssen. Der Vizepräsident der EU-Kommission sagte am Dienstag bei einer Konferenz über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Automobilbranche in Paris, die Überkapazität in der Branche nehme gegenwärtig sogar zu, da neue Werke in Osteuropa die Produktion aufnähmen.

Einige Produktionsstandorte in Westeuropa dürften seinen Worten zufolge geschlossen werden, da sich die Herstellung vor allem von kleinen und mittleren Pkw nach Osten verlagere. Verheugen sagte zudem, er werde bald den designierten US-Präsidenten Barack Obama kontaktieren, um sicherzustellen, dass die US-Hilfen für die Autoindustrie die internationalen Handelsregeln nicht verletzen und keine Wettbewerbsnachteile für Hersteller aus anderen Ländern darstellen.

Banken stehen weiterhin unter Verkaufsdruck

Der Bankensektor wird trotz Ausverkaufspreisen gemieden und verliert weitere 4,4%. Die Vorzeichen bei den meisten Einzelwerten sind tiefrot. Lediglich die Royal Bank of Scotland vermag sich nach dem Einbruch vom Vortag ein wenig zu erholen. Mit einem Plus von 7,8% ist der Kurs aber von alter Größe weit entfernt.

Auch UBS schlagen sich vergleichsweise gut. Nach Einschätzung der Credit Suisse ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass die Geschäftszahlen der UBS am 14. Februar unter den Konsensschätzungen ausfallen werden. Allerdings sei ein Großteil der negativen Nachrichten bereits in der Presse veröffentlicht worden und sollte daher eingepreist sein. Fundamental betrachtet sei die Aktie auf dem aktuellen Niveau sehr günstig. UBS habe das Bilanzrisiko wesentlich reduziert, so dass das Chance-Risiko-Verhältnis aussichtsreich erscheine. Der Titel verliert 0,6% auf 12,52 EUR.

Gewinnwarnung von Air France

Air France-KLM brechen nach einer vorbörslichen Gewinnwarnung für das dritte Quartal um 7,3% auf 7,97 EUR ein. Vor dem Hintergrund von angesichts des sich verschlechternden gesamtwirtschaftlichen Umfelds sinkenden Frachtvolumina wird die französisch-niederländische Fluggesellschaft in diesem Zeitraum wahrscheinlich einen operativen Verlust ausweisen.

Bereits am Montag waren die Aktien des Unternehmens aufgrund von Spekulationen über eine gesenkte Prognose für das dritte Quartal um 7,9% gefallen. Für den Branchenindex "Reise und Freizeit", in dem die Papiere der Airlines aus dem Stoxx-600 zusammengefasst sind, geht es um 2,6% nach unten.

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January 20, 2009 06:57 ET (11:57 GMT)

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