Nach 50 Jahren als einer der Pioniere im aktiven Fondsmanagement wagt DJE den Schritt in die Welt der ETFs – allerdings mit einem aktiven Ansatz. Im Interview erklärt Vorstand Thorsten Schrieber, warum das Unternehmen diesen strategischen Schritt geht und wie sich der neue aktive ETF für den US-Markt vom Wettbewerb unterscheidet.

Starker Fokus auf den US-Markt

„Der US-Aktienmarkt macht fast 75 Prozent des MSCI World aus. Wenn wir uns die aktuelle Diskussion über KI und Technologie anschauen, dann spielt die Musik einfach in Amerika“, begründet Schrieber die Entscheidung für einen ETF mit US-Schwerpunkt. Trotz der aktuell hohen Bewertungen am US-Markt sei das Gewinnwachstum der Unternehmen weiterhin stark: „Das Gewinnwachstum wächst auch in diese Bewertung hinein.“

Der neue aktive ETF bildet die 50 besten US-Aktien gemäß eines eigenen Scoring-Modells ab. Dieses beruht auf dem sechsstufigen Investmentprozess von DJE, der qualitative Faktoren wie Unternehmensbesuche, Analysten-Einschätzungen und Nachhaltigkeitsbewertungen mit quantitativen Elementen wie Momentum, relative Stärke sowie Sicherheit und Liquidität kombiniert.

Kombination aus KI und klassischer Analyse

Beim Thema künstliche Intelligenz erklärt Schrieber, wie DJE moderne Technologien einsetzt: „Wir haben im quantitativen Teil sehr komplexe Modelle im Hintergrund liegen.“ Für die Datenauswertung kommen zunehmend Machine-Learning-Prozesse zum Einsatz. Schrieber betont dabei: „Es ist jetzt kein Prozess, wo man sagen kann, dass die KI die Anlageentscheidung trifft. Aber für diese drei quantitativen Blöcke ist das ein wichtiger Bestandteil.“

Ein wichtiger Unterschied zu klassischen passiven ETFs ist dabei die Gewichtung der Titel. Die Titel 1 bis 25 sind mit jeweils 2,5 Prozent gewichtet, die Titel 26 bis 50 mit jeweils 1,5 Prozent. „Das bedeutet nicht zwangshaft, dass wir in den 'Magnificent Seven' investiert sind, nur weil jedes klassische passive ETF diese Titel repliziert“, betont Schrieber. Die Tech-Giganten kommen nur ins Portfolio, wenn sie sich über den Scoring-Prozess qualifizieren.

Langfristige Strategie und Zielgruppen

Der aktive US-ETF ist für DJE nur der Anfang. Man könne sich vorstellen, noch weitere aktive ETFs verrät Schrieber. Er könnte sich ETFs für Europa, Asien und vielleicht auch ein reines technologiegetriebenes Produkt vorstellen - jedoch „nicht im Sinne einer Massenfabrik“, aber als sinnvolle ergänzende Bausteine.

Als Zielgruppe sieht DJE nicht nur Selbstentscheider über Plattformen wie Trade Republic, sondern auch den klassischen Retail-Vertrieb über Pools, Semi-institutionelle und institutionelle Kunden. „Ich habe auch eine Reihe von Family Offices gesprochen, die gesagt haben: Ja, klar, setzen wir US-ETFs ein. Uns ist aber nicht ganz wohl dabei, dass alles immer in die größten Werte reingeht“, so Schrieber.

Abschließend äußert Schrieber seine Bedenken hinsichtlich der Konzentration in den großen Indizes: „Die Top-10-Titel haben heute etwa 40 Prozent Anteil [im S&P 500]. Das kann nicht gesund sein.“ Sein Wunsch wäre, dass sich die Indexanbieter darüber Gedanken machen - oder dass mehr aktive ETFs entstehen, „um von diesem Schema einfach abweichen zu können.“