DJ Europas Börsen weiter mit Abgaben - Banken erneut unter Druck

DJ Europas Börsen weiter mit Abgaben - Banken erneut unter Druck

FRANKFURT (Dow Jones)--Europas Börsen setzen auch am Mittwoch ihre Talfahrt der vergangenen Tage ungebrochen fort. Positive Impulse insbesondere aus dem Technologiesektor nach Zahlen von IBM und Ericsson reichen nicht aus, um den Gesamtmarkt nachhaltig zu stützen. Auch die Antrittsrede des 44. Präsidenten der USA kann die Stimmung der Anleger nicht verbessern. Bis 12.49 Uhr gibt der Euro-Stoxx-50 um 1,2% oder 27 auf 2.174 Punkte nach, der Stoxx-50 fällt um 1,5% bzw 29 auf 1.907 Stellen.

Nach seiner Vereidigung als erster afro-amerikanischer Präsident rief Barack Obama zur gemeinsamen Kraftanstrengung beim Kampf gegen Wirtschaftskrise und Klimaerwärmung auf. "Mit allem Respekt: Die Pläne von Obama haben doch eher den Charakter von Verstaatlichungen und taugen kaum als echte Stimuli", kommentierte ein Händler und zeigte sich enttäuscht von der Rede.

Bankenwerte weiter mit Abgaben

Im Kern der Marktschwäche steht weiter der Bankensektor, nachdem am Vortag an Wall Street die tiefsten Notierungen seit dem Ausbruch der Finanzkrise markiert wurden. Im Schnitt geht es in Europa um 1,6% nach unten, der Versicherungssektor verliert 2,8%. Unter Druck stehen dabei weiter vor allem britische Finanzinstitute.

Die starken Verluste der britischen Banken der vergangenen Tage deuten nach Aussage eine Händlers darauf hin, dass Anleger auf eine Verstaatlichung setzen mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf die Anleger. Die Möglichkeit eines Überlebens der RBS stufen die Analysten von Bernstein mit 10% bis 20% ein, für Lloyds und Barclays wird die Wahrscheinlichkeit bei 25% bis 40% gesehen.

Für Barclays geht es um 19,8% auf 58,40 p nach unten, Lloyds halten sich mit einem Abschlag von 12% auf 39,40 p etwas besser. Nach dem dramatischen Kursverlust nach dem Ausweise vorläufiger Zahlen erholen sich dagegen Royal Bank of Scotland mit einem Plus von 6,8% auf 11 p. Auf dem Niveau kommen momentan kaum noch Verkäufe an den Markt.

Zahlen von SocGen beruhigen französischen Bankensektor

Zumindest unter den französischen Banken wirken vorläufige Geschäftszahlen der Societe Generale (SocGen) leicht beruhigend. Für das Jahr 2008 erwartet die französische Bank einen Nettogewinn von 2 Mrd EUR, die Kernkapitalquote soll per Jahresultimo bei 8,5% liegen. Die Aktie befand sich zuletzt im freien Fall, kann sich am Berichtstag aber um 5,3% auf 25,95 EUR erholen. Für Credit Agricole geht es 2,6% nach, BNP Paribas verlieren indes 6%.

Rohstoffwerte verlieren an Boden

Mit Verlusten von 3,3% notieren auch Rohstoffwerte sehr schwach. Die Analysten von Morgan Stanley (MS) sehen derzeit keinen Grund, warum Anleger wieder zu Stahlwerten greifen sollten. Ihrer Einschätzung zufolge wird 2009 ein schlimmeres Jahr als 2001. Damals seien in den USA Unternehmen in Insolvenz gegangen, die für ein Viertel der dortigen Produktionskapazität gestanden hätten.

Für Enttäuschung unter den Anlegern sorgt auch der Lagebericht von BHP Billiton. Dieser zeige, dass sich die operative Lage des Unternehmens verschlechtere, sagt Liberum Capital. Die Kupferproduktion sei schwächer ausgefallen, während das Unternehmen bei der Auslieferung von Eisenerz gut abgeschnitten habe. Das Unternehmen habe zudem einen düsteren Ausblick gegeben, als es von einer deutlichen Verschlechterung der Marktlage seit Oktober berichtet habe.

Für BHP Billiton geht es 1,5% auf 1.136 p nach unten, Rio Tinto verlieren 1,2% auf 1.458 p und Anglo American 1%. Im Stahlsektor geben ThyssenKrupp um 2,5% auf 16,30 EUR oder Salzgitter um 2,4% auf 50 EUR nach. Gut halten können sich Arcelor Mittal mit einem Minus von 0,2%.

Zahlen von IBM und Ericsson stützen Technologie-Sektor

Einen Kontrapunkt setzt am Berichtstag der Technologiesektor nach positiven Zahlen von IBM sowie Ericsson. Hier geht es im Stoxx-Universum 2,5% nach oben. Das vierte Quartal von Ericsson hat positiv überrascht, aber gibt keine Tendenz für 2009 vor, wie die Analysten der Swedbank konstatieren.

Analyst Jan Ihrfelt rechnet mit einem schwierigen Jahr und weiteren Restrukturierungen. "Es ist klar besser als erwartet, aber sie sind mit ihrem Ausblick auf 2009 sehr vorsichtig und das sorgt für Unsicherheit", sagt der Experte mit Blick auf die Aussagen von Ericsson zum Berichtsquartal und zum Jahr 2009. Zudem hat IBM im vierten Quartal trotz geringerer Erlöse ihr Nettoergebnis gesteigert und eine über den Markterwartungen liegende Prognose für 2009 abgegeben.

Für die Aktie von Ericsson geht es nach den Zahlen um satte 13,4% auf 63,50 SEK nach oben und Infineon gewinnen 0,7%. Der direkte Mitbewerber Nokia gibt dagegen um 0,5% nach, kann sich mit Blick auf die Gesamtmarktentwicklung aber noch gut halten.

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January 21, 2009 06:51 ET (11:51 GMT)

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