DJ Deutsche Flughafenbetreiber trotz Krise optimistisch

DJ Deutsche Flughafenbetreiber trotz Krise optimistisch

Von Kirsten Bienk DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Die globale Wirtschaftskrise wird die großen deutschen Flughäfen nach deren eigener Einschätzung nicht nachhaltig in finanzielle Bedrängnis bringen. Zwar litten derzeit alle Airportbetreiber unter rückläufigen Passagier- und Frachtzahlen, sagte Michael Kerkloh, Geschäftsführungsvorsitzender der Flughafen München GmbH, am Mittwochabend in Frankfurt. Dies werde aber nur ein vorübergehendes Problem sein.

"Der Luftverkehr wird ganz sicher wieder wachsen", sagte Kerkloh. Außerdem seien die Flughafenkapazitäten gegenwärtig sehr knapp bemessen, und die Ausbauvorhaben in Frankfurt, München und Berlin würden den langfristig steigenden Bedarf nach Flügen nicht decken können.

Dies sieht auch die Fraport AG, Frankfurt, so. Am Heimatflughafen in Frankfurt würden zwar aktuell ebenfalls rückläufige Fracht- und Passagierzahlen verzeichnet, sagte Finanzvorstand Matthias Zieschang während einer Veranstaltung des Luftfahrt-Presse-Clubs. Gleichwohl gebe es viele Anfragen nach Start- und Landerechten, die gegenwärtig nicht befriedigt werden könnten.

Einen konkreten Ausblick auf das Jahr 2009 wagte keiner der Manager. Den von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) bislang in Aussicht gestellten Passagierrückgang von rund 3% wollte keiner von ihnen unterstreichen. Die Einbußen in den ersten beiden Monaten 2009 seien höher ausgefallen, sagte Kerkloh. Auch der ADV deutete durch seinen Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel an, dass der bislang genannte Ausblick vielleicht nicht mehr lange gehalten werden kann.

Eine Einbuße von 10% wäre für München keine Katastrophe. Damit falle der Flughafen nur auf das Niveau des sehr guten Jahres 2007 zurück, sagte Kerkloh, und nicht auf das wesentlich schlechtere Jahr 2002.

Die Flughäfen selbst können seiner Einschätzung zufolge das künftige Wachstum mit in Gang setzen. Jetzt sei es an der Zeit, antizyklisch in den Ausbau der Flughäfen zu investieren und die Konjunktur anzustoßen. Und wenn die Nachfrage dann wieder steige, seien zusätzliche Kapazitäten vorhanden, sagte er.

Auch Michael Garvens, Geschäftsführungsvorsitzender der Flughafen Köln/Bonn GmbH, hält die Situation für "gar nicht so schlimm". Die großen Flughafenbetreiber seien alle sehr "erfolgsverwöhnt" und würden auf hohem Niveau klagen. Die globale Wirtschaftskrise ist seiner Einschätzung zufolge allerdings bei den Verbrauchern noch nicht richtig angekommen. Aus diesem Grund gehe er davon aus, dass die Erlöse des Flughafens aus dem Nichtflugbereich in den kommenden Monaten zurückgehen werden. Gegenwärtig würden ausbleibende Passagiere zwar schon die Umsätze im Handels- und Gastronomiebereich drücken. Dramatisch sei dies aber noch nicht.

Der ADV sieht das Ende der Krise dagegen schon nahen. "Wir rechnen alle mit einem schwierigen Jahr 2009", sagte der Hauptgeschäftsführer. Der Verband glaube aber, dass die "Sonne bereits wieder 2010 und auch danach scheine". Aus diesem Grund sieht Beisel keinen Anlass für Pessimismus. Die Erfahrung zeige, dass der Luftverkehr nach Krisen immer ein überproportionales Wachstum aufgewiesen habe. Da der Luftverkehr in Deutschland eine "große Stütze der Volkswirtschaft" sei, fordert der Verbandsgeschäftsführer die Unterstützung der Politik. "Wir wollen keine Subventionen, wünschen uns aber, dass uns die Politiker keine Knüppel zwischen die Beine werfen", sagte Beisel. So erwartet er in einem überarbeiteten Flughafenkonzept der Bundesregierung klare Aussagen zu Nachtflügen und Kerosinsteuern. Diese Stellungnahmen gebe es bisher nicht, sagte der Geschäftsführer.

Aber auch die Flughafenbetreiber sind jedoch gefordert. Die deutschen Airports erwirtschaften nach Angaben des Fraport-Finanzvorstands in der Summe nicht die Kapitalkosten und hätten deswegen kein gewinnbringendes Geschäftsmodell. Langfristig müsse jeder einzelne Flughafen betriebswirtschaftlich arbeiten. Gegenwärtig sei das Ertragsniveau nicht da, wo es sein müsse. Kostensenkungen, eine Erhöhung der Profitabilität und innovative Ideen könnten hier Verbesserungen bringen, sagte Zieschang.

Webseite: http://www.fraport.de

-Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com DJG/kib/jhe

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March 19, 2009 04:30 ET (08:30 GMT)

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