DJ EZB/Weber: Geldpolitik braucht langfristige Perspektive

DJ EZB/Weber: Geldpolitik braucht langfristige Perspektive

FRANKFURT (Dow Jones)--Notenbanken sollten nach Einschätzung von Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Axel Weber bei der Festlegung ihrer Geldpolitik im Hinblick auf Finanzmarktzyklen eine längerfristige Perspektive einnehmen. Die Geldpolitik solle Auf- und Abschwünge an den Finanzmärkten nicht als isolierte Ereignisse betrachten, sondern über diese Schwankungen hinwegsehen und eine stabile Geldpolitik verfolgen, sagte Weber am Dienstag laut Redetext in Kuala Lumpur. Eine solche "symmetrische Geldpolitik" würde auch die negativen Folgen der Finanzzyklen abmildern.

Bei der Analyse der Geldpolitik in den Jahren vor der Finanzkrise habe sich gezeigt, dass in den meisten Industrieländern in der zweiten Hälfte der Dekade eine eher expansive Geldpolitik verfolgt wurde. Dies sei nicht nur in den USA der Fall gewesen, sondern auch im Euroraum. Niedrige Langfristzinsen würden aber tendenziell dazu führen, den Risikoappetit der Finanzmarktteilnehmer zu erhöhen und damit weltweit das aggregierte Kreditwachstum antreiben, erklärte das Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Dieser Prozess könne dann abrupt zu einem Ende kommen, wenn die Notenbanken ihre Niedrigzinspolitik beendeten.

Die Finanzzyklen können sich Weber zufolge nicht unabhängig von der Geldpolitik einstellen. Der Einfluss der Geldpolitik auf das Verhalten der Marktteilnehmer sei aber besonders ausgeprägt, wenn Notenbanken eine "asymmetrischen Geldpolitik" verfolgten. Darunter versteht Weber aggressive Leitzinssenkungen angesichts eines Wirtschaftsabschwungs und nur eine schrittweise Erhöhung, wenn der Aufschwung wieder einsetzt.

Besser wäre nach Einschätzung des Bundesbankpräsidenten eine "symmetrische Geldpolitik". Hierbei würde die Geldpolitik den ganzen Finanzzyklus im Blick haben und damit eine längerfristige Perspektive einnehmen. Auch würde ein höherer Zinssatz erwogen, wenn der Risikoappetit der Finanzmarktteilnehmer steige, selbst wenn es keine Inflationsrisiken oder makroökonomische Risiken im üblichen Prognosehorizont gebe, sagte Weber. Mit diesem Ansatz könnte also auch nachteiligen Trends am Finanzmarkt entgegengewirkt werden. Ein symmetrischer Ansatz in der Geldpolitik würde in Zukunft zwar keine Finanzkrisen verhindern, aber die negativen Effekte des Finanzzyklus würden dadurch besser abgemildert.

Die monetäre Analyse im Eurosystem sei ein analytisches Instrument für die mittel- bis langfristige Perspektive. Es erlaube nicht nur den analytischen Horizont über den üblichen Zeitraum von zwei Jahren hinaus zu erweitern, sondern berücksichtige auch die niedrigfrequenten Schwankungen der monetäre Aggregate und Kreditaggregate im Entscheidungsprozess. Daher besitze das Eurosystem bereits ein wichtiges stabilisierendes Element, um prozyklische Trends bei der Geldpolitik zu verhindern. "In Zukunft wird dieser Aspekt noch an Bedeutung gewinnen müssen", betonte Weber.

-Von Katrin Härtel, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 297 25 300, konjunktur.de@dowjones.com DJG/kth/hab

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February 09, 2009 22:00 ET (03:00 GMT)

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