DJ Merkel: Lehre aus Krise geht über Finanzmarktregulierung hinaus

DJ Merkel: Lehre aus Krise geht über Finanzmarktregulierung hinaus

BERLIN (Dow Jones)--Die internationale Staatengemeinschaft muss nach Überzeugung von Bundeskanzlerin Angela Merkel Lehren aus der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise ziehen, die über reine Fragen der Finanzmarktregulierung hinausgehen. "Die Krise ist das Ergebnis von langfristigen Entwicklungen, die immer wieder zugelassen haben, dass Länder über ihre Verhältnisse gelebt haben", betonte Merkel in einer Regierungserklärung im Deutschen Bundestag zu dem bevorstehenden Gipfeltreffen von Europäischer Union (EU) und Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20). Deshalb sei die geplante Schuldenbremse sehr wichtig.

"Wir können jetzt nicht so weiter machen, dass wir sozusagen von Krise zu Krise eilen", forderte die Kanzlerin und verwies auf die Asienkrise Ende der 1990er-Jahre, das Platzen der New-Economy-Blase und die aktuell noch viel schwerere Krise, die inzwischen die gesamte Weltwirtschaft "voll erfasst" habe. "Wir haben das jetzt drei Mal erlebt, wenn die Menschheit daraus nicht die richtigen Lehren zieht, dann hat sie nichts verstanden und dann hat das wirklich schwierige Auswirkungen", warnte Merkel. "Deshalb geht die Aufgabe auch weiter, als nur Finanzprodukte und Finanzmärkte zu regulieren", hob sie hervor. Deshalb habe sie eine Charta gemeinsamen Wirtschaftens vorgeschlagen.

Generell setzte sich Merkel für ein gemeinsames Vorgehen der internationalen Staatengemeinschaft bei der Bekämpfung der Krise ein. "Alle Wirtschaftsräume sind betroffen, kein Land kann sich davon abkoppeln", betonte sie. Die 27 Staats- und Regierungschefs der EU wollten bei ihrem Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel vor allem dem Aufbau einer "neuen globalen Finanzarchitektur" vorantreiben, sich aber auch gegen Protektionismus und für Fortschritte beim Kyoto-Klimaschutzabkommen einsetzen. Merkel bekräftigte, Deutschland werde einem EU-Konjunkturpaket nur zustimmen, wenn die Maßnahmen "substanziell" auch 2009 und 2010 begonnen würden.

Für den Weltfinanzgipfel am 2. April in London hätten die Finanzminister bereits "erhebliche Vorarbeiten" geleistet, betonte Merkel. "Man kann sagen, dass die Fortschritte sichtbar sind, aber dass wir noch nicht am Ziel dessen sind, was wir in London erreichen wollen", konstatierte sie. "Wir haben uns verständigt, dass die Orte, die Akteure und die Produkte einer Transparenz und Überwachung bedürfen", hob Merkel hervor. Mit Blick auf Steueroasen sei es zudem "richtig und unabdingbar, Ross und Reiter mit Namen zu nennen".

-Von Andreas Kißler, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 - 2888 4118, andreas.kissler@dowjones.com DJG/ank/kth Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de

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March 19, 2009 05:08 ET (09:08 GMT)

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